Wirtschaft

Angeblich grünste Airline Ryanair muss Öko-Werbung stoppen

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Fliegen mit Ryanair senkt den persönlichen CO2-Fußabdruck, behauptet der Billigflieger.

(Foto: imago/Schöning)

Mit seinen mehr als 150 Millionen Passagieren pro Jahr gehört Ryanair zu den größten CO2-Emittenten Europas. Gleichzeitig wirbt der Billigflieger damit, die effizienteste und damit grünste Fluggesellschaft zu sein. Zu Unrecht, urteilt die britische Werbeaufsicht.

Jahrelang hatte Ryanair-Boss Michael O'Leary keinen Hehl gemacht aus seiner persönlichen Meinung zum Thema Klimaschutz. "Ich akzeptiere nicht die Verbindung zwischen CO2-Verbrauch und Klimawandel", sagte der Chef der Mutter aller Billigflieger in einem Interview. Und ein anderes Mal erklärte er öffentlich: "Das Beste, was wir mit Umweltschützern machen können, ist, sie zu erschießen." Doch seit etwa zwei Jahren schlägt O'Leary ganz andere Töne an: Sein Unternehmen wolle die Luftfahrtbranche dabei "anführen", die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, erklärte er. Und Ryanair begann, sich in großangelegten Werbekampagnen plötzlich als Fluggesellschaft mit den niedrigsten CO2-Emissionen "aller größeren Airlines" darzustellen.

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Für Klimaschützer - auch wenn O'Leary sie seit Längerem nicht mehr mit dem Tode bedroht - ist diese Behauptung reines "Greenwashing". Mit mehr als 150 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr gehört Ryanair zu Europas zehn größten Treibhausgasemittenten. Kritiker kreiden der Billiglinie vor allem an, dass sie auf vielen bislang vom Luftverkehr kaum bedienten Strecken und mit Kampfpreisen viele Passagiere in ihre Flugzeuge holt, die sonst gar nicht fliegen würden.

Ryanair macht dagegen eine andere Rechnung auf. Das Unternehmen beruft sich darauf, dass es durch den Einsatz vergleichsweise neuer und effizienter Flugzeuge und vor allem durch eine hohe Auslastung weniger CO2 pro Passagier und geflogenem Kilometer ausstoße als die Konkurrenz.

Die zuständige Aufsicht in Großbritannien, die Advertising Standards Authority (ASA), hat nun allerdings den Ryanair-Kritikern teilweise recht gegeben. Die Anzeigen dürfen zumindest in der bisherigen Form nicht mehr erscheinen. Die Behauptung, die ökologischste Airline zu sein, sei in den Anzeigen und auch in den der ASA vorgelegten Daten nicht ausreichend belegt, hieß es. Es bleibe unter anderem unklar, mit welchen Konkurrenten sich Ryanair überhaupt vergleiche.

Die Airline und ihr neues Ökoselbstverständnis können diese Zweifel allerdings nicht erschüttern. Man sei "enttäuscht und überrascht" von der ASA-Entscheidung, teilte eine Ryanair-Sprecherin mit. Das Unternehmen sei hoch zufrieden mit der eigenen Umwelt-Anzeigenkampagne, die eine "immens wichtige Botschaft für unsere Kunden" vermittle, sagte die Sprecherin und behauptete sogar: "Die wichtigste einzelne Sache, die jeder Verbraucher tun kann, um seinen CO2-Fußabdruck zu halbieren, ist, zu Ryanair zu wechseln."

Quelle: ntv.de, mbo