Wirtschaft

Bei Gas hört die Feindschaft auf Emirate in Katar-Krise kompromissbereit

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Blick über einen Teil der weitläufigen Gasanlagen von Ras Laffan bei Doha in Katar.

(Foto: picture alliance / Tim Brakemeie)

Die arabischen Nachbarstaaten blockieren Lieferungen von und nach Katar. Doch es gibt eine Ausnahme: die Gasexporte. Denn hier würden alle nur verlieren.

Essen, Flüge, Arbeiter - im isolierten Katar droht Einiges knapp zu werden. Wie groß die Entbehrungen letztlich sein werden, hängt davon ab, wie sich der wichtige Gasexport unter der Blockade der arabischen Nachbarstaaten entwickeln wird. Vorerst jedoch scheint es an dieser Front - in gegenseitigem Interesse - Entwarnung zu geben.

Obwohl als Strafmaßnahme für Katars angebliche Unterstützung des IS-Terrors alle Land-, Luft- und Seeverbindungen gekappt wurden, lassen sich ausgerechnet die Vereinigten Arabischen Emirate an der Ostküste des Persischen Golfs weiter Gas aus Katar liefern. Das berichtet CNN. Dabei gehören die Emirate zu den wichtigsten Unterstützern der saudischen Initiative gegen den kleinen Wüstenstaat.

Aber auch andere Gas-Abnehmer brauchen sich derzeit über ihren Nachschub keine Sorgen machen. Die Lieferungen von Flüssiggas aus Katar werden bislang nicht von der saudischen Allianz gestoppt, zitiert das "Wall Street Journal" Händler in Singapur und London. Die Mega-Tanker unter katarischer Flagge passierten weiterhin ungehindert den Suez-Kanal.

Für den kleinen Golfstaat ist das ein gutes Omen. Denn die Kataris sind auf die Einnahmen durch ihre Gasexporte angewiesen. Selbst Lieferungen an feindliche Staaten zu stoppen ist keine Option. "Wir können unsere Entscheidungen nicht auf Emotionen begründen", erklärte Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, dem Sender CNN.

Ein guter Deal

Der winzige Golfstaat ist der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas und dank seines Rohstoffreichtums eine der reichsten Volkswirtschaften der Erde. Der Golfstaat sitzt auf etwa 14 Prozent der weltweiten Gasreserven, es sind die drittgrößten nach Russland und Iran. Die wichtigsten Abnehmer sind Japan, Südkorea und Indien. Auch die Emirate gehören zu den Großkunden.

Von Ras Laffan 80 Kilometer nordöstlich von Doha führt eine Unterwasser-Pipeline 364 Kilometer nach Abu Dhabi - dem nach Einwohnern zweitgrößten Scheichtum der Emirate.  Von Abu Dhabi führt die Pipeline weiter bis nach Oman. Etwa zwei Milliarden Kubikmeter Gas werden täglich durch diese Leitung gepumpt.

Für die Emirate, die mit diesem Gas etwa 30 Prozent ihres Energiebedarfs decken, ist es nicht nur ein wichtiger, sondern auch ein ausgesprochen lukrativer Deal. Der Preis soll laut CNN-Informationen weit unter dem am Markt üblichen liegen. Damit haben auch die Emiratis kein Interesse daran, diese Ader zu kappen.

"Ich glaube nicht, dass wir diese Art von Vergeltung sehen werden", erklärte Anwar Gargash, Minister für auswärtige Angelegenheiten der Emirate, CNN. "Das sind kommerzielle Verpflichtungen mit ordnungsgemäßen rechtlichen Rahmenbedingungen." Es gebe Regeln und Vorschriften, denen man folge. "Ist irgendetwas in diesem Rahmen passiert, werden wir unsere Optionen prüfen", sagte er weiter. Vorerst sei aber nicht davon auszugehen, dass das diplomatische Zerwürfnis unter den Nachbarn den Vertrag für die Energieversorgung beeinflussen werde.

Sowohl Flüssiggas- als auch Öllieferungen liegen langfristige Verträge zugrunde, schreibt auch das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen Händler in Singapur. "Diese Lieferungen werden nicht betroffen sein, solange der diplomatische Streit nicht wirklich hässlich wird." Die Teilnehmer an den Rohstoffmärkten scheinen es ähnlich zu sehen. Bislang sind die Preise für Flüssiggas stabil.

Auf Gas gebaut: Verflüchtigt sich der Reichtum Katars?

Dank seiner Rohstoff-Dollars besitzt Katar heute ein milliardenschweres globales Portfolio mit Immobilien und anderen Vermögenswerten. Ausreichen wird dies laut Analysten jedoch nicht, um ein langes Embargo der Nachbarn durchzustehen. Die Kosten der Isolation seien zu hoch, heißt es. "Wir gehen davon aus, dass Katar gezwungen sein wird, schnelle diplomatische Lösungen zu finden", sagte Amy McAlister von Oxford Economics CNN.

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Die Anrainerstaaten am Persischen Golf.

Umgekehrt werden aber auch die Nachbarn, die die Blockade ausgesprochen haben - und dazu gehören die Emiratis - darauf achten, dass sie bei dem Streit keinen Schaden nehmen werden. "Die Emirate sind sehr stark auf katarische Gaslieferungen angewiesen. Ähnliches gilt für die anderen Golfkooperationsstaaten und Ägypten, das sich auch der saudischen Linie angeschlossen hat", sagt die Politikwissenschaftlerin Anna Sunik n-tv.de.

Das flüssige Gas könnte zur soliden Verhandlungsbasis zwischen den zerstrittenen Lagern werden. Wahrscheinlich werde sich die Krise legen, "wenn Katar bestimmte Zugeständnisse macht", so Sunik weiter.

Bröckelt die saudische Allianz?

Rückschlüsse auf die Stärke der Allianz lassen sich deshalb nicht ziehen, sagt die Wissenschaftlerin n-tv.de. Alles deute darauf hin, dass die Sanktionen gegen Katar "ein saudisch-emiratisches Gemeinschaftsprojekt" seien, basierend auf den jeweiligen Rivalitäten der Staaten mit Katar. Gleichzeitig gebe es aber auch Spannungen zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien, vor allem im Zusammenhang mit der gemeinsamen Intervention im Jemenkrieg, so Sunik weiter.

Die föderale Struktur zeige, warum in den Emiraten zum Teil andere Positionen eingenommen würden als in Saudi-Arabien, sagt Sunik. Dubai, das zweitgrößte Emirat - das auch den Premierminister stellt -, ist traditionell stärker pro-iranisch ausgerichtet. Mit der uralten Fehde zwischen Saudi-Arabien und Iran hat es deshalb auch nichts zu schaffen.

Quelle: n-tv.de

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