Technik

In Berlin entdeckt Nazis drehten 3D-Filme

Der australische Regisseur Philippe Mora findet im Berliner Bundesarchiv 3D-Propaganda-Filme, die die Nazis bereits 1936 drehen ließen. Mora nennt die Qualität der Streifen "fantastisch". Ganz so sensationell, wie es der Australier darstellt, ist sein Fund aber offenbar nicht.

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Propagandaminister Joseph Goebbels gab die 3D-Filme wohl nicht in Auftrag.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wer hat's erfunden? Offenbar konnte man in Deutschland bereits in den 30er Jahren 3D-Filme drehen - lange bevor die Menschen in den 50ern in US-Kinos mit rot-grünen Brillen saßen.

Der australische Regisseur Philippe Mora recherchierte im Bundesarchiv für die Dokumentation "Wie das Dritte Reich aufgezeichnet wurde" als er auf zwei 30-minütigen Schwarzweißstreifen stieß, die offensichtlich in 3D-Technik aufgenommen wurden. "Die Filme sind auf 35 Millimeter aufgenommen - Offenbar mit einem Prisma vor zwei Objektiven", sagte er dem Film-Magazin "Variety". "Sie wurden von einem unabhängigen Studio im Auftrag von Goebbels' Propaganda-Ministerium gedreht." Laut Mora nannten die Macher ihre Technik "Raum-Film", was für ihn auch der Grund sein könnte, dass bis heute niemand erkannt hat, dass es sich um 3D-Filme handelt.

Bratwürste und Filmsternchen

Einer der "Raum-Filme" ist ein Musical, das im Karneval spielt und den Titel "Zum Greifen nah" hat. Er zeigt unter anderem Nahaufnahmen von brutzelnden Bratwürsten auf einem Grill. Der andere Streifen heißt "Sechs Mädchen rollen ins Wochenende" und man sieht dort laut Mora ein paar Sternchen der UFA (Universum Film AG), die einen draufmachen.

"Die Qualität der Filme ist fantastisch", sagt Mora. "Die Nazis waren besessen davon, jede Einzelheit zu protokollieren und jedes einzelne Bild wurde kontrolliert - so wie sie das Land und die Menschen darin kontrolliert haben." Mora plant, das Material in seine Dokumentation einzubinden. Und er ist davon überzeugt, dass es noch mehr von dem historischen 3D-Material gibt.

Doch keine Sensation

Wie die "Welt" berichtet, haut Mora aber offenbar etwas zu sehr auf den Putz. Denn die beiden 3D-Filme, die er entdeckt zu haben behauptet, sind vermutlich gar nicht so unbekannt. Demnach könnten die Streifen ein Werk des NS-nahen Werbe- und Industriefilmers Fritz Boehner sein, der 1937 auf der Gartenschau in Dresden mit sogenannten stereoskopischen Filmen experimentierte. Die Technik seiner Kamera stammte von Zeiss-Ikon.

Die Premiere von "Zum Greifen nahe" fand laut "Welt" am 5. Dezember im Berliner Ufa Palast statt und der Streifen war kein richtiger Propagandafilm, sondern ein Werbefilm für die Volksfürsorge-Lebensversicherung. "Sechs Mädchen rollen ins Wochenende" soll 1939 uraufgeführt worden sein. "Zum Greifen nah" war bereits Bestandteil einer 3D-Retrospektive der Berlinale, die Peter Hagemann vor 30 Jahren organisierte.

Quelle: n-tv.de, kwe

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