Technik

In Berlin wiehert der Amtsschimmel Gratis-WLAN vor dem Aus

Router_02.jpgDie Berliner werden wohl doch nicht in den Genuss eines Gratis-WLAN kommen. Grund: Die Senatsverwaltung blockiert das Projekt mit immer neuen, teils abwegigen Forderungen.

Vor drei Jahren begann in der Hauptstadt der Traum von einem freien drahtlosen Intenetzugang. City Ost rund um Unter den Linden und City West rund um den Kurfürstendamm sollen kostenlos mit WLAN versorgt werden. Sollen. Denn obwohl ein Pilotprojekt erfolgreich war, stellt sich die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiter quer, statt den politischen Willen umzusetzen.

Sicherheitsbedenken

Router_01.jpgAn 5000 Stellen müssten für das Projekt kleine WLAN-Router auf Ampeln oder Laternen montiert werden. Diese Standorte zu benennen oder vorgeschlagene zu akzeptieren, ist für die Mitarbeiter von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) offenbar eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Die Argumente, die die Verwaltung als Entschuldigung für ihre Blockade vorträgt, erscheinen äußerst schwach. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die funkenden Router die Steuerelektronik der Ampeln stören, sagte Junge-Reyers Sprecherin der Berliner Morgenpost. Seltsam, denn dies wurde ja unter anderem in dem Pilotprojekt erfolgreich widerlegt. Das sieht auch der Sprecher der technisch zuständigen Stuttgarter Firma Airdata so. "Alle Unbedenklichkeitsbescheinigungen liegen vor", zitiert ihn die Zeitung. Gegenüber n-tv.de äußerte er seine Verwunderung darüber, dass immer wieder neue Nachweise gefordert werden. "Warum dies so ist, ist mir unergründlich", sagte er.

Sorge ums Stadtbild

Argument 2 der Bedenkenträger wirkt noch absonderlicher. Router auf Laternen könnten das Stadtbild stören, heißt es. Angesichts der städtebaulichen Realität in City Ost und City West wirkt dieser Einwand doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Und selbst an historischen Plätzen sind die Router auf den Laternen kaum als störend auszumachen.

Der Aufwand, 5000 Standorte verbindlich zu benennen, sei der Verwaltung nicht zuzumuten, sagte die Senatssprecherin der Berliner Morgenpost. Die Behörde behalte sich darum für jeden Einzelfall eine Entscheidung vor. Dieses Verfahren kann widerum Airdata nicht akzeptieren. „Wie wollen sie ein Netz planen, wenn sie 5000 Mal einzelne Genehmigungen verhandeln müssen?“, sagte Firmen-Sprecher Katz dem Blatt.

Die Hoffnung mag Katz trotz allem noch nicht aufgeben. "Das Projekt ist nach wie vor sehr interessant und hat technisch und am Markt große Chancen", sagt er. Und schließlich gibt es ja auch Beispiele, wie ein freies WLAN-Netz ohne bürokratische Bocksprünge gespannt werden kann. In Wolfsburg ist durch "Wireless Wolfsburg" jedenfalls noch keine Ampel ausgefallen.

 

 

Quelle: n-tv.de, Klaus Wedekind

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