Wirtschaft

"Protektionistische Maßnahmen" Merkel soll für deutsche Autobauer kämpfen

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Nur 193 Autos je 1000 Einwohner: Rein rechnerisch hat Brasilien einiges aufzuholen.

(Foto: REUTERS)

VDA-Präsident Wissmann gibt der Kanzlerin einen klaren Auftrag mit auf den Weg nach Südamerika: Bei ihrem Besuch in Brasilia soll sich Merkel für die Interessen der deutschen Autoindustrie einsetzen - und so Brasilien helfen.

Vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brasilien hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) eine Abschaffung von Handelsschranken in dem südamerikanischen Land gefordert. "Diese protektionistischen Maßnahmen schaden zu allererst dem Land selbst", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. "Deswegen sollte die Regierung hier rasch gegensteuern und sich dem freien Wettbewerb stellen, anstatt sich handelspolitisch abzuschotten."

Derzeit erhebe Brasilien 35 Prozent Einfuhrzoll auf importierte Neuwagen, erklärte Wissmann. Gleichzeitig gewähre das Land hohe Steuervorteile für die heimische Produktion. Die deutsche Automobilindustrie ist in dem Land bereits mit eigenen Werken engagiert, um die Handelsschranken zu umgehen. Brasilien gilt als vielversprechender Absatzmarkt. Das Land biete "erhebliches Potenzial", betonte Wissmann. So kämen auf 1000 Bürger derzeit 193 Autos, in Deutschland seien es 548. Deutsche Autobauer kommen in Brasilien auf rund 17 Prozent Marktanteil.

Wirtschaftsmotor Südamerikas

Brasilien durchläuft allerdings gerade eine Phase massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Die Wirtschaftsleistung des fünftgrößten Landes der Erde war in der ersten Jahreshälfte um mehr als 6 Prozent gesunken. Die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

"Die schwere Rezession der brasilianischen Wirtschaft wirkt sich auch auf das Automobilgeschäft aus", sagte Wissmann. In den ersten sieben Monaten sei der Absatz um 20 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr rechnet der VDA ebenfalls mit einem Minus von 20 Prozent auf 2,7 Millionen Fahrzeuge.

Kohls früherer Verkehrsminister

Vor diesem Hintergrund forderte Autoverbandschef Wissmann die brasilianische Regierung zu "Strukturreformen" auf, die zu "mehr Wettbewerbsfähigkeit und einem besseren Investitionsklima" führen sollten. Der VDA-Präsident ist mit den Abläufen auf Regierungsebene bestens vertraut. In den 1990er Jahren holte ihn der damalige Kanzler Helmut Kohl zunächst als Wissenschafts- und später als Verkehrsminister ins Bundeskabinett.

Merkel wird am Abend in der Hauptstadt Brasilia erwartet, wo am Donnerstag die ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen stattfinden. Die Kanzlerin wird dabei auch mit Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff zusammentreffen. Bei dem Besuch geht es vor allem um einen Austausch zwischen Deutschland und der stärksten Wirtschaftsmacht Lateinamerikas auf der Arbeitsebene. Der Branchenverband VDA wiederum vertritt nicht nur die Interessen der großen deutschen Hersteller wie VW, Daimler und BMW. Hinter dem VDA stehen außerdem die gesamte deutsche Zuliefererindustrie sowie einzelne Rohstoff- und Chemiekonzerne.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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