Wirtschaft

Einzelhandel mit dickem Minus Historischer Einbruch setzt US-Wirtschaft zu

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Zahlreiche Läden mussten pandemiebedingt vorübergehend schließen.

(Foto: REUTERS)

Die Coronavirus-Pandemie beschert den USA einen noch nie dagewesenen Stillstand. Läden werden dichtgemacht, Fabriken unterbrechen die Produktion, Millionen Menschen verlieren ihre Jobs. Auf die Konjunktur wirkt sich die Lage katastrophal aus.

Die US-Wirtschaft steuert wegen der Corona-Krise auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der großen Depression in den 1930er Jahren zu. Sowohl der Umsatz im Einzelhandel als auch die Industrieproduktion gingen im April in Rekordtempo zurück. Ökonomen rechnen deshalb für das laufende zweite Quartal mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von einer Jahresrate von bis zu 40 Prozent.

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Die US-Einzelhändler nahmen 16,4 Prozent weniger ein als im März, wie das Handelsministerium mitteilte. Einen größeren Rückgang hat es seit Beginn der Statistik 1992 noch nicht gegeben. Ökonomen hatten mit einem Minus von zwölf Prozent gerechnet, nachdem es im März einen Einbruch von 8,3 Prozent gegeben hatte.

Die Verbraucher gaben insbesondere für Möbel (-59 Prozent), Elektronik (-61 Prozent) und Bekleidung (-79 Prozent) weniger aus. Hamsterkäufe konnten den Rückgang im Lebensmittelbereich von 13 Prozent nicht verhindern. Das Online- und Versandgeschäft machte das mit seinen Zuwächsen von rund acht Prozent nicht wett. Viele Läden mussten im Kampf gegen die Virus-Ausbreitung geschlossen bleiben.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung ist die Massenarbeitslosigkeit: Wegen der Corona-Pandemie verloren im April nach offiziellen Angaben 20,5 Millionen Amerikaner ihren Job, Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch viel höher liegt. "Es musste von katastrophalen Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen ausgegangen werden - und so kam es dann auch", sagte NordLB-Analyst Bernd Krampen.

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Es gab schon früher Probleme

Der private Konsum macht mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Er brach bereits im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 7,6 Prozent ein, das war der stärkste Rückgang seit 1980. Eine deutliche Trendwende ist nicht in Sicht. Das Konsumklima hellte sich im Mai nur wenig auf. Das entsprechende Barometer kletterte um 1,9 auf 73,7 Punkte, wie die University of Michigan zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilte.

Nicht viel besser sieht es in der Industrie aus. Die Betriebe stellten im April 13,7 Prozent weniger her als im Vormonat. Die gesamte Produktion - zu der auch Versorger und Bergbau beitragen - schrumpfte mit 11,2 Prozent so stark wie noch nie in der seit 101 Jahren veröffentlichten Statistik. Der Kampf gegen die Corona-Krise hat Lieferketten unterbrochen und die Nachfrage in den Keller gedrückt. Viele Experten rechnen erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Belebung.

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Der Industrie, die etwa elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft beiträgt, ging es bereits vor der verschärften Corona-Krise nicht gut. Dazu trugen die Probleme des Flugzeugbauers Boeing mit seinem Modell 737 Max ebenso bei wie der Preiskrieg der Öl-Staaten Russland und Saudi-Arabien, der den US-Förderfirmen mit der kostspieligeren Fracking-Technik zu schaffen macht.

Im wichtigen Bundesstaat New York zeichnet sich zumindest ein Ende der Abwärtsspirale ab: Der entsprechende Konjunkturindex der regionalen Notenbank kletterte im Mai spürbar. "Der Anstieg der Industriestimmung im Großraum New York kann auf erste Lockerungsmaßnahmen zurückgeführt werden", sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg. "Noch aber liegt der Index tief im Minusbereich, sodass eine Konjunkturerholung nicht abgeleitet werden kann."

Quelle: ntv.de, fzö/rts