Wirtschaft

Marktumfeld nicht günstig Scout24 enttäuscht mit Börsendebüt

Er ist vollbracht: Das Internet-Kleinanzeigenportal Scout24 wagt den Börsengang. Dieser verläuft zu Beginn recht erfreulich. Am Nachmittag jedoch kann sich die Aktie nicht mehr über dem Emissionspreis von 30 Euro halten. Ein Kritiker hatte dies kommen sehen.

Der Zeitpunkt für das Börsendebüt von Scout24 war unglücklich gewählt. Nicht nur, dass die Börsen bereits im Vorfeld des Börsengangs auf Talfahrt waren, auch schlossen die Aktienkurse insgesamt nach einem freundlichen Start auf breiter Front deutlich schwächer.

Scout24 AG
Scout24 67,24

Das bekam auch Scout24 zu spüren. Zwar lag der erste Börsenkurs am Morgen mit 30,75 Euro noch 2,5 Prozent über dem Emissionspreis von 30 Euro. Im Verlauf des Tages bröckelte er aber immer weiter ab, nachdem Versuche, die 30er Marke zu verteidigen, gescheitert waren. So stand am Ende des Xetra-Handels ein Kurs von 29,10 Euro zu Buche, gleichbedeutend mit dem Tagestief. Gegenüber dem Ausgabepreis entspricht das einem Verlust von drei Prozent.

Banken könnten Aktienkurs gestützt haben

Gegen 13.37 Uhr war der Emissionswert nicht mehr zu halten gewesen. "Zu diesem Zeitpunkt kam richtig viel Material an den Markt", berichtete ein Händler. Mit dem Fall unter 30 Euro wurden auf Xetra knapp 500.000 Aktien gehandelt, seitdem stiegen die Volumen im Vergleich zum "ruhigen Vormittag" deutlich. "Bei 30 Euro müssen die begleitenden Banken stützen, aber das Angebot ist auf diesem Niveau natürlich groß und der Kurs muss jetzt dem schwachen Gesamtmarkt Tribut zollen", sagte der Teilnehmer.

Im Rahmen des Angebots hatte das unter anderem für Webportale wie ImmobilienScout24 und AutoScout24 bekannte Unternehmen bis zu 38,64 Millionen Aktien platziert. Davon stammen 7,6 Millionen neue Titel aus einer Kapitalerhöhung. Zudem wurden 26 Millionen Aktien aus dem Bestand derzeitiger Aktionäre platziert. Die Mehrzuteilungsoption umfasste weitere 5,04 Millionen Aktien aus dem Bestand von Asa HoldCo und der Deutschen Telekom.

Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat von Scout24 sowie weitere am Unternehmen beteiligte Mitarbeiter hatten lediglich einen Teil ihrer Gesamtbeteiligung veräußert und werden weiterhin 3,5 Prozent am Grundkapital des Unternehmens halten. Bei vollständiger Platzierung der Greenshoe-Option läge der Streubesitz bei 35,9 Prozent.

"Weit hinter Zalando und Amazon"

Christoph Schmidt, Marktstratege von Fegra Capital, hatte bereits im Vorfeld die Art und Weise des Scout24-Börsengangs kritisch kommentiert. Für einen Internet-Portalbetreiber sei die Aktie zu teuer. Das Unternehmen habe die Jahre seines stärksten Wachstums bereits hinter sich, die Auto-Plattform sei nur noch die Nummer zwei im Netz. "Mit einem Umsatzwachstum um 10 Prozent pro Jahr liegt man weit hinter Zalando und Amazon, da kann man nicht mit Multiples um 35 an den Markt kommen", so der Stratege mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wie von Schmidt prophezeit konnte die Aktie aufgrund ihrer hohen Bewertung den Emissionskurs von 30 Euro nicht halten.

In den kommenden Tagen sind noch weitere Börsendebüts in Deutschland geplant. Neben Scout24 wollen außerdem der Automobilzulieferer Schaeffler, die Reederei Hapag-Lloyd und Covestro, das Kunststoffgeschäft von Bayer, auf dem Kapitalmarkt Geld einsammeln. Wobei bei Covestro der Börsengang aufgrund des schwierigen Börsenumfelds bereits um ein paar Tage verschoben worden ist. Zudem wurde das angepeilte Emissionsvolumen von ursprünglich 2,5 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro gesenkt. Auch bei Schaeffler wird aufgrund des Volkswagen-Skandals darüber nachgedacht, die bislang für Montag nächster Woche vorgesehene Erstnotierung zu verschieben.

Quelle: ntv.de, kst/DJ

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