Technik
Die Webcam des Huawei Matebook X Pro versteckt sich unter einer Klappe.
Die Webcam des Huawei Matebook X Pro versteckt sich unter einer Klappe.(Foto: jwa)
Donnerstag, 28. Juni 2018

Edel-Laptop hat nur ein Problem: Huawei Matebook X Pro ist verlockend gut

Von Johannes Wallat

Das Matebook X Pro von Huawei ist ein echtes Premium-Notebook. Es sieht toll aus, ist flott und hat einen rekordverdächtigen Bildschirm. Ein Feature erweist sich im Test aber als unpraktisch und könnte sogar gegen einen Kauf sprechen.

Dass sich Huawei bei seinen Produkten gerne mal von Apple inspirieren lässt, ist kein Geheimnis. Besonders deutlich wird das bei den schlanken und stilvollen Huawei-Notebooks, die Apples Macbooks nicht nur sehr ähnlich sind. Sie heißen auch noch fast genauso, nämlich Matebook, in der Original-Schreibweise wie bei Apple mit großem B. Wer das neue Matebook X Pro aber als bloße Kopie des Originals abtut und ihm die Aufmerksamkeit verweigert, verpasst was.

Huawei wird nämlich immer selbstbewusster und seine Produkte immer besser, vom Billig-Image der frühen Tage ist kaum noch etwas übrig. Zuletzt konnten die Chinesen mit dem Top-Smartphone P20 Pro beweisen, dass sie sich nicht mehr im Schatten großer Namen verstecken müssen - mit der Triple-Kamera gaben sie stattdessen selbst einen Trend vor, dem große Hersteller wie Apple und Samsung im kommenden Jahr wohl folgen werden.

Ein echter Hingucker

Technische Daten
  • Display: 13,9 Zoll Touchscreen, 3000 x 2000 Pixel
  • Prozessor: Intel 8. Generation, Core i5-8250U / i7-8550U
  • Arbeitsspeicher: 8/16 GB LPDDR3
  • Interner Speicher: 256 oder 512 GB SSD
  • Anschlüsse: 3,5 mm Audio, USB-A 3.0, USB-C 3.0 Gen. 1, Thunderbolt 3
  • Akku: 57,4 Wh
  • Abmessungen: 14,6 x 304 x 217 mm
  • Gewicht: 1,33 kg

Auch das Matebook X Pro ist ein selbstbewusstes Statement. Das Gehäuse des Edel-Notebooks ist aus kühlem Metall gefertigt, das Trackpad ist groß, lässt die Finger sanft gleiten und reagiert präzise auf jede Eingabe. Die Tasten sind flach ins Gehäuse eingelassen, sind beim Tippen kaum zu hören und kippeln auch nicht, wenn man sie ganz am Rand drückt - das kennt man von Apples Macbook Pro, da heißt das "Butterfly-Mechanismus". Die Chiclet-Tastatur ist zudem spritzwassergeschützt.

Das 13,9-Zoll-Display ist ein Touchscreen - das ist bei einem "klassischen" Notebook ohne 2-in-1-Funktion zwar eigentlich unnötig, aber ein nettes Extra. Mit 3000 x 2000 Pixeln ist es sehr scharf, strahlt hell und nimmt fast die gesamte Fläche des Notebook-Deckels ein. Laut Huawei beträgt die sogenannte "Screen-to-Body-Ratio" ganze 91 Prozent. Mit anderen Worten: Die Bildschirmränder sind hauchdünn.

Damit sticht Huawei sogar Dell aus, dessen XPS-Laptops bisher als die Notebooks mit dem besten Bildschirm-zu-Gehäuse-Verhältnis ihrer Klasse galten. Doch das neue XPS 13 kann mit einem Verhältnis von "nur" 80,7 Prozent nicht mit dem Matebook X Pro mithalten. Auch die aktuellen Zenbooks von Asus bringen es nur auf 80 Prozent. Apple gibt für sein Macbook Pro keinen Wert an, doch auch hier sind die Bildschirmränder erkennbar breiter.

Gute Idee, aber ...

Beim Huawei Matebook X Pro ist vom Displayrand kaum noch etwas übrig.
Beim Huawei Matebook X Pro ist vom Displayrand kaum noch etwas übrig.(Foto: jwa)

Der dünne Rand ist unter anderem deshalb möglich, weil Huawei die Webcam ausgelagert hat: Statt wie üblich ober- oder unterhalb des Displays verbirgt sie sich in der oberen Tastenreihe zwischen F6 und F7. Drückt man die Taste mit dem Kamera-Symbol, klappt die Webcam hoch. Das ist erst einmal eine interessante Lösung und dürfte all jene freuen, die ihre Webcam zur Sicherheit abkleben.

Im Praxiseinsatz offenbaren sich aber schnell Nachteile: Die Kamera kennt nur einen Blickwinkel, und der passt nicht immer. Sie richtet sich bei größeren Nutzern eher auf die Brust als auf den Kopf, von der Stirn fehlte im Test auf dem Videobild ein Stück. Während man bei anderen Notebooks in solchen Fällen einfach das Display etwas verstellt, um den Kamerawinkel anzupassen, muss man sich beim Matebook X Pro selbst umständlich anders hinsetzen, sich etwas bücken oder die Tastatur etwas ankippen, und das ist ergonomisch höchst unpraktisch. Außerdem blickt man deutlich über die Kamera hinweg, was bei Videoanrufen unpersönlich wirkt.

Das Fazit zur Webcam also: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das ist schade. Denn abgesehen von der misslungenen Webcam-Idee ist Huaweis Notebook-Primus ein Spitzengerät, das sich vor niemandem verstecken muss. Es ist etwas dicker und schwerer als der Vorgänger, hat aber dafür eine Lüftung an Bord, die verhindern soll, dass der Prozessor unter Last seine Leistung allzu sehr drosselt. Im Innern taktet beim Testgerät ein Intel Core i7 der achten Generation, um die Grafik kümmert sich Nvidias Geforce MX150 (allerdings laut "Notebookcheck" in der langsameren Ausführung). Mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer 512-Gigabyte-SSD läuft es ziemlich flott und ohne nennenswerte Verzögerungen im Betriebsablauf.

Luxus hat seinen Preis

Das muss aber auch so sein, denn das Matebook X Pro ist kein günstiges China-Schnäppchen. Konkrete Preise für den deutschen Markt gibt es noch nicht, die werden wohl erst zum Markstart Anfang Juli bekannt gegeben. Laut Notebookcheck soll das Modell mit der schwächeren i5-CPU in Österreich allerdings rund 1500 Euro kosten. Für die Core-i7-Version wird entsprechend mehr fällig. In den USA kostet die stärkste Ausstattung (Core i7, 16 GB RAM, 512 GB SSD) 1500 Dollar.

Damit ist das Matebook X Pro ein technisch ebenbürtiger Konkurrent für die Ultrabooks von Dell, Apple, Asus und Lenovo, der allerdings auch in der gleichen Preisliga spielt - möglicherweise auch etwas darunter, aber das ist erst sicher, wenn die endgültigen Preise bekannt sind. Neben dem tollen Display ist der vollwertige USB-A-3.0-Anschluss ein weiterer Pluspunkt, denn der fehlt bei vielen aktuellen Konkurrenzmodellen. Mit seiner Akkulaufzeit von rund neun Stunden durchgehender WLAN-Nutzung ordnet sich das Matebook X Pro zwischen Dells XPS 13 und Apples Dauerläufer Macbook Pro 13 ein. Ein SD-Kartenleser fehlt allerdings, und die unglückliche Webcam-Lösung ist für alle, die regelmäßige Videotelefonate führen, ein klares Gegenargument.

Quelle: n-tv.de