Technik

Industrie gegen Tauschbörsen Klage abgewiesen

Ein US-Bundesgericht hat einen Antrag der Musik- und Filmindustrie zur Schließung der Internet-Tauschbörsen Grokster und Morpheus zurückgewiesen.

Die Tauschbörsen hätten keine Kontrolle über den Inhalt des über ihre Systeme getauschten Materials, befand Richter Stephen Wilson am Freitag in Los Angeles. Zwar sei bekannt, dass Benutzer damit auch illegal urheberrechtlich geschützte Filme und Musikstücke tauschten. Jedoch sei unumstritten, dass die Börsen zu legitimen Zwecken genutzt würden und damit ähnlich wie Videorecorder nicht wegen des Missbrauchs verboten werden dürften. Die Entscheidung gilt als erster schwerer Rückschlag für die Musikindustrie in ihrem Kampf gegen Internet-Tauschbörsen.

Richter verweist auf "Sony-Urteil"

Wilson verwies bei seiner Entscheidung auf ein Urteil des Obersten Gerichts der USA im Jahr 1984 zu Videorecordern. Damals hatte die US-Filmindustrie versucht, unter Hinweis auf die Gefahr der Verletzung von Urheberrechten Videorecorder verbieten zu lassen. Befürworter der Internet-Börsen haben wiederholt auf dieses so genannte Sony-Urteil verwiesen wie auch darauf, dass der Verkauf von Videofilmen der Filmindustrie inzwischen Gewinne beschert.

Der Filmindustrie-Lobbyist Jack Valenti, der in den 80er Jahren die Auswirkungen von Videorecordern auf das Geschäft der Filmstudios mit dem Wüten eines Serienmörders verglichen hatte, kritisierte die vom Richter gezogene Parallele. Die digitale Technologie der Tauschbörsen erlaube im Gegensatz zu der analogen Technologie der Videorecorder die Herstellung unendlich vieler perfekter Kopien. "Der Unterschied zwischen analog und digital ist der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen", sagte er.

Das Urteil zeige, dass der Richter die zu Grunde liegende "peer-to-peer" (P2P) Technologie verstanden habe, sagte Grokster-Chef Wayne Rosso. Dabei tauschen die Benutzer untereinander Daten aus, während ältere Systeme wie die inzwischen geschlossene Tauschbörse Napster zentral organisiert waren. Die Industrie müsse mit den Tauschbörsen zusammenarbeiten, meinte er.

Musikindustrie will in Berufung gehen

Das Urteil könnte auch Auswirkungen auf die Klage der Musikindustrie gegen die Tauschbörse Kazaa haben. Eine Kazaa-Sprecherin sagte, die Anwälte der Börse prüften dies zurzeit.

Valenti wie auch Hilary Rosen vom US-Musik-Branchenverband RIAA kündigten an Berufung einzulegen. Grokster und Morpheus müssten gezwungen werden, Verantwortung für ihre Benutzer zu übernehmen. Die Musikindustrie macht das Herunterladen von Musik über Tauschbörsen und P2P-Systeme für den Einbruch ihrer Verkaufszahlen verantwortlich. Zur RIAA gehören unter anderem AOL Time Warner, Sony und Bertelsmann.

Quelle: ntv.de