Wirtschaft

Zehntausende Griechen protestieren "Es geht um Würde"

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Klare Botschaften auf dem Syntagma-Platz in Athen.

(Foto: dpa)

Der Sparkurs habe ihr Leben zerstört, sagt eine Rentnerin in Athen. Sie will bei dem Referendum mit "Nein" stimmen. Viele Griechen pflichten ihr bei - sie fühlen sich erpresst.

Die Botschaft ist eindeutig. "Oxi" ("Nein") ist auf dem zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen überall zu lesen. Mehrere zehntausend Menschen haben sich an diesem lauen Sommerabend versammelt - sie wollen beim angekündigten Referendum mit "Nein" stimmen.

So wie Athina. Der Sparkurs habe ihr Leben zerstört, sagt die 68-Jährige. Ihre Rente sei um fast die Hälfte gekürzt worden. "Die Institutionen wollen die Renten noch weiter senken", sagt sie. Hat sie keine Angst, dass es mit einem Nein noch schlimmer wird? "Es ist uns zwar nicht egal, was passiert", antwortet Athina: "Doch 1940 haben unsere Väter auch nein gesagt" Und so schlimm wie damals sei es nicht. "Wenn Europa uns rauswerfen will, bitteschön", sagt sie emotional. "Dieser Kontinent hat seinen Namen von uns. Wir schaffen das schon - wie in den vergangenen 3000 Jahren auch."

"Wir sind hier um die Demokratie zu verteidigen - für ganz Europa", sagt Theo zornig. Er ist 28 Jahre alt und arbeitet als Kellner. Natürlich stecke man angesichts der möglichen Folgen des Referendums in einem Dilemma. "Es geht aber auch um Würde", ruft er wütend aus.

"Habe keine Angst vor der Angst", ist auf einem Pappschild zu lesen. "Europa, sag uns, wie viel Toilettenpapier wir benutzen dürfen", steht auf einem anderen. Ein junger Mann hält ein Schild hoch, auf dem es heißt: "Ich habe gerade Sex. Europa f...t mich."

"Wir werden erpresst"

Es sind Menschen aller Altersgruppen auf den Platz gekommen. Die Stimmung ist friedlich, aber eine Anspannung ist deutlich zu spüren. Dass die Banken am Morgen für unbestimmte Zeit geschlossen haben, beschäftigt hier alle.

"Die Mehrheit wird mit "Nein" stimmen, sagt der Vize-Minister für Soziales, Dimitris Stratoulis. "Wie es in den vergangenen fünf Jahren und fünf Monaten gelaufen ist, so kann es nicht weitergehen." Stratoulis gehört dem linken Flügel des Syriza-Bündnisses von Ministerpräsident Alexis Tsipras an. Es gebe keinen leichten Weg, sagt er auf die Frage nach den möglichen Folgen einer Ablehnung der Gläubiger-Vorschläge. Egal, wofür sich die Griechen entscheiden würden, es brächte Schwierigkeiten. Ein Ja hätte allerdings schlimmere Folgen als ein Nein, sagt Stratoulis: "Die bisherige Politik hat das Land zerstört."

"Wir werden erpresst", sagt Kostas. "Das alleine reicht schon aus, mit Nein zu stimmen." Außerdem glaube er nicht, dass es zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone kommen werde. Denn ein solcher Schritt käme ganz Europa teuer zu stehen, er würde die gesamte Eurozone zerstören. "Sie können uns nicht rauswerfen", sagt der 28-Jährige Informatiker, der vor zwei Wochen seinen Job verloren hat. "Letztlich wird EZB-Chef Mario Draghi weiter Geld zur Verfügung stellen."

Quelle: ntv.de