Wirtschaft

"Nicht mehr Maß aller Dinge" "Träger Tanker" BASF bekommt Anleger-Ärger zu spüren

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"Es sind stürmische Zeiten für BASF", räumt Vorstandschef Brudermüller ein.

"Es sind stürmische Zeiten für BASF", räumt Vorstandschef Brudermüller ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der altehrwürdige Chemie-Riese BASF befindet sich in Schwierigkeiten: Hohe Energiepreise und der Verlust des Russland-Geschäfts sorgen für einen Kurs-Absturz von 25 Prozent binnen eines Jahres. Bei der Hauptversammlung bekommt Konzernchef Brudermüller die volle Breitseite der Anleger ab.

Der Chemieriese BASF bekommt auf der ersten Hauptversammlung in Präsenz seit der Pandemie von den Anteilseignern Unzufriedenheit zu spüren. "Die BASF ist in der Chemie nicht mehr das Maß aller Dinge", sagte Fondsmanager Arne Rautenberg von der Fondsgesellschaft Union Investment, die zu den zehn größten BASF-Investoren zählt, auf dem Aktionärstreffen in Mannheim. "Bringen Sie den trägen Tanker wieder auf Kurs, damit aus der BASF wieder eine Erfolgsgeschichte an der Börse wird!" Rund 25 Prozent hat der Konzern im vergangenen Jahr an der Börse verloren. Am Donnerstag verloren die Aktien weitere vier Prozent. Mit 44,5 Milliarden Euro ist BASF nicht viel mehr wert als die kleineren Rivalen Corteva und Dow.

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BASF 43,18

Im vergangenen Jahr bekam BASF wie kein anderes Unternehmen in Deutschland die explodierten Energiepreise zu spüren - es ist der größte industrielle Gasverbraucher hierzulande. Wegen des Russlandgeschäfts des Öl- und Gaskonzerns Wintershall Dea, an dem BASF 72,7 Prozent hält, musste der Konzern 6,5 Milliarden Euro abschreiben und rutschte tief in die Verlustzone. "Es sind stürmische Zeiten für BASF", räumte Vorstandschef Martin Brudermüller ein. Der Aktienkurs sei "mehr als unbefriedigend".

Im Februar hatte Brudermüller ein neues Sparprogramm angekündigt, dem weltweit 2600 Stellen zum Opfer fallen sollen, knapp zwei Drittel davon in Deutschland. Mehrere energieintensive Anlagen am Stammwerk in Ludwigshafen sollen geschlossen werden. Fast die Hälfte der Investitionen sollen in den nächsten Jahren nach Asien fließen. Denn in China baut der weltgrößte Chemiekonzern gegenwärtig für bis zu zehn Milliarden Euro einen neuen Verbundstandort in der südlichen Provinz Guangdong. Damit stößt Brudermüller nicht nur auf Gegenliebe. "Der russische Angriff auf die Ukraine hat gezeigt, wie schnell geopolitische Albträume Realität werden können", sagte Rautenberg mit Blick auf den Konflikt zwischen China und Taiwan.

Doch der Vorstand bewertet die Chancen für BASF deutlich höher als die Risiken. China stehe für rund die Hälfte der weltweiten Umsätze in der Chemie, bei BASF bisher aber nur für weniger als 15 Prozent des Gesamtumsatzes. "Wir sind das größte Chemieunternehmen der Welt, wir können uns doch nicht aus 50 Prozent des Chemiemarktes verabschieden", entgegnete Brudermüller. "Wir sind hochprofitabel in China. Insofern ist es auch in ihrem Interesse, dass das hochprofitable China-Geschäft weiterwächst."

"Too big to suceed?"

Nach Einschätzung von Cornelia Zimmermann von der Fondsgesellschaft Deka befindet sich BASF dabei in einem Dilemma. Denn die steigenden Energiekosten in Europa führten zu deutlich sinkender Profitabilität. "Die aktuell hohen Investitionen in China bergen außerdem geopolitische Risiken, die außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen." Zimmermann kritisierte zudem, dass die Rivalen in der Spezialchemie wie schon in den Jahren zuvor zum Teil wieder deutlich höhere Margen erzielt hätten. "Wir fragen uns insofern: Ist BASF in der Spezialchemie 'too big to succeed'? Sind kleinere Wettbewerber näher dran, leistungsorientierter und zudem wendiger als der große Verbunddampfer, wenn es um die Zukunftsmärkte geht?"

Doch Brudermüller sieht in dem Verbund weiter einen Wettbewerbsvorteil, wenn auch nicht mehr so deutlich wie früher. Die Größe sei für BASF kein Hindernis in der Spezialchemie. "In den echten Spezialitätenecken" habe BASF keinen Grund, sich vor dem Wettbewerb zu verstecken. Die Ziele für das laufende Jahr bekräftigte Brudermüller trotz eines Ergebniseinbruchs im ersten Quartal. Für 2023 rechnet er weiter mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebit) auf 4,8 bis 5,4 (2022: 6,9) Milliarden Euro. Der Umsatz soll auf 84 bis 87 (87,3) Milliarden Euro sinken. Die Entwicklung der Weltwirtschaft sei nach wie vor mit großer Unsicherheit behaftet, die Dynamik in der Industrie- und Chemieproduktion bleibe verhalten.

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Zum Start ins laufende Jahr musste der DAX-Konzern denn auch einen Rückgang beim Umsatz und operativen Ergebnis verbuchen. Mit knapp 20 Milliarden Euro lag der Erlös über 13 Prozent niedriger als im ersten Quartal des Vorjahres. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) sank um fast ein Drittel auf gut 1,9 Milliarden Euro.

Unter dem Strich steigerte BASF nach den endgültigen Quartalszahlen den Gewinn nach Steuern zwar um rund 28 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Das lag jedoch an einem Sondereffekt im Vorjahreszeitraum. BASF hatte im Vorjahr eine milliardenschwere Abschreibung auf seine Mehrheitsbeteiligung an Wintershall Dea wegen des Rückzugs aus dem Russland-Geschäft vorgenommen, was das Nettoergebnis nach unten zog. "Den Ausstieg aus dem Öl- und Gas-Geschäft haben wir bereits deutlich vor dem Krieg beschlossen", sagte BASF-Chef Brudermüller auf der Hauptversammlung. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hätten sich aber die Rahmenbedingungen dafür komplett verändert.

Quelle: ntv.de, jog/rts/dpa

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