Technik

Konkurrenzlos gut iPad 2 im Test

Apple erfindet das iPad nicht neu, sondern peppt seinen sowieso schon guten Tablet-Rechner ein wenig auf. Mehr braucht es derzeit aber auch nicht, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten, denn bisher haben die Android-Tiger von Samsung und Motorola nur auf dem Papier gut gebrüllt.

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Das iPad 2 in der Redaktion von n-tv.de.

(Foto: Klaus Wedekind)

Das neue IPad ist im Handel und es geht weg wie warme Semmeln. Ganz so, als hätte Apple wie vor einem Jahr wieder ein völlig neues Gerät auf den Markt gebracht. So etwas gelingt aber auch Apple nicht im Jahresrhythmus und so muss man sich fragen, ob der Wirbel um das iPad 2 (ab 479 Euro) berechtigt ist.

So lange es keinen ernstzunehmenden Gegner gibt, kann man das iPad 2 nur mit seinem Vorgänger vergleichen. Hier fällt sofort auf, dass die zweite Generation dünner ist. Von 13,4 hat Apple das Tablet auf 8,8 Millimeter abgespeckt. Das sieht nicht nur sehr gut aus, vor allem fühlt sich das iPad jetzt noch besser an. Es ist deutlich leichter zu handhaben, was auch daran liegt, dass es weniger auf die Waage bringt. Das 3G-Modell wiegt jetzt nur noch 613 statt 730 Gramm. So ist es zwar immer noch kein reines Vergnügen, aber auch keine Qual mehr, das Gerät mit einer Hand zu halten.

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Für den Anschlussstecker ist im flachen, abgerundeten Gehäuse des iPad 2 kaum noch Platz.

(Foto: Klaus Wedekind)

Weil Apple die Kanten des iPad 2 bis zum Display abgerundet hat, verstärkt sich der Eindruck einer extrem flachen Flunder noch. Optisch wirkt das sehr gelungen, solange man das Gerät nicht an die Leine nimmt. Der Stecker findet in der Rundung wenig Halt und die Verbindung macht einen sehr wackeligen Eindruck. Nur gut, dass auch das iPad 2 sehr selten an die Steckdose muss. Apple hat mit 10 Stunden Akkulaufzeit nicht zu viel versprochen. Und das, obwohl im iPad 2 ein Zwei-Kern-Prozessor mit 1 Gigahertz arbeitet und auch die Grafikleistung enorm gesteigert wurde.

Zu stark für diese Welt

Seine innere Stärke kann das iPad 2 aber derzeit noch nicht wirklich unter Beweis stellen. Im Tablet-Alltag ist ein Unterschied zur ersten Generation vielleicht messbar, aber nicht wirklich spürbar. Bisher gibt es so gut wie keine Apps, die das Kraftpaket iPad 2 fordern. Doch dies wird sich in absehbarer Zeit ändern. Denn die Big Player der Spielebranche haben die Möglichkeiten von Tablet-Rechnern inzwischen erkannt.

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Bei "Infinity Blade" stören schwarze Balken den Spielgenuss.

Das Grafikpotenzial des iPad 2 zeigen die beiden Spiele "Infinity Blade" (4,99 Euro) und "RealRacing2HD" (9,99 Euro), die pünktlich zum iPad2-Start aufgerüstet wurden. Allerdings sieht man an den Games auch die Grenzen des iPad 2. Das Schwertkämpferepos "Infinity Blade" ist ein Spiel im Format 16:9. Weil das iPad einen 4:3-Bildschirm hat, verkleinern zwei schwarze Querbalken das Spielfeld.

Die in den Startlöchern stehende Android-Konkurrenz setzt eher auf das Format 16:9, das sich auch bei Flachfernsehern etabliert hat. "RealRacing2HD" bietet Rennspaß schon fast in Konsolenqualität. Die Lenkung per iPad-Neigung reagiert supergenau und alles läuft sehr flüssig und ohne zu Ruckeln. Bei einem ordentlichen Rumms hängt beim Gegner auch mal die Stoßstange schief.

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Mit "RealRacing2HD" kann die Grafikabteilung des iPad 2 Gas geben.

Weil Apple den 9,7-Zoll-Bildschirm unverändert gelassen hat, beschränkt allerdings die mit 1024 x 768 Pixeln etwas geringe Auflösung (132 ppi) die Grafikmöglichkeiten des iPad 2. Aber immerhin bietet das Tablet die Möglichkeit, HD-Inhalte per HDMI-Kabel (40 Euro!) auf hochauflösenden Bildschirmen auszugeben. Dabei kann das iPad 2 seinen Bildschirm nicht nur spiegeln. Auf angeschlossenem Bildschirm und iPad können auch unterschiedliche Inhalte dargestellt werden.

Eine Kamera zu viel

Neu sind auch die beiden Kameras. Die Frontkamera für Videogespräche via FaceTime oder Skype ist ein ganz dickes Plus und wertet das Gerät im Vergleich zum Vorgänger deutlich auf. Die Kamera auf der Rückseite, die es nur auf klägliche 1,98 Megabyte große Bilder bringt, ist dagegen ziemlich überflüssig. Damit gemachte Fotos sehen einfach nur schrecklich aus. So einen Pixelbrei kennt man sonst nur von billigen Handys. Videos können zwar mit 720p aufgenommen werden und wirken auch am Fernseher ziemlich gut. Allerdings gibt es effizientere Methoden, Videos zu drehen, als mit einem spiegelnden 9,7-Zoll-Display.

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Das Smart Cover ist eine echte Stütze für das iPad 2.

(Foto: Klaus Wedekind)

Das neue Gehäuse-Design ist auch den Lautsprechern zugute gekommen. Sie klingen jetzt trotz kleinerem Resonanzkörper etwas voller und runder. Klang-Fetischisten werden aber auch beim iPad 2 sofort einen guten Kopfhörer einstecken.

Tolle Coverversion

Praktisch, aber nicht inklusive, ist das sogenannte "Smart Cover". Für 39 Euro bekommen Nutzer damit eine robuste Display-Abdeckung, die magnetisch ans iPad andockt und das Gerät beim öffnen und schließen an- und ausschaltet. Außerdem kann man das Smart Cover zu einem Dreikant falten, das als überraschend stabiler Ständer dient.

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Selbst bei idealen Lichtverhältnissen, sind mit dem iPad 2 geschossene Fotos kein Augenschmaus.

Wer 69 Euro übrig hat, kann das praktische Teil auch mit Leder- statt Kunststoffüberzug kaufen. In beiden Ausführung besteht die Innenseite aus Mikrofaser, die den Touchscreen sauber halten soll. Das gelingt aber nur leidlich. Und weil das Cover zwischen den vier Klappelementen nicht fest auf dem Display aufsitzt, hat man nach einiger Zeit drei parallele Fettstreifen auf dem Glas. Schwamm drüber - das Smart Cover ist ein gelungenes Gimmick.

iPad 2 kein iPad-Killer

Alles in allem kann man sagen, dass das iPad 2 zur Zeit zwar mit Abstand der beste Tablet-Rechner ist, dem man auch die nervige Flash-Abstinenz und mangelnde Anschlussmöglichkeiten nachsieht. Besitzer eines "alten" iPad können die zweite Generation aber getrost auslassen - vor allem wenn sie auf Videochats verzichten können. Im kommenden Frühjahr bekommt das iPad 3 höchstwahrscheinlich ein richtig hochauflösendes Display und das Innenleben der ersten Generation sollte bis dahin problemlos mit nahezu jeder App fertig werden.

Interessant wird es, im Sommer die neuen Samsung-Tablets mit dem iPad 2 zu vergleichen. Zumindest auf dem Papier sind sie Apples Flaggschiff mindestens ebenbürtig. Aber theoretisch hat es ja schon ein paar "iPad-Killer" gegeben, die später in der Praxis von Apples Tablet mit Links abserviert wurden.

Quelle: n-tv.de

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