Wirtschaft

Sparen mit dem Betriebsrat Müller und Osterloh raufen sich zusammen

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Zur Zusammenarbeit gezwungen: Matthias Müller (links) und Bernd Osterloh.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei Volkswagen besitzt der Betriebsrat eine große Macht, dessen Chef Osterloh gilt als heimlicher VW-Boss. Deshalb ließ seine Kritik am Vorstand aufhorchen. Konzernchef Müller will die Mitarbeitervertretung im Boot behalten.

Volkswagen-Chef Matthias Müller und der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh wollen nach Unstimmigkeiten um die Bewältigung der Abgaskrise nun doch zusammenarbeiten. Die beiden hätten sich auf das weitere Vorgehen zur Investitions- und Auslastungsplanung verständigt, teilte der Konzern im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. In den kommenden zehn Tagen seien zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung eine Reihe von Gesprächen geplant, um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft des von der schwersten Krise in seiner Unternehmensgeschichte geschüttelten Konzerns zu bestimmen.

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Osterloh hatte den Vorstand am Freitag scharf kritisiert und ihm Verstöße gegen die Mitbestimmung vorgeworfen. Er kritisierte, das Management verkünde Sparmaßnahmen einseitig und lasse den Betriebsrat dabei bewusst außen vor. "Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt", sagte Osterloh.

Insidern zufolge richtet sich die Kritik der Arbeitnehmer vor allem gegen VW-Markenchef Herbert Diess. Der frühere BMW-Manager, der die Hauptmarke von Volkswagen seit Juli führt, habe zusammen mit Vorständen den Sparkurs abgesteckt, ohne den Betriebsrat dazu einzuladen, sagten zwei Personen mit Kenntnis des Sachverhalts.

"In der jetzigen, schwierigen Situation müssen wir gemeinsame Entscheidungen treffen, welche die Wirtschaftlichkeit genauso berücksichtigen wie die Beschäftigung", betonte Müller. Dabei lege er großen Wert auf die Erfahrung der Betriebsräte. "Die Aufgabe ist angesichts der geänderten Rahmenbedingungen anspruchsvoll", fügte Müller hinzu. Osterloh sagte, die Belegschaft stehe hinter dem Unternehmen, solange es gelinge, eine ausgewogene Planung zwischen Investitionen, Sparmaßnahmen und Zukunftsprojekten zu verabreden. Dafür hätten die Gespräche zwischen ihm und Müller den Grundstein gelegt.

Aufsichtsrat zieht erste Zwischenbilanz

Über den Ermittlungsstand bei der Aufklärung des Abgas-Skandals wurde zunächst nichts Neues bekannt. Die mit der Suche nach den Verantwortlichen beauftragte Anwaltskanzlei Jones Day trug dem 20-köpfigen Kontrollrat zwar ihre bisherigen Erkenntnisse vor, wie ein Insider sagte. Zwischenstände würden jedoch nicht veröffentlicht. Bisher sollen sieben Manager suspendiert worden sein.

Europas größter Autokonzern steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte, seitdem bekannt ist, dass in großem Stil Diesel-Abgaswerte manipuliert wurden. In Europa ruft Volkswagen deshalb 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. VW räumte zudem ein, dass bei 800.000 Fahrzeugen zu niedrige CO2-Werte angegeben und damit falsche Versprechen beim Verbrauch gemacht wurden. Weltweit ermitteln Behörden gegen den Konzern, Anwälte sammeln Munition für Schadensersatzforderungen.

Quelle: ntv.de, wne/rts