Technik

Google-Suche soll's beweisen Ist Facebook in drei Jahren tot?

facebook_2.jpg

Hat bei Facebook der Anfang vom Ende begonnen?

(Foto: REUTERS)

US-Wissenschaftler wollen beweisen, dass Facebook in drei Jahren erledigt sein wird. Nachdem sich das soziale Netzwerk wie eine Epidemie verbreitet habe, zeige die Menschheit jetzt erste Anzeichen einer raschen Erholung, so die These.

Das soziale Netzwerk Facebook wird am 4. Februar zehn Jahre alt und hat damit im beschleunigten digitalen Zeitalter schon ein sehr hohes Alter erreicht. Weltweit nutzten es im vergangenen Jahr offiziell weltweit rund 1,2 Milliarden Menschen aktiv, 182 Millionen mehr als 2012. Für Deutschland nennt Facebook mehr als 25 Millionen aktive Nutzer, laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom sind darunter 87 Prozent der 14- bis 29-Jährigen. Trotz aller Datenschutz-Kritik und anderer großen und kleinen Probleme hat Facebook also offenbar auch 2013 nichts von seiner Popularität eingebüßt. Im Gegenteil, es konnte sogar Nutzer hinzugewinnen.

Momentaufnahmen wenig aussagekräftig

Trotzdem wollen "Experten" derzeit immer häufiger erste Anzeichen eines beginnenden Niedergangs des Netzwerk-Imperiums erkannt haben. Kürzlich sorgte eine Meldung der Marktforscher von iStrategyLabs für Aufsehen, wonach junge Nutzer Facebook in Scharen verließen. Das Unternehmen bezog sich dabei auf Zahlen aus Facebooks Anzeigen-Tool, wo im Gegensatz zum Januar 2014 rund drei Millionen weniger 13-17-Jährige erreichbar waren als im Januar 2011. Was sind solche Zahlen wert?

Myspace.jpg

Mit Myspace ging es schnell bergauf und schnell bergab.

Nun, zum einen ist dies eine Statistik für die USA, die nicht einfach 1:1 auf andere Länder übertragen werden kann. Außerdem ist Facebooks Anzeigen-Tool eine relativ unsichere Quelle für solche Analysen, da es dafür eigentlich nicht gedacht ist. Auch der "Guardian" versuchte im vergangenen Mai mit Zahlen aus dem Werkzeug einen starken Nutzer-Rückgang in Großbritannien nachzuweisen. "Socialbakers", von dem die Zeitung die Statistik hatte, veröffentlichte allerdings kurz darauf eine Klarstellung. Facebook liefere die Zahlen monatlich, was zu erheblichen Schwankungen führe, heißt es darin. Es handelt sich also um Momentaufnahmen und nicht um eher belastbare Jahresstatistiken.

Facebook eine Art Grippewelle?

Einen ganz anderen Ansatz haben jetzt US-Wissenschaftler der Universität Princeton versucht. Sie vergleichen in ihrer Arbeit die Verbreitung sozialer Netzwerke mit der Verbreitung von Epidemien. So wie sich Menschen bei Infizierten ansteckten, würden Nutzer durch den Kontakt mit "Freunden", die bereits vom Netzwerk erfasst wurden, selbst zum Mitglied. Nach einer gewissen Zeit ließe aber bei immer mehr Nutzern das Interesse nach, sie würden "geheilt" oder erwiesen sich immun gegen den Facebook-Erreger. Letztendlich breche die Epidemie dann sehr schnell zusammen. Für ihre Theorie ziehen die Doktoranden des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik das SIR-Modell heran, mit dem die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten mit Immunitätsbildung berechnet wird.

Facebook.jpg

Google Trends prognostiziert Facebook ab Februar wieder ein weltweites Wachstum.

Der Ansatz ist interessant und mit dem Beispiel Myspace auch auf den ersten Blick recht plausibel. Das Netzwerk, das 2003 gegründet wurde verbreitete sich rasant, bis es 2008 mit 75,9 Millionen Nutzern (Erkrankten) sein en Höhepunkt erreichte. Danach brach Myspace zusammen und war bis 2011 fast verschwunden. Die Zahlen für ihre Berechnungen haben die Forscher aus Google Trends, wo man ermitteln kann, wie oft nach einem Begriff gesucht wurde. Google selbst nutzt dies in "Flu Trends", um Grippewellen vorherzusagen. Und mit etwas gutem Willen sieht die Myspace-Kurve in Google Trends ähnlich wie bei einer Grippewelle aus.

Die Forscher haben also "Facebook" bei Google Trends eingegeben und festgestellt, dass das Interesse an dem sozialen Netzwerk offenbar seit Dezember 2012 nachgelassen hat. Ihre These: Facebook hat seinen Höhepunkt schon hinter sich, das Ende der Epidemie hat begonnen. Über das SIR-Modell berechneten sie den möglichen Verlauf und kamen zu dem Ergebnis, dass das soziale Netzwerk bis 2017 rund 80 Prozent seiner Nutzer verloren haben und damit als soziales Netzwerk tot sein wird.

Facebook braucht Google nicht

Mehr als ein interessantes Rechenspiel ist aber "Epidemiological modeling of online social network dynamics" nicht. Hätten die Doktoranden in der Google-Grafik vor "Prognose" ein Häkchen gesetzt, wären sie überrascht gewesen: Google sagt nämlich einen deutlichen Facebook-Anstieg ab Februar 2014 für den Rest des Jahres voraus. Auch die oben genannten Zahlen sprechen gegen einen Abwärtstrend. Nach Myspace wurde vielleicht noch oft gegoogelt, um sich einzuloggen. Die Zeiten haben sich aber geändert, Facebook wird immer häufiger mobil über Smartphone-Apps genutzt. Auf dem Desktop-Rechner gibt es Browser-Erweiterungen oder andere Möglichkeiten, um Facebook schnell ohne Google-Suche zu erreichen.

Facebook hat den Princeton-Forschern die Schwäche ihres Ansatzes mit Witz deutlich gemacht: Ein Experte des Netzwerks bewies mit deren Ansatz, dass die Princeton University im Jahr 2021 keine Studenten mehr haben wird und uns auf der Erde 2060 die Luft ausgeht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema