Wirtschaft

Blitz-Aufspaltung vertagt Lufthansa will Air Berlin filetieren

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Endphase des Landeanflugs auf Tegel: Eine Maschine in den Farben der Air Berlin.

(Foto: REUTERS)

Das erste Treffen im Gläubigerausschuss bei Air Berlin bringt offenbar keine schnellen Ergebnisse: Vertreter der Lufthansa legen allerdings dem Vernehmen nach ein konkretes Angebot für die Air-Berlin-Tochter Niki auf den Tisch.

Die Gläubigerausschüsse der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin und ihrer Technik-Tochter haben ihre ersten Sitzungen am Nachmittag beendet. "Die Ausschüsse haben einstimmig die weitere Betriebsfortführung sowie die Weiterführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beschlossen", teilte der Generalbevollmächtigte von Air Berlin in dem Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, mit. Die weiteren Verhandlungen würden mit Hochdruck vorangetrieben.

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"Unser Ziel ist und bleibt, zügig zu tragfähigen Abschlüssen zu kommen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten", fügte er hinzu. Über den Verkauf von Unternehmensteilen wurde demnach nicht entschieden.

Bei der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses von Air Berlin meldete die Lufthansa erneut Interesse an Teilen der der insolventen Fluggesellschaft an. Ein entsprechendes Angebot sei "konkretisiert" worden, erklärte ein Insider. Man biete für die Touristiktochter Niki und weitere Teile der Gesellschaft, nicht aber für das komplette Unternehmen, hieß es aus Lufthansa-Kreisen. Nähere Details zum Angebot wurden zunächst nicht genannt.

Mit einer unmittelbar bevorstehenden Entscheidung zu einem ersten Teilverkauf der Niki ist demnach nicht zu rechnen. Die beiden Ausschüsse waren am Morgen in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Bei den Treffen ging es zunächst um Formalien. So musste das Gremium etwa der Fortsetzung des Flugbetriebs formal zustimmen. Zudem sollte ein Zeitplan für die nächsten Schritte festgelegt werden.

Wer bekommt die Filetstücke?

"In keinem Fall" werde es bei der ersten Sitzung des Ausschusses Entscheidungen zur Käuferauswahl geben, meinte ein Teilnehmer des Treffens. Am Vorabend waren Spekulationen aufgekommen, Deutschlands zweitgrößter Airline drohe eine Art Blitz-Aufspaltung. Dem Gläubigerausschuss gehören Vertreter von Air Berlin, Commerzbank, der Lufthansa-Tochter Eurowings, der Bundesagentur für Arbeit sowie ein Anwalt an.

Grundlage dieser Vermutungen war ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung", in dem es ohne Angaben von Quellen hieß, der Gläubigerausschuss wolle bereits bei seinem ersten Treffen die Air-Berlin-Fluglinie Niki aus der Airline herauslösen. Die von der österreichischen Rennfahrer-Legende Niki Lauda gegründete Air-Berlin-Tochter gilt aufgrund ihrer Ausstattung mit modernen Airbus-Maschinen vom Typ A320 zu den wenigen verbliebenen Filetstücken der hochverschuldeten Fluggesellschaft.

Verhandlungen hinter den Kulissen

Lufthansa hatte bereits am Dienstag vergangener Woche über Verhandlungen über einen Ankauf von Teilen der insolventen Air Berlin berichtet. Dabei ging es unter anderem auch über die "Möglichkeit zur Einstellung von Personal". Daneben ist die Lufthansa auch aus ganz praktischen Gründen an einer schnellen Lösung interessiert: Bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Austrian Airlines sind aufgrund einer früheren Vereinbarung von Air Berlin geleaste Maschinen fest verplant im Einsatz.

Die im Dax notierte Fluggesellschaft Lufthansa ist allerdings nicht der einzige Bewerber, der sich um Air Berlin bemüht: Als weitere Interessenten gelten Easyjet und die Thomas-Cook-Tochter Condor sowie Ryanair. Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will Air Berlin als Ganzes kaufen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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