Technik

Samsungs Laptop für Googles Cloud Testflug mit dem Chromebook

Das Samsung Chromebook Serie 5 ist eines der beiden ersten Netbooks, die mit Googles Cloud-Betriebssystem Chrome arbeiten. Es verzichtet auf installierte Programme und lagert praktisch alle Anwendungen ins Internet aus. Dadurch startet es blitzschnell und Daten können nicht mehr verloren gehen. Trotzdem ist nicht alles Chrome, was glänzt.

Seit einigen Wochen bietet Samsung in Deutschland das erste Netbook mit Googles Cloud-Betriebssystem Chrome an. Auch Acer stellt einen Online-Spezialisten her, bietet ihn derzeit aber nur in den USA an. Das Samsung Chromebook Serie 5 kostet immerhin 400 Euro, sollte also einiges auf dem Kasten haben. Ist das so?

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(Foto: Samsung)

Das 1,45 Kilogramm leichte Cloud-Netbook ist ordentlich verarbeitet und macht einen sehr soliden Eindruck. Mit 29,5 x 20,3 x 21,8 Zentimeter ist es kompakt und auch zusammengeklappt mit zwei Zentimetern recht flach. Die Tasten, auf denen Kleinbuchstaben zu sehen sind, haben einen angenehmen Druckpunkt und liegen schön weit auseinander. Auf F-Tasten hat Samsung verzichtet, bietet stattdessen eine Reihe mit schmalen, praktischen Funktionstasten: Laut/Leise, Vor/Zurück, Aktualisieren, Vollbildmodus, Fenster schieben, Hell/Dunkel, Laut/Leise, Stumm. Außerdem befinden sich links eine Zoom-Taste und rechts zwei Scroll-Pfeile.

Das Touchpad arbeitet exakt und bietet auch die Möglichkeit, per Fingergeste Text oder Objekte zu kopieren oder zu verschieben. Der entspiegelte Bildschirm im 16:10-Format misst für ein Netbook stolze 12,1 Zoll und bietet 1280 x 800 Bildpunkte. Angetrieben wird das Gerät von einem 1,6 Gigahertz schnellen Atom-Doppelkern-Prozessor aus dem Hause Intel. Der Arbeitsspeicher ist mit 2 Gigabyte ausreichend bemessen.

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(Foto: Samsung)

Eine rasselnde Festplatte sucht der Nutzer am Chromebook vergebens, dafür gibt's auf einer SSD 16 Gigabyte Flashspeicher. Das ist nicht üppig, allerdings reicht der Platz als Zwischenlager völlig aus - und für mehr sind Chromebooks nicht vorgesehen. Nutzer sollen Texte, Tabellen, Bilder, Musik und Videos möglichst auf Googles Servern in der Cloud oder auf externen Medien speichern. Dafür gibt es am Samsung Chromebook zwei USB-Steckplätze und einen Karten-Einschub (SD, SDHC, SDXC, MMC). Festplatten, die üblicherweise mit NTFS formatiert sind, erkennt das Chromebook nicht. Die USB-Anschlüsse sind vor allem für FAT32-formatierte Sticks gedacht. Verbindung zum Internet findet das Samsung-Gerät via WLAN. Wer über eine SIM-Karte online gehen möchte, muss noch mal 50 Euro extra bezahlen.

Das Chromebook hat keinen HDMI-Anschluss, sondern überträgt Videos und Bilder nur über einen VGA-Dongle an Bildschirme und Fernseher. Wer sich Filme direkt auf dem Gerät ansehen möchte, bekommt von den Stereo-Lautsprechern einen für Netbooks durchaus passablen Klang geliefert. Für einen satten Sound muss man aber Kopfhörer anschließen.

Schnellstarter

Das Samsung Chromebook ist in wenigen Sekunden startklar. Um loszulegen, braucht der Nutzer nur ein Google-Konto, mit dem er sich einloggt. Gäste können aber auch ohne Login im Internet surfen.

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(Foto: Samsung)

Beim ersten Start bekommt der Nutzer die Grundfunktionen des Netbooks und von Google Chrome erklärt. Das geht schnell, da die Chrome-Oberfläche nichts anderes als der Chrome-Browser ist. Auch wenn man einen USB-Stick anschließt, öffnet sich ein Tab. Schreib-, Foto- oder andere Anwendungen findet der Nutzer, wenn er sich bei Google anmeldet oder im Chrome Web Store stöbert.

Im Prinzip arbeitet man unter Google Chrome immer online. Allerdings macht auch das Cloud-Betriebssystem Ausnahmen. So spielt man beispielsweise das relativ aufwendige Spiel "Angry Birds" vom Festspeicher aus. Die essenzielle Office-Anwendung "Text & Tabellen" soll ebenfalls bald ohne Internetverbindung nutzbar sein. Google will demnächst ein Update zur Verfügung stellen, mit dem auch die Mail-Funktion und der Kalender offline zu bearbeiten sein sollen. Umständlich: Wer etwas ausdrucken möchte, braucht entweder einen cloudfähigen Printer oder einen Drucker, der an einem herkömmlichen Rechner hängt.

Sicherheit ist Vertrauenssache

In der Praxis erweist sich das Samsung Chromebook als prima Schreib- und Surfmaschine. Auch mit Youtube-Videos in HD-Auflösung (720p) hatte das Gerät keine Probleme. Der Web-Store ist bereits recht gut gefüllt und die meisten Apps und Erweiterungen sind kostenlos. Der Akku  hält lange durch, die von Samsung angegebenen 8,5 Stunden scheinen durchaus realistisch zu sein. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass sich Chrome-Nutzer nie um die Aktualität ihres Systems kümmern müssen und Viren oder andere Computerschädlinge für sie kaum eine Gefahr darstellen. Datenverlust durch Abstürze oder Festplatten-Crash ist für sie ebenfalls kein Thema.

Trotzdem hinterlässt das Samsung Chromebook gemischte Gefühle. Denn zum einen vertraut man alle seine Daten Google-Servern an, wozu gerade angesichts der jüngsten Hacker-Aktionen sicher nicht alle Nutzer Lust haben. Außerdem sind 400 beziehungsweise 450 Euro eine hübsche Stange Geld. Für die gleiche Summe bekommt man auch gute herkömmliche Netbooks, die eine große Festplatte und mehr Funktionen als ein Chromebook bieten. Außerdem kann man auch mit jedem Laptop den Chrome-Browser samt Web-Store nutzen.

Perfekt ist das Samsung Chromebook für Nutzer, die gerne Cloud-Dienste nutzen und einen schnellen, unkomplizierten Zweit-Rechner für die Couch oder unterwegs suchen.

Quelle: n-tv.de

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