Wirtschaft

Homeoffice aus der Ferne Diese Staaten bieten Visa für digitale Nomaden

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Der Traum vom Büro unter Palmen. In Pandemiezeiten kann er Wirklichkeit werden.

(Foto: REUTERS)

Leben und Arbeiten im Paradies - wer möchte das nicht? Die Karibikinsel Barbados heißt Menschen mit festem Job willkommen. Auch andere Staaten haben die Geschäftsidee für sich entdeckt. In Zeiten der Pandemie und ohne Touristen hoffen sie endlich wieder auf klingelnde Kassen.

Leben in der Karibik, aber arbeiten in Deutschland - warum nicht, wenn es der Arbeitgeber erlaubt? Immer mehr Länder bieten inzwischen Visa für sogenannte digitale Nomaden, die ihre Arbeit per Computer online von überall verrichten können. Die Idee dahinter: Die Staatskasse und die heimische Wirtschaft stützen, ohne Risiko zu laufen, dass die Zugereisten den eigenen Leuten Jobs wegschnappen.

Eine Win-Win-Situation: Denn der Arbeitnehmer gewinnt im besten Fall einen Arbeitsplatz unter der karibischen Sonne und kann sich mit seinem fortlaufenden - hoffentlich üppigem - Gehalt dort ein schönes Leben machen, wo die Lebenshaltungskosten vielleicht auch noch günstiger sind. Frei nach dem Motto: Da arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Die Corona-Pandemie macht es möglich. Wie der US-Sender CNBC unter Berufung auf eine Studie der Stanford University schreibt, arbeiten derzeit über 40 Prozent der Amerikaner Corona-bedingt zu Hause. Wann sie in ihre Unternehmen zurückkehren dürfen, ist ungewiss. Facebook will den Status quo bis Mitte nächsten Jahren aufrechterhalten, Twitter will seine Beschäftigten gleich überhaupt nicht mehr in den Büros wiedersehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Unternehmen sparen sich Büromieten, können sich auf diese Weise verkleinern oder große Immobilien gleich ganz versilbern.

Die Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter ziehen, können sparen und von der Pandemie gebeutelte Staaten haben eine neue Geldquelle, um die weggebrochenen Einnahmen durch ausbleibende Touristen zu kompensieren. Anguilla, ein Inselparadies in der östlichen Karibik, das von normalen Touristen seit März nicht mehr bereist werden darf, nimmt seit dem 21. August Bewerbungen von Berufstätigen an, die dem Winter in diesen Breiten entfliehen wollen.

Einzige Bedingung: Die Interessenten müssen aus Ländern kommen, deren Infektionsrate unter 0,2 Prozent liegt und ihr Aufenthalt muss für länger sein. Für ein Visum unter drei Monaten werden für eine Einzelperson 1000 Dollar fällig, eine vierköpfige Familie wird bereits zum Vorzugspreis von 1500 Dollar willkommen geheißen - immerhin gibt es vier Esser, die mit all ihren Ausgaben, die tagtäglich anfallen, die Wirtschaft stützen. Inbegriffen sind während eines Langzeitaufenthalts Arbeitserlaubnis und zwei Covid-19-Tests. Die Anträge sind laut CNBC unkompliziert und die Bearbeitungszeit kurz.

Georgien und Estland heißen Zuzöglinge ebenfalls willkommen

Die Karibikinsel Barbados, die seit dem 30. Juni ein Jahresvisum anbietet, soll diese bereits nach fünf Tagen gewähren. Die Bilanz nach zweieinhalb Monaten: Insgesamt 1350 Visa wurden ausgestellt, im Schnitt 17 täglich. Rund 40 Prozent der Antragsteller stammten dabei aus den USA. Auch Bermuda wirbt mit Homeoffice für Wintermüde am Strand unter Palmen. Dort beträgt die Bewerbungsgebühr für ein Visum 263 Dollar pro Person. Auch hier lautet die wichtigste Bedingung: Die Besucher müssen für ausländische Unternehmen arbeiten. Haustiere und Familienangehörige sind gerne gesehen - vor allem wohl, wenn Kinder in der neuen vorübergehenden Heimat teure Privatschulen besuchen. Jeder Dollar zählt.

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Digitale Nomaden sind allerdings nicht nur in den sonnigen Gefilden dieser Welt willkommen. Auch Georgien und das Baltikum freuen sich über Zuzöglinge mit festem Job - und wenn es nur auf Zeit ist. Georgien registrierte bis Mitte Juli bereits 2700 Anträge. Mitbringen müssen die Reisenden monatlich 2000 Dollar. Estland - als Digital-Paradies auch E-Stonia genannt - verlangt für ein 12-monatiges Visum, das es allerdings nicht erst seit Pandemie gibt, ein fixes monatliches Einkommen von über 3504 Euro.

Und erst vergangenen Monat kündigte auch Kroatien ein entsprechendes Programm an. Es müsse noch viel Arbeit geleistet werden, "aber wir wollen diesen gesamten Prozess abschließen, damit Kroatien ab 2021 die ersten digitalen Nomaden begrüßen kann", zitiert CNBC den niederländischen Unternehmer Jan de Jong, der seit 14 Jahren in Kroatien lebt und sich im August mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenkovic hierzu austauschte.

Quelle: ntv.de, ddi