Wirtschaft

Kreative Vorschläge So will Athen die Schulden tilgen

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Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras.

(Foto: AP)

Kann Griechenland die milliardenschweren Hilfen jemals wieder zurückzahlen? Die Regierung präsentiert den Gläubigern einen Plan, wie das gelingen soll. Die Geldgeber dürften wenig begeistert sein.

Für die griechische Regierung steht fest: Ohne Umstrukturierung der Schulden kann es keine Einigung mit den Gläubigern auf neue Hilfen geben. Die sehen das allerdings anders und pochen darauf, dass Athen die eingeräumten Kredite komplett zurückzahlt. Die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras hat den Geldgebern einen Plan vorgelegt, mit der die Quadratur des Kreises gelingen soll. Der "Financial Times" liegt das Papier vor.

Auf sieben Seiten präsentiert die Regierung unter dem Titel "Die griechische Krise beenden" ihre Vorschläge. Ziel ist, die Verschuldung bis 2020 zunächst auf 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken. Derzeit liegt sie bei 175 Prozent. 2030 sollen die Schulden unter 60 Prozent des BIP liegen – und damit unter der im Vertrag von Maastricht festgeschriebenen Grenze.

Griechenland hat von vier Kreditgebern Geld bekommen: von der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds, von Mitgliedsstaaten der Eurozone und vom Euro-Rettungsfonds EFSF.

Die EZB hält griechische Staatsanleihen im Volumen von 27 Milliarden Euro. Sie hatte die Papiere seit 2010 gekauft, um die auf dem Anleihemarkt geforderten Zinsen zu senken. Diese Anleihen will Athen zurückzahlen, indem der Euro-Stabilisierungsfonds ESM Griechenland diese Summe leiht. Der Vorteil für Athen: Die Darlehen des ESM haben längere Laufzeiten und niedrigere Zinsen als die Staatsanleihen, die die EZB hält. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass die Gläubiger sich darauf einlassen. Denn Hilfen soll es nur geben, wenn die griechische Seite im Gegenzug Strukturreformen und Sparmaßnahmen umsetzt.

Dem IWF schuldet Griechenland knapp 20 Milliarden Euro. Davon soll ein Teil mit Hilfe der EZB getilgt werden. Die Zentralbank hat durch die griechischen Anleihen einen Profit von etwa neun Milliarden Euro erzielt – unter anderem deshalb, weil sie die Papiere mit einem deutlichen Abschlag gekauft hat. Die Gläubiger haben bereits zugestimmt, dass Athen diese Gewinne überwiesen bekommt. Um die dann noch fehlenden elf Milliarden Euro dem IWF zurückzahlen zu können, will Athen sich entweder am Kapitalmarkt Geld leihen oder neue Hilfskredite aufnehmen.

Einzelnen Mitgliedsländern der Eurozone schuldet Griechenland knapp 53 Milliarden Euro. Diese Hilfen flossen von Mai 2010 bis Dezember 2011 im Rahmen des ersten Rettungspakets. Athen schlägt vor, diese Darlehen in so genannte Perpetuals ("Ewige Anleihen") umzuwandeln. Das heißt: Die Anleihen werden niemals zurückgezahlt, sondern nur verzinst. Die griechische Regierung schlägt einen "ewigen Zins" zwischen 2 und 2,5 Prozent vor. Angesichts des zu erwartenden Widerstands in der Eurozone bietet Athen an, die Laufzeit der Anleihen auf 100 Jahre zu begrenzen und nicht ewig laufen zu lassen. Zugleich wartet die Regierung mit einer weiteren Alternative auf: Die Laufzeit bleibt unverändert, die Zinszahlungen werden aber an das Wirtschaftswachstum Griechenland gekoppelt. Das heißt: Athen muss diese Schulden nur dann bedienen, wenn das BIP ausreichend zulegt.

Beim Euro-Rettungsfonds EFSF steht Griechenland derzeit mit rund 131 Milliarden Euro in der Kreide. Hier präsentiert Athen folgende Idee: Die Darlehen werden halbiert. Die eine Hälfte wird Griechenland erlassen, für die andere Hälfte bekommen die Gläubiger aber den doppelten Zins – also 5 Prozent statt wie bisher 2,5 Prozent. Die Geldgeber würden damit so viel Zinsen bekommen wie bisher. Doch die Schulden Griechenlands wären signifikant kleiner. Da die Gläubiger so aber Kredite abschreiben müssen, gilt es auch hier als unwahrscheinlich, dass diese Idee auf ihre Zustimmung stößt.

Die meisten dieser Vorschläge haben wohl keine Chance, von den Geldgebern akzeptiert zu werden.

Quelle: ntv.de

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