Technik

Spionage auf dem Smartphone Viele Apps zu neugierig

Telefonbuch, Standort, Speicherkarte - wer Apps auf seinem Smartphone installiert, räumt den Programmen oft weitreichende Zugriffsrechte ein. Experten warnen vor neugierigen Programmen.

Smartphone in Ketten: Nutzer müssen sich derzeit vor allem um Apps sorgen, die ungefragt Daten ausspionieren oder weitergeben. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

Viren sind für Smartphones derzeit kein großes Risiko. Apps schon eher.

Ein paar Klicks reichen, um ein neues Programm aufs Smartphone zu holen. Was dabei gern ignoriert wird: Die meisten Anwendungen greifen auf Nutzerdaten zu, etwa das Telefonbuch oder den aktuellen per GPS ermittelten Standort. Nötig ist das selten, sagt Sascha Pfeiffer vom Antiviren-Dienstleister Sophos: "Es gibt extrem wenige Programme, die auf meine Daten zugreifen müssen." Jede fünfte der rund 48.000 für das Google-Handy-Betriebssystem Android angebotenen Apps ist ein Sicherheitsrisiko, ergab eine Studie von SMobile Systems. Sie erlauben anderen Programmen Zugriff auf persönliche Informationen.

Die Folgen können fatal sein, erklärt Daniel Bachfeld von der Zeitschrift "c't". So gebe es Apps, die automatisch Kopien sämtlicher SMS-Nachrichten verschicken oder sogar das Handy in eine Abhörwanze oder eine Überwachungskamera verwandeln. Andere Programme, rufen automatisch überteuerte Nummern an, ohne dass der Nutzer es merkt, berichtet Bachfeld: "Da lässt sich relativ einfach und schnell viel Geld verdienen." Schutz durch die Betreiber der Betriebssysteme gibt es kaum, so Toralv Dirro von McAfee: "Bei Apple gibt es zwar eine Kontrolle aller Apps vor der Veröffentlichung." Hier gehe es aber weniger um die Sicherheitslücken der Programme als um die Funktionsfähigkeit. Googles Android sehe gar keine Kontrollen vor: "Da kann jeder Entwickler seine Apps veröffentlichen."

Viren spielen keine Rolle

Auch klassische Viren, wie man sie von Personal-Computern kennt, wurden bereits für Smartphones programmiert. So trieb im vergangenen Jahr der  iPhone-Wurm "iKee" sein Unwesen. Schaden richtete er aber nicht an. Überhaupt ist die  Bedrohung durch Viren, Würmer und Trojaner derzeit nach Expertenmeinung äußerst gering – noch. Pfeiffer glaubt aber, dass Programme, die das Gerät beschädigen, auch künftig auf Smartphones keine große Rolle spielen werden. Es werde eher Apps zum Ausspionieren der Nutzerdaten geben, weil dies dem Angreifer viel mehr Vorteile biete: "Warum sollte ich das Telefon zerstören, wenn ich mit dem funktionierenden Gerät viel mehr Schaden anrichten kann?"

Weil die Viren-Gefahr auf dem Handy noch relativ gering ist, gibt es bislang auch nur wenig Sicherheits-Software speziell für Smartphones. "c't"-Redakteur Bachfeld rät von solchen Programmen wegen der geringen Gefahr ohnehin ab: "Im Moment ist das nicht nötig." McAfee-Experte Dirro empfiehlt aber, auf jeden Fall regelmäßig die Sicherheits-Updates für das Handy-Betriebssystem zu installieren.


Skepsis ist der beste Schutz

Gegen dubiose Apps hingegen gibt es keinen technischen Schutz. Die beste Sicherheitsvorkehrung ist eine gehörige Portion Skepsis: "Gesunder Menschenverstand ist das Gebot der Stunde", sagt Sophos-Experte Pfeiffer. Lassen sich Apps nur dann installieren, wenn der Anwendung ein umfassender Zugriff auf die Daten des Geräts erlaubt wird, sollte man hellhörig werden. "c't"-Redakteur Bachfeld rät dazu, sich möglichst im Internet über eine Applikation zu informieren, bevor man sie auf das Mobiltelefon lädt: "Man kann zum Beispiel einfach mal nach dem Namen der App googeln und gucken, ob andere Nutzer möglicherweise negative Erfahrungen damit gemacht haben."

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Quelle: n-tv.de, ino/dpa