Technik

Gestenreiches Samsung-Smartphone Überzeugt oder nervt das Galaxy S4?

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Das Galaxy S4 sieht auf den ersten Blick wie sein Vorgänger aus.

(Foto: kwe)

Das Galaxy S4 ist keine Smartphone-Revolution. Samsungs neues Flaggschiff ist eine Weiterentwicklung des Erfolgsmodells S3, die neben etwas stärkerer Hardware vor allem auf Funktionsvielfalt setzt. Doch erleichtern die vielen Möglichkeiten, die das Gerät bietet, tatsächlich den Smartphone-Alltag oder überfordern sie den Otto-Normal-Nutzer?

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Der glatte Akkudeckel ist zwar aus Polycarbonat, sitzt aber bombenfest.

(Foto: kwe)

Nach dem riesigen Erfolg, den das Galaxy S3 gefeiert hat, war es spannend zu sehen, welchen Nachfolger Samsung präsentieren würde. Im Gegensatz zu den zahlreichen Spekulationen im Vorfeld der Smartphone-Präsentation in New York stellte Samsung aber keinen spektakulären Überflieger, sondern eine konsequente Weiterentwicklung vor.

Wie das Vorgängermodell ist das Galaxy S4 komplett in Plastik gehüllt und auch das Design wurde nur leicht verändert. Dafür hat Samsung den Bildschirm von 4,8 auf 5 Zoll anwachsen lassen, die Display-Auflösung auf Full-HD erhöht und stärkere Prozessoren eingebaut.

Das Smartphone als Lebensgefährte

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Fast gleich groß: links das Galaxy S3, rechts das Galaxy S4

(Foto: kwe)

Vor allem aber haben die Koreaner ihrem neuen Boliden viele neue Software-Funktionen mitgegeben, die ihm im Smartphone-Rennen einen Vorteil gegenüber Apples iPhone und der stärker werdenden Konkurrenz aus dem Android-Lager verschaffen sollen. Das Galaxy S4 soll für den Nutzer so nicht nur ein schlichtes Smartphone, sondern ein Lebensgefährte ("Life Companion") sein. Ka nn das Gerät diesen hohen Anspruch erfüllen?

Zunächst zur Hardware: Plastik hin oder her - das Galaxy S4 liegt angenehm in der Hand und fühlt sich alles andere als billig an. Da Samsung das Gehäuse um den Bildschirm verkleinert hat, ist das Smartphone mit 136,6 x 69,8 x 7,9 Millimeter sogar etwas schlanker als sein Vorgänger, das 136,6 x 70,6 x 8,6 Millimeter misst. Und obwohl im S4 ein größerer Akku sitzt, ist es mit 130 Gramm auch noch 3 Gramm leichter als das S3.

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Der verchromte Rahmen lässt das Galaxy S4 hochwertiger wirken.

(Foto: kwe)

Verstärkt wird der hochwertige Eindruck durch einen scheinbar metallischen Rahmen, der aber tatsächlich aus verchromten Polycarbonat besteht. Der aus dem gleichen Kunststoff gefertigte Akkudeckel sitzt wie angegossen, weder Spalten noch Knarzgeräusche geben Anlass zur Kritik.

Das Super-AMOLED-Display ist sehr kontrastreich, bietet einen extrem knackigen Schwarzwert und kräftige, fast schon zu poppige Farben. Außerdem ist es sehr hell und im Vergleich zu vielen LCD-Konkurrenten auch noch im direkten Sonnenlicht ablesbar. Auch von der Seite sind Inhalte noch gut erkennbar, dabei weist der Touchscreen allerdings einen für die AMOLED-Technik typischen, leichten Blaustich auf.

In Deutschland nur vier Kerne

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 600, vier Kerne, 1,9 Gigahertz
  • Grafikeinheit: Adreno 320
  • Display: 4,99 Zoll, Super-AMOLED, 1.920 x 1.080 Pixel
  • Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 16, 32 oder 64 Gigabyte, erweiterbar durch microSD-Karten
  • Akku: 2.600 Milliamperestunden, wechselbar
  • Kameras: 13 Megapixel hinten, 2 Megapixel vorne
  • Betriebssystem: Android 4.2.2
  • Maße: 136,6 x 69,8 x 7,9 Millimeter
  • Gewicht: 130 Gramm
  • Besonderheiten: Gesten-, Temperatur- und Feuchtigkeitssensor

Zumindest derzeit liefert Samsung das Galaxy S4 in Deutschland "nur" mit Qualcomms Vier-Kern-Prozessor Snapdragon 600 aus, der mit 1,9 Gigahertz getaktet ist und dem 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Der hauseigene Acht-Kerner Exynos 5410 Octa bleibt vorerst anderen Märkten vorbehalten. Abseits von wenig au ssagekräftigen Benchmarktests spielt dies aber für den Alltag wohl kaum eine Rolle. Wie leistungsfähig der Snapdragon ist, zeigt er unter anderem im HTC One, und im Test erlaubte sich das Galaxy S4 keine Schwächen.

Der interne Speicher ist wahlweise 16, 32 oder 64 Gigabyte groß, wovon das Betriebssystem und Samsungs Benutzeroberfläche bereits rund 7 Gigabyte beanspruchen. Für Apps sollte aber auch auf dem 16-Gigabyte-Modell noch ausreichend Platz sein und Fotos, Filme und Musik können auf externen microSD-Karten mit bis zu 64 Gigabyte gespeichert werden.

Klasse Kamera mit tollen Funktionen

Ein absolutes Highlight des Galaxy S4 ist die 13-Megapixel-Kamera mit lichstarker Blende von maximal f 2.2. Die Qualität der Bilder ist hervorragend, auch bei schwierigen Verhältnissen. Zwar kann die Kamera bei Dämmerlicht nicht ganz mit der Spezialistin des HTC One mithalten. Insgesamt dürfte man derzeit in einem Smartphone aber kaum eine bessere Fotoeinheit finden.

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Die Qualität der Fotos ist hervorragend

(Foto: kwe)

Außerdem hat Samsung auch in die Kamera-Software neben zahlreichen Filtern viele nützliche und vergnügliche Funktionen eingebaut. Die Bedienung der Kamera ist dabei durch ein sehr gelungenes Menü ein Kinderspiel.

Unter anderem kann man die Frontkamera dazuschalten und so ein kleines Porträtfoto zu Aufnahmen hinzufügen. Wählt man den Modus "Drama", nimmt die Kamera bei Bewegungsabläufen eine Fotoserie auf, aus der die Software dann ein Bild komponiert. Bei "Sound&Shot" fügt das S4 Tonaufnahmen zu Bildern hinzu, beim "Animierten Foto" erstellt man kurze Clips, bei denen man nachträglich festlegen kann, welche Elemente bewegt und welche erstarrt dargestellt werden. Im Modus "Radierer" nimmt die Kamera ein Serienbild auf, aus dem störende Objekte entfernt werden können.

Finger statt S Pen

Die meisten neuen Software-Funktionen des Galaxy S4 stecken in der Steuerung. Samsung hat hier einige Elemente aus seiner Note-Serie übernommen, eröffnet aber auch völlig neue Möglichkeiten. Von der S-Pen-Bedienung der Galaxy-Note-Geräte hat das Galaxy S4 "Air View" erhalten. So ist es möglich, in der Bildergalerie vergrößerte Vorschaubilder anzuzeigen, indem man den Finger knapp über den Bildschirm hält, ohne ihn zu berühren. Ebenso kann man über den Fortschrittsbalken bei Videos eine Vorschau sehen, bei Kurzwahlnummern Namen anzeigen oder Inhalte von Webseiten vergrößern. Die "S Finger"-Steuerung funktioniert dabei im Prinzip recht gut. Es ist allerdings nicht einfach, den richtigen Abstand zum Display zu finden.

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Ist "Air View" aktiviert, kann man sich bei Videos eine Vorschau anzeigen lassen, indem man den Finger über den Fortschrittsbalken hält.

(Foto: kwe)

Neu sind auch mehrere Gesten. Samsung hat dafür extra einen S ensor oben rechts neben dem Lautsprecher platziert. Er ermöglicht es unter anderem, Infos über verpasste Anrufe, ungelesene Nachrichten oder abgespielte Musiktitel bei abgeschaltetem Bildschirm abzurufen, indem man ihn mit der flachen Hand abdeckt.

Mit horizontalen oder vertikalen Wischbewegungen kann man durch Webseiten scrollen, durch Bildergalerien "blättern", Songs wechseln oder im Standardbrowser zwischen geöffneten Tabs wechseln oder angetippte Elemente auf den Startbildschirmen verschieben. Ebenso ist es möglich, eingehende Anrufe im Freisprechmodus anzunehmen. Auch diese Funktionen gehen eigentlich locker von der Hand, man muss aber auf die richtige Geschwindigkeit und den korrekten Abstand achten.

"Smart Scroll" besser nicht abnicken

Schon beim Galaxy S3 konnte der "Smart Screen" begeistern. "Smart Stay", bei dem der Bildschirm eingeschaltet bleibt, so lange man auf ihn blickt, ist klasse. Auch "Smart Pause" bei der ein Video pausiert, wenn man den Blick abwendet, ist praktisch.

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"Smart Scroll" funktioniert am besten, wenn man das Smartphone neigt.

(Foto: kwe)

Neu auf dem Galaxy S4 ist "Smart Scroll". Dabei scrollt man im Standardbrowser durch Webseiten, indem man entweder den Kopf oder das Handy neigt während man auf das Display blickt. Mit einem Glas Wein in der Hand lernt man die Funktion schnell zu schätzen - aber nur, wenn man sich dafür entscheidet, per Geräteneigung zu steuern. Versucht man per Kopfneigung zu scrollen, rollt der Bildschirm meistens unkontrolliert rauf und runter.

Alle alten und neuen Funktionen des Galaxy S4 aufzuzählen, wäre einfach zu viel für einen Artikel. Erwähnenswert ist aber noch Samsungs eigene Übersetzungs-Software "S Translator", die hervorragend arbeitet. "S Health" wird dagegen vermutlich nur eine Minderheit der S4-Käufer ansprechen. Die Software zeichnet für individuelle Fitnesspläne Bewegungen und Verhalten des Nutzers sowie Umgebungswerte direkt über das Smartphone oder Zusatzgeräte auf und wertet sie aus.

Kopf-an-Kof-Rennen mit HTC One

Und, überzeugt oder nervt das Galaxy S4? Ganz klar: Es überzeugt. Die vielen Funktionen kann man nutzen, muss man aber nicht. Wem das Gewische, Geneige und Gezeige zu viel ist, kann es einfach ignorieren und das Gerät ganz konventionell über den Touchscreen steuern. Wer vorher schon ein Galaxy S2 oder S3 hatte, findet sich problemlos zurecht, da die grundsätzliche Bedienung gleich geblieben ist. HTC beispielsweise verwirrt seine Kunden, indem beim One plötzlich ein Button fehlt und auch andere Dinge im Vergleich anderen Geräten der HTC-One-Serie völlig anders erledigt werden.

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Das Galaxy S4 und das HTC One sind derzeit vermutlich die beiden besten Smartphones im Handel.

(Foto: kwe)

Bei der Bedienungsfreundlichkeit hat Samsung also trotz ei ner verwirrenden Funktionsvielfalt mit seiner konsequenten Weiterentwicklung alles richtig gemacht. Auch bei der Hardware haben sich die Koreaner keine Schwächen erlaubt und Komponenten eingebaut, die das Galaxy S4 im Smartphone-Rennen ganz nach vorne bringen. Herausragend ist dabei die Akkuleistung: Im Test hielt das Gerät trotz intensiver Nutzung fast zwei Tage durch. Bei Design und Material war Samsung dagegen etwas mutlos.

Alles in allem liefert sich das Galaxy S4 mit dem HTC One um die Smartphone-Krone ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem vor allem die PR-Maschinerie und die persönlichen Geschmäcker der Käufer entscheidend sein dürften.

Quelle: ntv.de

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