Technik
Vorsicht beim Aufsteigen: E-Boards können Leib und Leben gefährden.
Vorsicht beim Aufsteigen: E-Boards können Leib und Leben gefährden.(Foto: AP)
Dienstag, 15. Dezember 2015

Plötzliche Explosionen und Brände: "Hoverboards" können Leben gefährden

Sie sind schnell zum Kultobjekt avanciert. Doch Trittbrettfahrer zerstören mit billigen Plagiaten den Ruf der verrückten Elektro-Roller. Von vielen sogenannten "Hoverboards" geht Lebensgefahr aus.

Als der IO Hawk zum ersten Mal durch die Berliner Redaktion von n-tv.de rollte, waren Staunen und Begeisterung groß. Das etwas seltsame Elektro-Gefährt, das auf der Technikmesse CES Anfang 2015 Premiere feierte, eroberte die Herzen der Kollegen im Sturm. Und nicht nur in der Redaktion fand der selbstbalancierende Roller, der ein bisschen an einen Segway ohne Haltestange erinnert, schnell viele Fans.

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Binnen weniger Monate hatte sich der Hype um die flotten Flitzer auf der ganzen Welt verbreitet, zahlreiche Stars wurden auf den gleitenden Gefährten gesichtet, wie unter anderem "Vanity Fair" dokumentierte. Tanzgruppen entdeckten den Roller für sich und zeigten bei Youtube ihre Choreographien zu Justin Biebers Songs "Sorry" oder "What Do You Mean", das "Time Magazine" kürte den "Hoverboard Scooter" zu einer der 25 besten Erfindungen des Jahres, und neben den recht teuren Originalen gab es schnell auch viele günstigere Plagiate zu kaufen.

Billig-Boards geraten in Brand

Genau diese Billig-Ableger der fälschlicherweise auch "Hoverboard" genannten Elektroroller sorgen bereits seit einiger Zeit immer wieder für Aufsehen: Plötzliche Explosionen oder Brände bringen die Gesundheit und mitunter gar das Leben der Besitzer in Gefahr. Die Berichte von Unfällen und Beinah-Katastrophen häuften sich. Wie die "BBC" berichtet, war im Oktober im Raum London ein sogenanntes "Hoverboard" beim Laden des Akkus in Brand geraten, ein zweites war kurz zuvor explodiert. In den USA war es laut "WGNTV.com" ebenfalls zu einer Explosion gekommen, die ein Wohnhaus in Lousiana zerstört habe.

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Anfang Dezember hatten Mitarbeiter der britischen Handelsaufsichtsbehörde zahlreiche Geräte aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen beschlagnahmt. Zuvor hatten sie Importmodelle getestet, die größtenteils aus China ins Land gelangt waren. 17.000 Geräte wurden untersucht, mehr als 15.000 beschlagnahmt, berichtet die "BBC". Gefährlich seien meistens die Akkus und die dazugehörigen Netzteile, die nicht den europäischen Sicherheitsstandards entsprächen, schnell überhitzten und Feuer fangen könnten.

Amazon sortiert aus

Nun haben die drei größten US-Fluggesellschaften Delta, American und United sowie mehrere kleine Airlines die E-Roller an Bord verboten, berichtet "tagesschau.de". Und auch Online-Händler wie Amazon haben inzwischen Konsequenzen gezogen und die meisten der zahlreichen Billig-Kopien aus dem Verkehr gezogen. Das entdeckte "Best Reviews" am Wochenende, "The Verge" bestätigte das später und berichtete unter Berufung auf den Händler "Swagway", dass der Konzern die Anbieter aufgefordert habe, entsprechende Sicherheitsnachweise für ihre E-Boards zu liefern. Auch der Online-Händler "Overstock.com" nimmt die Roller aus dem Sortiment, meldet "Golem".

Während das Angebot vor wenigen Wochen noch schier unendlich war, finden sich jetzt nur noch einige wenige Exemplare in den Shops der britischen und amerikanischen Amazon-Websites, die die internationalen Sicherheitsstandards erfüllen. Auf der deutschen Seite von Amazon sind aktuell noch einige Modelle von verschiedenen Herstellern zu finden, die Preise bewegen sich dabei in Spannen von 380 bis 1000 Euro - ein Indiz dafür, dass es auch hier große Qualitätsunterschiede gibt. Eine Stellungnahme von Amazon Deutschland steht noch aus.

Das deutsche Computermagazin "c't" hatte ein Billig-Exemplar getestet und einen weiteren unter Umständen lebensgefährlichen Mangel festgestellt: Nach 20 Minuten schaltete sich das Gerät automatisch wegen Überhitzungsgefahr ab, die Räder blockierten schlagartig - im Straßenverkehr kann das tödlich enden. In Deutschland sind die Geräte im Straßenverkehr aber ohnehin verboten - da es motorisiert ist und schneller als 6 km/h fährt, gelte es laut "c't" als Kraftfahrzeug. Eine Zulassung gebe es bislang nicht, wird man erwischt, droht ein Bußgeld über mindestens 50 Euro, außerdem könne die Polizei das Gerät konfiszieren, im schlimmsten Fall ist sogar der Führerschein weg.

Quelle: n-tv.de