Technik

Orts- und zeitunabhäng Online Studieren

Auch wenn die Bildungsbeflissenen ihre Hochschule kaum kennen, studieren sie dennoch dort: 29 Studenten aus halb Deutschland lernen seit Oktober 2001 online an der Fachhochschule Brandenburg (FHB). Darunter sind Selbstständige, Studienabbrecher oder Mütter, die sich längere Zeit um ihre Kindern gekümmert haben. Altersklasse: Mitte 20 bis Anfang 40.

Eine Studentin verbringt das erste Semester wegen einer Krankheit teilweise in der Klinik; ein Kommilitone betreibt nebenher ein Internet-Caf. Die FHB ist eine von sechs Hochschulen in Deutschland, die den Online-Studiengang Medieninformatik (OSMI) als Modellversuch anbieten.

Das Studieren vom heimischen Rechner aus bietet nach Angaben des FHB-Online-Beauftragten Friedhelm Mündemann gleich mehrere Vorteile: orts- und zeitunabhängiges Studieren, Betreuung in kleinen Gruppen und gleichzeitig die Möglichkeit, in seinem bisherigen Beruf weiter zu arbeiten. 80 Prozent des Studiums bestehen aus selbst gesteuertem Lernen, Gruppenarbeit und Betreuung über das Netz.

124 Emails zu Fachfragen hatte allein Mündemann im ersten Semester zu beantworten. Wöchentlich treffen sich die Studierenden zu einer Audio-Konferenz im Internet; jeden Abend ab 19 Uhr mit einem der für sie zuständigen fünf Professoren. Auf einer weißen Computer-Leinwand werden beispielsweise Mathematik-Formeln erklärt und Übungsaufgaben besprochen.

Über eine interaktive Lernsoftware können die Studierenden auf Unterrichtsmaterial im Internet zugreifen; nur für den Bereich Informatik stehen 1320 Unterrichtsdateien im Netz. Die fleißigsten Studenten haben ähnlich viele Zugriffe auf das Material wie ihr Professor. Selbst das 5. Semester, die Projektphase, können die Studenten von zu Hause aus absolvieren. Die Hochschule ist hier für geeignete Projektaufgaben mit der Deutschen Telekom und Versicherern im Gespräch.

Trotz seltener persönlicher Begegnungen hat Mündemann das Gefühl, seine Online-Studenten gut zu kennen. Denn neben Fachwissen wird auch Privates ausgetauscht. Jeder Student kann den Professor zu Hause anrufen oder ihn persönlich außerhalb der fast monatlichen Workshopstreffen. Vor allem Durchhaltevermögen sei bei einem Online-Studium wichtig, meint Mündemann. "Rein von der Intelligenz her könnten viele so ein Studium schaffen."

Pro Semester stehen den angehenden Medien-Informatikern bis zu sechs Fachmodule zur Wahl - aus den Bereichen Mathematik, Medien- Technik, Programmiersprachen, Medien-Design, Betriebswirtschaft, Informatik und Physik. Durchschnittlich wählen die Studenten Mündemann zufolge 3,6 Module, für die zum Semesterende jeweils Prüfungen anstehen. Am häufigsten wird auf dem Weg zur Arbeit sowie montags bis donnerstags vom späten Abend bis Mitternacht gelernt.

Die Besten schließen die dreijährige Regelstudienzeit mit dem international anerkannten Titel "Bachelor of Science" ab; 24 Prüfungen sind bis dahin zu bestehen. Anschließend ist ein zweijähriger Aufbaustudiengang zum "Master of Science" möglich. Aufgabenbereiche der Medien-Informatiker sind Projektmanagement, Konzeption, Design sowie die Programmierung von Multimedia.

Absolventen können damit beispielsweise Internet-Auftritte gestalten, bei Fernsehsendern Filme und Spots produzieren sowie zwischen Künstlern und Technikern eine Brücke schlagen. Der Aufwand dafür ist jedoch nicht unerheblich: eine Stunde multimedia- unterstützte Lehre braucht nach Mündemanns Schätzung bis zu 200 Stunden Vorbereitung.

Von Rne Peters, dpa

Quelle: ntv.de