Technik

Android-Tablet für 200 Dollar Kindle Fire kein iPad-Schreck

Erstaunlich, welche Aufmerksamkeit Amazons Tablet-Rechner "Kindle Fire" erhält. Denn eigentlich hat das Gerät außer dem günstigen Preis und einem interessanten Browser keine herausragenden Eigenschaften. Es ist vor allem eine Shopping-Plattform, die Amazon-Inhalte auf dem Tablett serviert - und das funktioniert hierzulande nicht wirklich.

Amazon hat in den USA damit begonnen, seinen Kindle Fire auszuliefern und die Nachfrage ist angeblich riesengroß. Es stimmt schon, 200 Dollar sind nicht viel für einen guten Tablet-Rechner. Die Frage ist nur, ob das Fire so gut wie teurere Geräte ist. Die US-Kritiker sind geteilter Meinung.

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(Foto: Amazon)

Die technischen Spezifikationen des Geräts sind okay: Das Kindle Fire misst 190 x 120 x 11,4 Millimeter, wiegt 413 Gramm und hat einen 7 Zoll großen Touchscreen mit 1024 x 600 Bildpunkten. Angetrieben wird es von einem Doppel-Kern-Prozessor, der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Der Arbeitsspeicher ist 512 Megabyte groß.

Winziger Speicher

Der interne Speicher ist 8 Gigabyte mickrig, wovon man nur 6 Gigabyte für eigene Inhalte nutzen kann. Dafür bietet Amazon an, gekaufte Inhalte gratis online zu speichern. Außer USB-Port und Lautsprecher-Buchse bietet das Kindle keine Anschlüsse. Eine Kamera ist nicht an Bord und ohne GPS ist das Tablet orientierungslos. Als Betriebssystem kommt Android 2.3 zum Einsatz, dem Amazon seine eigene Benutzeroberfläche aufgesetzt hat: ein Bücherregal, in dem man durch seine Inhalte per "Karussell" blättern kann.

Außergewöhnlich ist Amazons Browser "Silk". Er soll Webseiten blitzschnell aufbauen, indem er deren Grundgerüst auf Amazon-Servern (in der Cloud) speichert und nur wechselnde Inhalte nachlädt. Amazon nennt die Technik, die ähnlich auch von Operas mobilem Browser Mini verwendet wird, Elastic Compute Cloud (EC2).

Nicht schlecht, aber ob "Gizmodo" mit der Meinung, das Kindle Fire sei das derzeit beste Android-Tablet, recht hat? Nun, "Wired" kann diese Ansicht überhaupt nicht teilen. Es ist mit der ruckeligen Leistung des Tablet-Rechners und einigen anderen Dingen überhaupt nicht zufrieden.

Entertainer ohne deutsches Repertoire

Die Wahrheit liegt vermutlich - wie die meisten Testberichte -  irgendwo dazwischen. "CNET" beispielsweise hält das Kindle Fire nicht für das beste Android-Tablet des Jahres, findet aber, dass es ein talentierter Entertainer zu einem unschlagbar günstigen Preis ist.

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(Foto: Amazon)

"ZDNet" bringt es auf den Punkt: Das Tablet ist ein perfekter Verkäufer von Amazon-Angeboten - in den USA. Denn während amerikanische "Prime"-Abonnenten für eine günstige Jahrespauschale von 79 Dollar Tausende Videos und eBooks aufs Gerät streamen können, erhalten deutsche Premium-Kunden für jährlich 29 Euro derzeit nur einen kostenlosen Premiumversand ohne Mindestbestellwert.

Videos sind aber sogar für die wenig begeisterten Tester von "Wired" die große Stärke des Kindle Fire. Jetzt könnte man sagen, Filme kann man sich ja auch aus anderen Quellen besorgen. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass auf dem Tablet nur 6 Gigabyte Filmmaterial Platz finden. Da nützt einem auch der kostenlose Online-Speicher nichts. Ob der Online-Händler in Deutschland jemals die Lizenz für eine Streaming-Videothek erhält, ist nicht absehbar.

E-Tinte schlägt LCD

Was eBooks betrifft, ist Amazons Reader Kindle für 99 Euro eindeutig die bessere Wahl, da das E-Ink-Display schärfer, augenfreundlicher und stromsparender ist. Außerdem ist er mit 170 Gramm viel leichter. Als MP3-Player scheidet das Kindle Fire eigentlich aus. Denn wer schleppt schon einen Tablet-Rechner rum, wenn er Musik hören möchte.

Falls Amazon das Kindle Fire in Deutschland anbieten sollte, würde es mindestens 200 Euro kosten. Dafür bekäme man dann ein 7-Zoll-Tablet mit vernünftigem Prozessor, gutem Display und so gut wie keinen Extras. Wäre das noch ein Schnäppchen?

Quelle: ntv.de, kwe

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