Wirtschaft

Kritik an der Deutschen Bank Aktionäre strafen Vorstand ab

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Ein schwerer Tag für Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

(Foto: REUTERS)

"Wir sind nicht mehr die Bank, die wir mal waren", beklagt sich ein Aktionär. Mit ihm machen sich viele Anteilseigner der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung ihrem Ärger Luft. Der Vorstand erhält ein schlechtes Entlastungsergebnis.

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben dem Top-Management einen deftigen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle stimmten nur 61 Prozent für eine Entlastung der Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie ihrer Vorstandskollegen. Das teilte Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit.

Auch der scheidende Privatkundenvorstand Rainer Neske erhielt nur marginal mehr Ja-Stimmen als die übrigen Mitglieder. Fast ein Zehntel des vertretenen Kapitals enthielt sich. Üblich sind bei Hauptversammlungen in Deutschland Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr.

Achleitner hatte über die Vorstandsmitglieder einzeln abstimmen lassen, nachdem einige Großinvestoren massive Kritik an den bisherigen Ergebnissen der Führungsmannschaft geübt hatten. Einflussreiche Aktionärsberater wie ISS und Hermes hatten Fonds im Vorfeld empfohlen, den Vorstand nicht zu entlasten. Bei der Entlastung stimmen die Aktionäre über die Arbeit der Manager im abgelaufenen Geschäftsjahr ab. Abberufen könnte sie aber nur der Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat selbst wurde mit 91,5 Prozent entlastet.

Achleitner hatte erst am Vorabend des Aktionärstreffens einen Umbau des Vorstands auf den Weg gebracht, bei dem Jain gestärkt wurde. An dem langjährigen Chef-Investmentbanker entzündete sich unter den Aktionären die meiste Kritik - Großinvestoren wie Kleinanleger werfen ihm vor, mitschuldig daran zu sein, dass die Bank noch immer unter so vielen teuren Rechtsstreitigkeiten ächzt, die die Gewinne auffressen.

Frustrierte Aktionäre

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Jain und Fitschen mussten sich auf der Hauptversammlung einiges anhören. Die rund 4000 Aktionäre, die den Weg in die Festhalle gefunden hatten, waren verunsichert, manche von ihnen sogar sichtlich erzürnt.

Viele Wertpapierbesitzer sind mit dem Kurs der Führung von Deutschlands größtem Geldhaus überhaupt nicht zufrieden. Auf der einen Seite enttäuscht sie die schwache Entwicklung des Aktienkurses, auf der anderen Seite der Umgang der Führung mit den zahlreichen Skandalen der Vergangenheit.

"Die horrenden Strafzahlungen schlagen sich auf den Gewinn nieder und gleichzeitig fehlt das Geld für vernünftige Projekte", sagte Aktionär Walter Liehmann. Er nahm damit Bezug auf die Strafzahlung von rund 2,3 Milliarden Euro, die die Deutsche Bank vor rund einem Monat an amerikanische und britische Aufsichtsbehörden zahlen musste. Peter Simm, ebenfalls Aktionär der Deutschen Bank, war "enttäuscht und frustriert" über den Kurs der Führung. Der einst "gute Ruf" des Geldhauses sei "völlig dahin".

Nur wenig Applaus für Jain

Eigentlich waren Jain und Fitschen 2012 angetreten, um eben diesen guten Ruf wieder herzustellen. Sie wollten die Deutsche Bank mit der Strategie 2015+ wieder auf Vordermann bringen und einen Kulturwandel einläuten. Die zahlreichen Skandale aus der Vergangenheit sollten aufgearbeitet und neue Verfehlungen von Bankern verhindert werden.

Doch die Aktionäre sind von dem Erfolg der Strategie und des Kulturwandels nicht überzeugt. Bitter stößt vielen von ihnen die Rüge der Aufsichtsbehörden auf, wonach die Bank in der Aufarbeitung des Libor-Skandals nicht ausreichend kooperiert habe - und das trotz des versprochenen Kulturwandels.

Jain weiß um die Verbitterung der Aktionäre: Er rechne "natürlich auch mit unbequemen Fragen", sagte er zu Anfang seiner Rede und versprach den Aktionären einen "ehrlichen Blick auf das, was wir versprochen haben" zu werfen. Der Applaus dafür hielt sich allerdings in Grenzen.

Jain geht neben den Erfolgen, die der Vorstand seiner Meinung nach in den letzten Jahren erreicht hat, auch auf die weniger erfreulichen Punkte ein. Die Rechtsstreitigkeiten hätten sich als "langwieriger und viel kostspieliger als erwartet" erwiesen, sagte Jain und auch die Kosteneffizienz bleibe "eine Herausforderung".

"Keine Vision"

Tosenden Beifall erntete dagegen Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die neue Strategie, die die Deutsche Bank Ende April verkündete, sei "keine Vision". Vor allem die Trennung von der Postbank stößt dem Anlegerschützer sauer auf: Noch auf der Hauptversammlung im vergangen Jahr habe Jain die Verbindung von Deutscher Bank und Postbank als "einmaliges Konstrukt" bezeichnet, ein Jahr später werde die Tochterbank trotzdem verkauft.

Nieding forderte zudem einen externen Prüfer, der den Bankern auf die Finger schaut. Er soll klären, ob die seitens der Bank gebildeten Rückstellungen mit Blick auf anhängige Rechtsverfahren und drohende Strafen in Milliardenhöhe ausreichend seien.

"Wir sind nicht mehr die Bank, die wir mal waren", beklagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger, der nach eigenen Angaben mehr als sieben Millionen Aktionäre vertritt. Der Führung der Deutschen Bank blies auf der Versammlung kalter Wind entgegen.

Quelle: n-tv.de, wne/rts/AFP

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