Wirtschaft

GDL lässt die Muskeln spielen Lokführer treten in den Streik

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Vorwürfe gegen das Bahn-Management.

imago/Ralph Peters

Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn setzt die Lokführergewerkschaft GDL erneut auf Streik. Der Ausstand beginnt heute Nachmittag im Güterverkehr. Von Mittwochfrüh bis Donnerstagabend trifft es auch die Fahrgäste.

Bahnreisende müssen sich wieder auf Verspätungen und Stillstand einstellen. Die Lokführer wollen von heute Nachmittag an erneut bundesweit ihre Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft GDL mitteilte. Um 15 Uhr beginnt der Streik zunächst im Güterverkehr und endet am Freitagmorgen um 9 Uhr. Der Personenverkehr soll von Mittwochfrüh um 2 Uhr bis Donnerstag um 21 Uhr bestreikt werden.

Zuletzt waren die Lokführer Anfang November in den Ausstand getreten. GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. "Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen", sagte Weselsky der "Passauer Neuen Presse". Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Ein Streitpunkt ist auch die Rolle der Lokrangierführer. Diese Kollegen machten die gleiche Arbeit wie Lokführer, würden aber deutlich schlechter bezahlt und hätten viel schlechtere Arbeitszeitregelungen, betonte Weselsky.

"Gift für den Standort Deutschland"

Die Deutsche Bahn reagierte mit Unverständnis auf die siebte Streikaktion seit Beginn des Tarifkonflikts. "Die GDL hätte ihr gewünschtes Zwischenergebnis in den Verhandlungen in nahezu allen Punkten haben können", betonte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die Güterbahn stellte sich angesichts der angekündigten 66 Stunden Streik auf erhebliche Beeinträchtigungen ein. Die Einführung eines Ersatz-Fahrplans im Fernverkehr werde ab sofort vorbereitet. Sobald er stehe, werde er bekanntgemacht.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte den Streik laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als "Gift für den Standort Deutschland". Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, erklärte demnach DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. Im Güterverkehr führten Streiks bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen.

Weselsky lehnte eine Schlichtung erneut ab. "Die Bahn verlangt von uns Kompromissfähigkeit. Sie selbst ist aber nicht dazu in der Lage. Unter diesen Voraussetzungen gehen wir nicht in eine Schlichtung", sagte er.

Krisenteam nimmt Arbeit auf

Die Güterbahn stellte sich angesichts von angekündigten 66 Stunden Streik auf erhebliche Beeinträchtigungen ein. Die Bahntochter Schenker Rail setze "alles daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten", hieß es. In der Europa-Leitstelle in Frankfurt soll ein Krisenteam den Güterverkehr während des Ausstands steuern. Dabei hätten für die Versorgung wichtige Züge Vorrang, sagte ein Bahnsprecher.

Die GDL will noch vor dem Inkrafttreten des umstrittenen Tarifeinheitsgesetzes für ihre sämtlichen Mitglieder im Zugpersonal eigene Tarifverträge abschließen. Bislang hatte sie nur für Lokführer Abschlüsse vereinbart und läuft nun Gefahr, in Konkurrenz zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) künftig nur noch in einem Teil der Deutsche-Bahn-Betriebe eigene Tarife aushandeln zu können.

Das Tarifeinheitsgesetz der Großen Koalition soll nach bisherigen Planungen im Juli in Kraft treten. Die GDL hat Verfassungsbeschwerde angekündigt und der Bahn auch in diesem Zusammenhang eine Verzögerungstaktik vorgeworfen.

Umsteigen auf den Fernbus

Profiteure vom GDL-Streik werden die deutschen Fernbus-Anbieter sein. "Der Umsatz der Branche könnte wegen des Streiks um mehrere Millionen Euro steigen", sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter. "Sobald die Ankündigungen für den Ausstand kommen, spüren die Busunternehmen sofort eine sprunghafte Nachfrage auf ihren Webseiten." Die Firmen hätten seit längerem Erfahrung mit Streiks der GDL und stellten vor allem auf den Hauptstrecken nach Berlin, Frankfurt, München oder ins Ruhrgebiet umgehend zusätzliche Kapazitäten bereit.

Die Busbranche kann zwar ohne Genehmigung keine zusätzliche Linie einrichten. Stattdessen setzen die Firmen laut bdo-Sprecher aber Doppeldecker oder mehrere Busse auf einmal ein. "Wir können die Kapazität auf einer Linie erhöhen." Erfahrungsgemäß steige die Nachfrage bei Streiks um das Sechsfache, der Umsatz letztlich um das Zwei- bis Dreifache.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa/AFP/rts

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