Wirtschaft

EZB veredelt Zahlenwerk Mario Draghi schiebt SAP in die Höhe

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(Foto: picture alliance / dpa)

Europas Software-Riese SAP setzt im zweiten Jahresviertel vor allem dank der Cloud-Lösungen deutlich mehr um. Doch durch den schwachen Euro wird das Plus zusätzlich aufgeblasen. Das kaschiert dann auch etwas den Gewinneinbruch.

Mit ihrer Geldpolitik will die Europäische Zentralbank (EZB) die stotternde Wirtschaft im gemeinsamen Währungsraum stützen. Mit etlichen verbalen Interventionen und nicht zuletzt ihrem Anleihen-Kaufprogramm drückt EZB-Chef Mario Draghi den Euro und macht Exporte in den Dollar-Raum billiger. Die Folgen davon lassen sich unter anderem im Zahlenwerk von Europas größtem Software-Konzern SAP ablesen.

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Im zweiten Jahresviertel erlöste das Dax-Unternehmen dank des starken Dollars und seines jungen Geschäfts mit Abo-Modellen ein Fünftel mehr. Insgesamt summierten sich die Einnahmen auf 4,97 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Walldorf mitteilte. Ohne die Hilfe von Währungseffekten hätte das Plus bei nur acht Prozent gelegen.

Im Cloud-Geschäft mit Software zum Mieten konnte SAP dank der Übernahmen im vergangenen Jahr die Erlöse mehr als verdoppeln. Das als zukunftsträchtig geltenden Geschäft mit der Mietsoftware erlöste 555 Millionen Euro. Das noch immer viel größere Geschäft mit traditionellen Software-Lizenzen wuchs dagegen nur um drei Prozent.

Kosten verdaut

Das bereinigte Betriebsergebnis beim Weltmarktführers für Software zur Firmensteuerung stieg von April bis Juni um 13 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro. Ohne den Umrechnungseffekt der schwächeren Heimatwährung hätte sich das Plus auf Jahressicht nur ein Prozent belaufen. Das Ergebnis wächst langsamer, da mit der Umstellung auf Cloud-Software, die Kunden über das Internet  mieten, die Kosten zunächst steigen und der Gewinn sich über einen längeren Zeitraum verteilt.

SAP stellt seinen erfolgsverwöhnten Anlegern deshalb seit diesem Jahr keine steigenden Renditen mehr in Aussicht. Von Januar bis Juni schrumpfte die operative Marge den auch unbereinigt um vier Prozentpunkte auf 14,1 Prozent.

Allerdings brach der Gewinn nach Steuern wegen des laufenden Abfindungsprogramms um 16 Prozent auf 469 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr sei damit aber der Großteil der Kosten verdaut. Im kommenden Jahr sei keine größere Restrukturierung mehr zu erwarten, erklärte Finanzchef Luka Mucic.

Weil SAP künftig mehr Software zur Miete verkaufen will und ältere Programme überflüssig werden, sollen etwa drei Prozent der weltweit 74.000 Beschäftigten im Laufe des Jahres auf eine neue Stelle wechseln oder mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. Zum Jahresende will SAP aber mit Hilfe seines Wachstums wieder mehr Menschen beschäftigen als im Vorjahr.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa/

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