Wirtschaft
Nebel und Windstille - bei diesem Mix liefern Solar- und Windkraftanlagen kaum Energie.
Nebel und Windstille - bei diesem Mix liefern Solar- und Windkraftanlagen kaum Energie.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 07. Februar 2017

Kohlekraft muss einspringen: Dunkelflaute zeigt Makel des Ökostroms

Während im Sommer der Solarstrom fließt, sieht es im Winter düster aus. Bleibt auch der Wind weg, kommt es zur Dunkelflaute. Ökostrom ist dann Mangelware, konventionelle Kraftwerke springen ein. Das Problem: Von denen gibt es immer weniger.

Auch aus Sicht der Ökostromproduzenten ist der Winter eine düstere Jahreszeit. Kurze Tage, trübes Wetter und ein niedriger Sonnenstand schmälern den Ertrag aus Photovoltaikanlagen. Weht auch noch kein Wind, spricht man von sogenannten Dunkelflauten. Diese stellen den deutschen Energiemarkt vor besondere Herausforderungen.

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Im Januar war es wieder soweit: Laut den Daten von Agora Energiewende kam es zunächst Anfang und dann wieder ab Mitte Januar zu Dunkelflauten in Deutschland, wie die "Welt" berichtet. Rund 26.000 Windkraftanlagen und mehr als 1,2 Millionen Solaranlagen waren weitgehend außer Dienst. Ein für die Jahreszeit typisches Hochdruckgebiet sorgte für Windstille und Nebel. Gleichzeitig stieg der Strombedarf in Deutschland aufgrund der Kälte stark an.

Um die Stromlücke auszugleichen, mussten konventionelle Kraftwerke einspringen. Am 24. Januar etwa hatten Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke mehr als 90 Prozent des deutschen Strombedarfs gedeckt. Zum Vergleich: Im Durchschnitt lieferten erneuerbare Energieträger vergangenes Jahr rund ein Drittel des benötigten Stroms in Deutschland.

82 Kraftwerke stellen Betrieb ein

Das macht deutlich: Ohne konventionelle Kraftwerke ist die Energieversorgung in Deutschland bisher noch nicht zu bewältigen. Auch weil es an Speichern mangelt, um Ökostrom in Zeiten von hoher Produktion und geringem Bedarf für einen späteren Verbrauch zu konservieren. Trotz ihrer Notwendigkeit verschwinden konventionelle Kraftwerke aber zunehmend vom Markt, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt.

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So wurden im vergangenen Jahr 82 konventionelle Stromerzeuger mit mehr als zwölf Gigawatt Leistung zur Stilllegung angemeldet, weil der Betrieb sich nicht mehr rentiere. Zusätzlich werden in den kommenden Jahren weitere Braunkohlekraftwerke stillgelegt. Dazu kommt der Atomausstieg: In diesem Jahr wird im süddeutsche Kernkraftwerk Gundremmingen der Block B mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt vom Netz gehen.

Zudem seien "Investitionen in den Kraftwerksneubau (...) bereits zum Erliegen gekommen", sagte BDEW-Chef Stefan Kapferer. Der BDEW führt dies auf schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zurück. Offen sei, wie in Zukunft noch genug Strom produziert werden könne, wenn das Tempo der Kraftwerksstilllegungen in Deutschland anhalte.

Suche nach einer klimafreundlichen Lösung

Im Bundeswirtschaftsministerium hingegen sieht man die Lage weniger bedrohlich. Der Markt werde das Problem schon lösen, versichert man: Laut Staatssekretär Rainer Baake werde das Wegbrechen konventioneller Kraftwerke zu steigenden Strompreisen führen. Dies wiederum würde genug Anreize schaffen, damit in neue Kraftwerke investiert werde.

BDEW-Chef Kapferer glaubt nicht, dass das ausreicht. Schließlich zeige sich bereits jetzt, dass der Marktmechanismus versage: "Ansonsten würde sie [die Bundesregierung] nicht verschiedene Kraftwerksreserven im Markt halten und neue einführen." Dieses Sicherheitsnetz sei jedoch teuer und könne Netzentgelte und Strompreise nach oben treiben. Der BDEW schlägt stattdessen vor, die  konventionellen Kraftwerke für "Systemdienstleistungen" zu bezahlen, wenn sie bei zu geringer oder zu hoher Öko-Stromproduktion flexibel agieren müssten.

Gegen eine derartige Förderung von Kohlekraftwerken spricht sich hingegen Philipp Vohrer aus, Geschäftsführer der "Agentur für Erneuerbare Energien" (AEE). Um dem Problem der Dunkelflauten zu begegnen, sollte vielmehr auf flexible Gaskraftwerke zurückgegriffen werden. Denn Klimaschutzaspekte müssten auch bei Engpässen im Vordergrund stehen. Daher sollten die Marktchancen dieser Gaskraftwerke gegenüber Kohlekraftwerken verbessert werden. Dies könnte durch die Einführung eines Mindestpreises für CO-Emissionen geschehen, so sein Vorschlag.

Quelle: n-tv.de