Wirtschaft

Verdacht der Marktmanipulation Staatsanwalt ermittelt gegen Ex-VW-Chef

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation bei VW auf. Ein Anfangsverdacht richtet sich nicht nur gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn, sondern auch einen weiteren ehemaligen Vorstand.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgas-Skandal wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Das teilte die Behörde in Braunschweig mit. Neben Winterkorn richteten sich die Untersuchungen auch gegen ein zweites früheres Vorstandsmitglied. Die Behörde betonte, dabei handle es sich nicht um den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch.

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Ob es sich dabei um ein amtierendes oder ehemaliges Vorstandsmitglied handele, wollte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe nicht sagen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ist VW-Markenchef Herbert Diess der Vorstand, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Bei den Ermittlungen geht es laut Staatsanwaltschaft um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt zu spät über die Affäre informiert habe. Es bestünden "tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass die früheren Unternehmensverantwortlichen im Skandal um manipulierte Abgaswerte gegen die Pflicht zu einer rechtzeitigen Ad-Hoc-Mitteilung verstoßen haben könnten, so die Staatsanwaltschaft. Nach Bekanntwerden des Skandals war der Kurs der VW-Aktien eingebrochen.

Insider-Wissen zu spät veröffentlicht?

Börsennotierte Unternehmen wie Volkswagen müssen Insider-Informationen unverzüglich per so genannter Ad-Hoc-Mitteilung veröffentlichen, wenn sie den Aktienkurs beeinflussen können. Damit soll sichergestellt werden, dass einige Insider keinen Wissensvorsprung vor anderen Marktteilnehmern haben und das ausnutzen können - beispielsweise indem sie ihre Aktien verkaufen, bevor eine schlechte Nachricht allgemein bekannt wird und den Kurs drückt.

Den Angaben der Behörde zufolge ist eine Strafanzeige der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Auslöser des neuen Ermittlungsverfahrens. Die Behörde hatte zuvor geprüft, ob Volkswagen nach ihrer Einschätzung mit der Ad-Hoc-Mitteilung vom 22. September des vergangenen Jahres rechtzeitig über die US-Untersuchungen zu den Diesel-Abgasen informiert hatte. Die Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA hatten schon wesentlich früher begonnen.

Ziehe: Dauer der Ermittlungen unklar

Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe sagte, er könne noch nicht absehen, wie lange das Ermittlungsverfahren dauere. "Wir müssen die Beteiligten jetzt natürlich anhören und weitere Zeugen vernehmen", sagte er. Die Staatsanwaltschaft betonte: "Ob sich der genannte Anfangsverdacht verdichtet oder entkräften lässt, hängt von dem Ergebnis der erforderlichen weiteren Ermittlungen ab."

Winterkorn war im Zuge des Skandals zurückgetreten. Dabei hatte er erklärt, er tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl er sich keines Fehlverhaltens bewusst sei. Volkswagen hat bislang stets abgestritten, mit dem eigenen Vorgehen gegen Informationspflichten verstoßen zu haben. Ein Anwalt des früheren Konzernchefs Winterkorn war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/rts/DJ

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