Wirtschaft

Trotz Wohnungsnot Deutsche haben mehr Wohnraum denn je

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Auf je tausend Einwohner kommen derzeit 509 Wohnungen - 14 mehr als vor acht Jahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Viele Menschen suchen händeringend eine Wohnung - vor allem in Großstädten. Die Bundesregierung will den Mangel mit einer Neubauoffensive bekämpfen. Laut Statistischem Bundesamt ist allerdings mehr Wohnraum denn je vorhanden. Das Problem liegt woanders.

In Deutschland gibt es so viele Wohnungen wie noch nie. Im vergangenen Jahr sind rund 267.000 neue Wohnungen entstanden. Der Bestand erhöhte sich damit bis Ende 2018 auf 42,2 Millionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Auf je tausend Einwohner kommen derzeit 509 Wohnungen. Das sind 14 mehr als noch vor acht Jahren - und damals herrschte noch keine dramatische Knappheit wie heute.

Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, vor allem in Ballungsräumen eine Wohnung zu finden. Für den angespannten Wohnungsmarkt sind verschiedene Trends verantwortlich. Laut Statistischem Bundesamt stehen jedem Einwohner durchschnittlich 46,7 Quadratmeter zur Verfügung - 1,7 Quadratmeter mehr als noch 2010.

Vor allem ältere Menschen leben oft allein in großen Wohnungen oder Häusern. Denn ein Umzug ist kostspielig und eine kleinere Wohnung meist teurer. Ein Phänomen, das der Neubau von Wohnungen kaum lösen kann, sagt Stadtplanungsexperte Daniel Fuhrhop von der Universität Oldenburg. Im Gegenteil: In deutschen Metropolen entstehe vor allem vergleichsweise teurer Wohnraum, den sich die meisten nicht leisten könnten. Die Wohnungen blieben dann leer. "Abends sieht man, dass die Fenster in manchen Neubausiedlungen fast alle dunkel sind", sagt Fuhrhop. Die Quote ungenutzter Wohnungen liegt in ganz Deutschland bei knapp fünf Prozent.

Bundesregierung verfehlt Neubau-Ziel

Auch die wachsende Zahl von Zweit- oder Drittwohnung tragen zur Knappheit in vielen Großstädten bei. Hinzu kommen zahlreiche illegal vermietete Wohnungen, wie etwa auf der Plattform Airbnb, die das Statistische Bundesamt zwar als Wohnraum mitrechnet. Für Wohnungssuchende stehen sie allerdings meist gar nicht zur Verfügung, da sie dauerhaft als Ferienwohnungen angeboten werden.

Trotz der absoluten Zahlen des Statistikamts fehlen in Deutschland immer noch mehr als eine Millionen Wohnungen. Um das Problem zu lösen, will die Bundesregierung 1,5 Millionen neue Wohnungen in der Legislaturperiode bauen lassen - 375.000 jährlich. Experten fordern angesichts des Wohnungsmangels in den Städten und Ballungsgebieten sogar mindestens 400.000 neue Wohnungen pro Jahr.

Bei der Bekämpfung von der Wohnungsknappheit ist es allerdings wichtig, wo und für wen gebaut wird. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) entstehen vor allem in den Städten zu wenige Wohnungen, auf dem Land hingegen zu viele. Zudem wird vor allem für Menschen mit kleinem oder mittlerem Einkommen zu wenig neu gebaut. Und auch beim Bau von Sozialwohnungen bleiben die Zahlen hinter dem Bedarf zurück.

Quelle: n-tv.de

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