Technik

Rasanter Aufstieg, tiefer Fall Vor 40 Jahren dudelte der erste Walkman

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Mit dem Modell TPS-L2 begann die Erfolgsgeschichte des Sony Walkman.

(Foto: imago images / AFLO)

Am 1. Juli 1979 brachte Sony den ersten Walkman auf den Markt, mit dem eine technische Revolution begann. Erfunden hat das mobile Kassettenabspielgerät aber wohl ein Deutscher.

Manche Erfindungen sind so erfolgreich, dass sie es als Markenname bis ins Wörterbuch schaffen. Der Fön, die Aspirin und das Tempo zum Beispiel. Doch wohl keine Erfindung hat sich so tief in den Wortschatz der Postmoderne gebrannt wie der Walkman.

Der kleine Kasten, der vor genau 40 Jahren international eingeführt wurde, war schon nach kürzester Zeit ein Must-have für jeden Jugendlichen. Millionen junger Menschen in der westlichen Welt kapselten sich plötzlich ab. Dazu reichten zwei schaumstoffbezogene Kopfhörer am Bügel. Später steckte man sie als Stöpsel ins Ohr.

Startschuss für mobile Mediennutzung

"Das war schon ein Paukenschlag, wenn man so will", sagt Roland Stehle vom Branchenverband gfu, der die Internationale Funkausstellung ausrichtet. "Das war der Startschuss zur mobilen Mediennutzung, egal was ich gerade gemacht habe." Mit dem Walkman sei "eine komplett neue Gerätegattung" aufgekommen. Für CD-Spieler, MP3-Player und schließlich auch Smartphone sei er der "Urahn".

Der Legende nach soll Firmengründer Akio Morita selbst die Idee zum Walkman gehabt haben, als ihm Mitbegründer Masaru Ibuka erzählte, er müsse ein klobiges Diktiergerät auf Reisen mitschleppen, um unterwegs seine geliebten Opern zu hören. Morita soll dann seinen Ingenieuren den Auftrag erteilt haben, auf Basis des Diktiergeräts den Ur-Walkman TPS-L2 zu entwickeln.

Der Erfinder ist ein Deutscher

Die Japaner haben die Geräteklasse aber nicht erfunden. Der Deutsche Andreas Pavel meldete bereits 1977 einen Kassetten-Abspieler als Patent an, der dem Walkman verblüffend ähnlich sah. Zuvor hatte er das Konzept bereits auf der Hi-Fi-Messe 1976 in Hannover Philips und Sony vorgestellt. Doch die beiden Branchenriesen ließen den deutschen Tüftler abblitzen. Laut heureka-stories.de könnte es aber sein, dass die Japaner nur so taten und bei Pavel regelrecht abkupferten.

Pavels Versuche, nach Erscheinen des Walkmans Lizenzgebühren auszuhandeln, schmetterte Sony eiskalt ab. Darauf folgte ein viele Jahre währender Kleinkrieg vor Gericht, den Sony 1996 mit Heerscharen von Anwälten vor einem Londoner Berufungsgericht endgültig für sich entschied und den Deutschen mit Millionen Schulden in den Ruin trieb. Erst nachdem 1999 Firmengründer Akio Morita starb, erkannte dessen Nachfolger Norio Ohga die Urheberschaft Pavels an und Sony zahlte ihm eine Abfindung.

Viele haben ihn noch

Zunächst wurde das Gerät unter verschiedenen Namen verkauft. In den USA hieß er beispielsweise Soundabout, Freestyle in Australien oder Stowaway in Großbritannien. Erst Anfang 1980 vermarktete Sony seinen Kassettenspieler weltweit als Walkman.

Wie aus dem Sony-Archiv zu erfahren ist, griffen 1980 mancherorts in Deutschland unbekannte Täter zum Hammer und schlugen die Scheiben von Elektrohändlern ein. Sie klauten den Walkman aus der Auslage - "und nur den Walkman", wie betont wird. Tausende dürften den damals heiß geliebten Kassettenspieler heute noch im Karton mit Kindheitserinnerungen lagern. Mancher begrub seinen kaputten Walkman wie ein totes Haustier im Garten. Jungen verbrachten Tage damit, einem Mädchen Tapes aufzunehmen.

Charmant, aber nicht beständig

Das Charmante am Walkman war aus heutiger Sicht vielleicht das nicht Perfekte. Selbst wenn die Batterien mal nicht kurz vor dem Exitus waren - regelmäßig kam es zu Bandsalat, weil die Kassette schon ausgeleiert war. Und obwohl dieser Anblick häufig in zeitgenössischen US-Komödien zu sehen war: Joggen konnte man mit der empfindlichen Feinmechanik auch nicht gut. Von Wasser und Hitze musste man Walkmans fernhalten. Irgendwann machte die digitale Revolution ihnen den Garaus.

1984 brachte Sony den ersten Walkman heraus, der CDs abspielen konnte, den Discman. Später folgten noch Walkmans für Digitalkassetten (DAT) oder Abspielgeräte für MiniDiscs. Doch Sony verlor den Anschluss an die Entwicklung und konnte keinen eigenen MP3-Player zum Erfolg führen. Stattdessen mussten die Japaner zusehen, wie Apple 2001 mit dem iPod den "Walkman für das 21. Jahrhundert" vorstellte. Aber erst 2010 stellte Sony die Produktion des Kassetten-Walkman endgültig ein.

Quelle: n-tv.de, kwe/dpa

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