Technik

Zwei neue Tablet-PCs im Rennen Sony greift das iPad an

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Technik von Sony, Betriebssystem von Google: Das S1 und S2 (rechts).

(Foto: REUTERS)

Die Vormachtstellung des iPhone-Anbieters Apple lockt einen japanischen Giganten der Unterhaltungselektronik in den rasant wachsenden Markt für Tablet-PCs: Mit reichlicher Verspätung enthüllt Sony zwei eigene Prototypen, die dem iPad schon bald ernsthaft Konkurrenz machen sollen. Experten hegen Zweifel.

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Schwarze Technik vor schwarzem Hintergrund: Sony macht es spannend.

(Foto: REUTERS)

Der japanische Elektronikkonzern Sony will im Herbst erstmals eigene Tablet-Computer auf den Markt bringen und damit dem iPad von Marktführer Apple Konkurrenz machen. Zwei Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sollen in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen, kündigte der japanische Elektronik-Konzern an. Eines der beiden neuen Geräte - Arbeitsname S1 - soll einen berührungsempfindlichen Bildschirm in der Größe des iPad bekommen. Mit dem S2 wagt Sony ein Experiment: Es ist klappbar und hat zwei Bildschirme mit einer Diagonalen von 5,5 Zoll (rund 14 cm).

So wie Apple über seine iTunes-Plattform Musik, Videos, digitale Bücher und Spiele vertreibt, will auch Sony seine Online-Angebote zum Befüllen seiner Tablets nutzen. Der japanische Elektronik-Riese betreibt einen Playstation-Dienst für Spiele und verkauft Musik und Filme über einen Service namens Qriocity. Außerdem gibt es bereits einen E-Book-Shop für Sonys elektronische Lesegeräte, auf den die Tablets ebenfalls zurückgreifen sollen.

Sony versucht außerdem, seine Vorteile gegenüber Apple auszuspielen: Die Japaner verfügen mit der Spielkonsole Playstation über ausreichend Knowhow, Software und eigene Entwicklerkompetenz im Spielebereich. Auf beiden Geräten könnten Kunden auch Playstation-Angebote nutzen, sagte der Vizepräsident des Konsumgütergeschäfts von Sony, Kunimasa Suzuki, bei der Vorstellung der iPad-Konkurrenzprodukte.

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Soll das iPad alt aussehen lassen: Sony-Manager Kunimasa Suzuki setzt beim S2 voll auf den Doppelbildschirm.

(Foto: REUTERS)

Bereits Anfang des Jahres hatte Suzuki auf der angekündigt, innerhalb eines Jahres hinter Apple Nummer zwei der Tablet-Branche werden zu wollen. Zugleich hatte der japanische Elektronikriese - Nachzügler auf dem rasant wachsenden Macht für Tablets - stets betont, dass sich die eigenen Produkte deutlich von denen der Rivalen unterscheiden müssten.

Die beiden Sony-Geräte reihen sich in die Liste von dutzenden Android-Tablets, die in diesem Jahr auf den Markt kommen. Sonys Tablets werden nicht nur mit dem iPad konkurrieren. Längst sind andere Elektronikkonzerne mit eigenen Geräten in den Läden vertreten. Dazu gehören das "Galaxy Tab" von Samsung Electronics, das "Playbook" von Blackberry sowie Tablets von Motorola, LG Electronics sowie HTC.

Große Vorteile für den Spätstarter

Sony verfügt gegenüber der Konkurrenz über den Vorteil, auf ein eigenes Inhalte-Geschäft zurückgreifen zu können: Den Japanern gehören neben der brummenden Playstation-Plattform auch ein Hollywood-Studio und die Musikfirma Sony Music. In den vergangenen Jahren gelang es Sony allerdings nicht, auf dieser Basis ein Vertriebsgeschäft mit der Durchschlagskraft von Apples iTunes aufzubauen.

Apple hatte vor einem Jahr mit dem iPad der schon totgeglaubten Geräteklasse der Tablet-Computer neues Leben eingehaucht. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern den Markt weitgehend für sich allein, erst zum Jahresende kamen erste Konkurrenten wie das "Galaxy Tab" in den Handel. Obwohl derzeit so viele Rivalen in den Markt drängen, rechnen Branchenexperten damit, dass Apple mit dem jüngst gestarteten "iPad 2" die Spitzenposition verteidigen kann. So sehen die Analysten von Gartner das iPad in diesem Jahr bei einem Marktanteil von rund 69 Prozent. Beim Modellwechsel im März kam Apple der hohen Nachfrage nach dem iPad 2 nicht hinterher.

Im japanischen Aktienmarkt zeigten sich die Anleger von der Sony-Strategie wenig überzeugt: Am Tag der Präsentation ging die Sony-Aktie in Tokio rund 2 Prozent tiefer aus dem Handel.

Quelle: ntv.de, dpa/rts