Technik
Das schwarze IO Hawk E1 sieht ziemlich gut aus.
Das schwarze IO Hawk E1 sieht ziemlich gut aus.(Foto: kwe)
Dienstag, 26. September 2017

Mountainbike mit E-Motor-Hilfe: IO Hawk E1 ist ein gutes Einsteiger-Pedelec

Von Klaus Wedekind

E-Board-Pionier IO Hawk verkauft jetzt auch zwei Pedelecs, die deutlich günstiger sind als andere E-Bikes. Die kräftigere Mountainbike-Version zeigt sich im Test als gelungenes Einsteiger-Gerät, kann höheren Ansprüchen aber nicht ganz gerecht werden.

E-Bikes liegen schwer im Trend und so ist es mehr als verständlich, dass neben etablierten Herstellern auch neue Unternehmen ein Stückchen von dem wachsenden Kuchen abhaben möchten. Zu ihnen gehört IO Hawk, das mit seinen qualitativ hochwertigen E-Boards bekannt wurde. Der Hersteller hat seit Ende August zwei Pedelecs im Angebot, ein Citybike und ein Mountainbike. Mit Preisen von 1200 und 1300 Euro sind sie im Vergleich zu anderen E-motorisierten Drahteseln sehr günstig, was Grund genug ist, eins der Pedelecs zu testen. n-tv.de hat sich für die Cross-Variante mit 26-Zoll-Leichtmetallfelgen entschieden.

Schwarz steht ihm gut

Das Bike hat einen Nabenmotor am Hinterrad.
Das Bike hat einen Nabenmotor am Hinterrad.(Foto: kwe)

Optisch kann sich das IO Hawk E1 wirklich sehen lassen. Aluminiumrahmen und die Felgen sind im matten Schwarz lackiert und auch bei den Komponenten ist bis auf etwas Silber an Bremssystem und Firmennamen keine weitere Farbe zu finden. Akzente setzen lediglich die himmelblauen "IO"-Logos. Der 250-Watt-Antrieb ist im Rahmen untergebracht, an dem auch der Akku relativ unauffällig andockt. So ist das IO Hawk E1 erst auf dem zweiten Blick als E-Bike zu erkennen. Es ist auch ziemlich leicht, 23 Kilo wiegt es laut Datenblatt. So hebt man sich keinen Bruch, wenn man das Rad ein paar Stufen aus dem Fahrradkeller trägt.

Zur Ausstattung gehören eine Smartphonehalterung und ein 3 Zoll großes Display, das Geschwindigkeit, zurückgelegte Distanz, die Uhrzeit und den Ladestand des Akkus anzeigt. Außerdem sieht man, welche Unterstützungsstufe eingestellt ist. Insgesamt kann man neun verschiedene Stärken wählen, mit denen der E-Motor die Muskelkraft des Fahrers verstärkt. Das ist eine ganze Menge und eigentlich viel zu viel. Im Test blieb der Antrieb fast immer unter Volldampf, da nie Gefahr bestand, dass dem Panasonic-Akku, der 504 Wattstunden (36 V/14 Ah) speichert, der Saft ausgeht.

Starker E-Motor

Die Scheibenbremsen greifen gut und wirken zuverlässig.
Die Scheibenbremsen greifen gut und wirken zuverlässig.(Foto: kwe)

Mit der höchsten Einstellung kommt das Bike geschätzt rund 80 Kilometer ohne Steckdose aus, bei sparsamem Betrieb sind laut Hersteller angeblich bis zu 140 Kilometer drin. Alles andere als sparsam ist es, wenn man die Anfahrhilfe nutzt, für die das Fahrrad einen eigenen Hebel am rechten Griff hat. Bis 6 km/h schnell darf ein Pedelec so in Deutschland alleine mit dem E-Antrieb fahren. Kombiniert mit Muskelkraft greift der Heckmotor bei richtig gewählter Übersetzung kräftig aber dosiert durch, hält auch an Steigungen die Geschwindigkeit und hat im Test insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen.

Ob man lange Strecken fahren möchte, hängt auch davon ab, wie ergonomisch man auf dem Fahrrad sitzt. Tatsächlich ist das IO Hawk E1 ziemlich bequem für Fahrer bis zu einer Größe von ungefähr 185 cm. Darüber hinaus fühlt es sich zu klein an und macht auf Langstrecken wenig Spaß. Für Gelegenheitsfahrer ist auch der harte Sportsattel gewöhnungsbedürftig.

Da fehlt ein Blatt

Das größte Problem bei langen Ausflügen mit dem E-Bike dürfte aber die 7-Gang-Kettenschaltung sein. Bei der schnell erreichten zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h tritt man bei so einer Übersetzung viel zu schnell. Ein zweites Kettenblatt sucht man aber leider am IO Hawk E1 vergeblich. So ist das Fahrrad im Flachland eher für kürzere Strecken geeignet, im bergigen Gelände vermisst man eine höhere Übersetzung dagegen weniger. Eine gute Schaltung und hochwertige Blätter und Zahnkränze kosten eben eine ganze Menge Geld - das ist bei herkömmlichen Fahrrädern so und bei E-Bikes nicht anders.

Auch sonst kann man ganz gut erkennen, wo IO Hawk gespart hat: Die montierte Shimano-Tourney-Schaltung gehört wie die anderen Komponenten eher in die mittlere bis untere Preisklasse. Das gilt für die Federgabel von SR Suntour, für die Tektro Scheibenbremsen, die Tretkurbeln von Prowheel, den Steuersatz von Neco oder die Pedale von Wellgo. Das ist alles kein Schrott, aber eben keine höhere Qualität, die das Fahrrad wesentlich teurer machen würde. An der Sicherheit hat IO Hawk offenbar jedoch nicht gespart: Rahmen, Bremsen und E-Antrieb wirken robust, gut verarbeitet und zuverlässig. Letztlich kann das aber nur ein entsprechend ausgerüstetes Prüflabor testen.

Insgesamt ist das IO Hawk E1 eher als sehr vernünftiges Einsteiger-E-Bike für Gelegenheitsfahrer zu sehen. Ihnen kann es sicher gute Dienste leisten. Anspruchsvollere Pedelec-Käufer müssen einfach mehr Geld ausgeben, selbst qualitativ hochwertigere Fahrräder ohne E-Antrieb gibt's kaum unter 1000 Euro. Wer sich auskennt und gute Quellen hat, kann auch überlegen, das günstige Pedelec zu kaufen und es mit besseren Komponenten zu veredeln.

Quelle: n-tv.de