Wirtschaft

Abgastests an Affen und Menschen Für Profit ist VW jedes Mittel recht

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picture alliance / Fredrik von E

Die pseudowissenschaftlichen Tier- und Menschenversuche von VW, Daimler und BMW sind nicht nur ein lächerliches PR-Manöver. Sie zeigen, dass den Autobauern alles recht ist, um die Wahrheit zu verbiegen, wenn sie beim Geldverdienen stört.

Gerade als man dachte, in der Diesel-Affäre könnte es nicht schlimmer werden, kam es doch schlimmer: Der von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Verband EUGT hat Abgas-Tests an Affen durchführen lassen und sich an Menschenversuchen mit Stickoxid beteiligt. VW steht besonders am Pranger: Die Wolfsburger waren federführend bei den umstrittenen Tierexperimenten.

Anfänglich machte es der Konzern wie die sprichwörtlichen drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. VW "distanzierte" sich mit einer lauwarmen Entschuldigung von seinen Versuchen und zog sich ansonsten auf die vom Abgas-Betrug hinreichend bekannte Verteidigungslinie zurück: Einzelne haben Fehler gemacht, aber der Vorstand hat nichts gewusst.

Erst unter öffentlichem Druck ist VW-Chef Matthias Müller weiter eingeknickt: "Mir tut es leid, dass Volkswagen als einer der Träger der EUGT an diesen Vorgängen beteiligt war. Es gibt Dinge, die tut man schlicht nicht." Ein Bauernopfer hat er praktischerweise auch schon gefunden: Cheflobbyist Thomas Steg hat erklärt, die "volle Verantwortung" für die Versuche zu übernehmen. Sie sind ein weiterer Beleg, dass die Autobauer in der Diesel-Affäre jeglichen moralischen Maßstab verloren haben.

Was hat die Autoindustrie nur geritten?

Natürlich sterben jedes Jahr Tiere in Testlaboren. Und Pharmafirmen probieren ihre Pillen regelmäßig an Menschen aus. Nichts daran ist illegal. Also alles ein Sturm im Wasserglas? Um es mit den Worten von VW-Chef Müller selbst zu sagen: "Mit Interessenvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun."

Die Versuche waren nicht nur wissenschaftlich vollkommen lächerlich: Valide Medikamententests werden nach jahrelanger Forschung an Tausenden Probanden durchgeführt. Die Lobbyisten der Autoindustrie haben kurzentschlossen zehn Tiere an Auspuffrohre angeschlossen und zwei Dutzend Menschen Stickstoffdioxid verabreicht.

Was hat sie geritten, dass sie ernsthaft glaubten, es wäre ein gutes Argument für ihre Diesel, sagen zu können: "Wir haben ein paar Affen Abgase einatmen lassen. Alle leben noch. Also ist es ungefährlich, dass die Stickoxid-Belastung in den Großstädten seit Jahren massiv über den Grenzwerten liegt"? Man stelle sich vor, ein Tabakkonzern würde seine Zigaretten so bewerben: "Wir haben 25 Studenten drei Stunden lang Kette rauchen lassen. Alle leben noch. Also kann es nicht sein, dass Rauchen Lungenkrebs fördert."

Der Zweck heiligt das lächerliche Lobby-Manöver

Noch schlimmer als die absurde Methode ist der miese Zweck der Versuche:  Zehn Jahre lang haben Deutschlands größte Konzerne über einen Lobby-Verband Wissenschaftler gekauft, damit sie das Image ihrer Autos aufpeppen - obwohl laut Studien Jahr für Jahr zehntausende Menschen wegen Stickoxid in Diesel-Abgasen vorzeitig sterben. Sie forschten nicht, um die Wirksamkeit einer Erfindung zu prüfen. Sondern um pseudowissenschaftliche Argumente zu liefern, warum die Autobauer nicht mitverantwortlich für massive öffentliche Gesundheitsgefahren sind.

Das alles zeigt nicht nur unglaublich schlechtes Urteilsvermögen in den Chefetagen von VW, Daimler und BMW. Ihr Versuch, mit ein paar Affen im Labor die Wahrheit zu verbiegen, entlarvt auch ihre atemberaubende Verantwortungslosigkeit. Die eigentlichen Versuchskaninchen des Diesel-Experiments sind bis heute Millionen Menschen in den Großstädten, in denen weiter ungestraft Autos fahren, die die gesetzlichen Grenzwerte nicht einhalten. Und zwar nur, weil die Politik sich nicht traut, die Autoriesen finanziell dafür haftbar zu machen. Solange das so bleibt, wird Ethik beim Geldverdienen für VW, Daimler und BMW weiter keine Rolle spielen. Und ihnen jedes Mittel recht bleiben, ihre Produkte reinzuwaschen.

Quelle: n-tv.de

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