Wirtschaft

Modebranche erstickt an Ware "Überkapazitäten, dass die Heide wackelt"

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Hinter Brax steht die Leineweber GmbH & Co KG, ein Traditionsunternehmen mit 1000 Mitarbeitern aus dem ostwestfälischen Herford.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Esprit, Gerry Weber, Tom Tailor gab es bereits viele Pleiten durch die Beschränkungen in der Corona-Krise. Marc Freyberg ist Geschäftsführer der mittelständischen Modefirma Brax aus Herford. Er ist seit drei Jahrzehnten dabei und einer der wenigen der Branche, der Tacheles redet.

Die deutsche Modebranche leidet besonders in diesem Corona-Jahr, aber viele Probleme haben nicht nur mit der Pandemie zu tun, sondern sind auch hausgemacht. "Der Markt hatte schon länger Schwierigkeiten", sagt Marc Freyberg, Geschäftsführer der Modemarke Brax, im Podcast "Die Stunde Null". Corona habe die Schwächen lediglich freigelegt oder beschleunigt.

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Marc Freyberg, Geschäftsleiter Marketing & E-Commerce von Brax.

(Foto: Brax)

"Eines ist klar: Dieser Markt leidet unter Überkapazitäten, bis die Heide wackelt", sagt Freyberg. Es gebe "eine Überfrachtung" im Markt, immer neue Partner und Player, online und stationär. "Es gibt Marken ohne Ende. Und gerade Deutschland ist da wie ein Hotspot. Oft wird im Einzelhandel und der Modebranche gesagt: Wer in Deutschland überlebt, der kann es in der ganzen Welt schaffen. Oder zumindest in Europa."

Hinter Brax steht die Leineweber GmbH & Co KG, ein Traditionsunternehmen aus dem ostwestfälischen Herford, 1888 gegründet, 1100 Mitarbeiter. 320 Millionen Euro Jahresumsatz machte Brax noch 2019, ein Rekordjahr. "Wir konnten Krise gar nicht", sagt Freyberg. "Wir waren erfolgsverwöhnt."

Für das laufende Jahr rechnet Brax mit einem Rückgang auf 250 Millionen Euro. Unter anderem ein starkes Online-Geschäft, mit dem rund 14 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt werden, federt die Rückgänge im Einzelhandel ab. "Unsere Firma wird das überstehen", ist Freyberg zuversichtlich.

Der Umsatz mit Bekleidung ist in diesem Jahr stark eingebrochen, laut dem Textilhandelsverband BTE im Schnitt um 30 Prozent im ersten Halbjahr. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lagen die Erlöse im Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren Ende September knapp 24 Prozent unter dem Vorjahr. Die Einbrüche seien oft aber schlimmer, sagt Freyberg: "Die Frequenzrückgänge sind deutlich höher als 30 Prozent bei unseren Kunden."

Der erneute Lockdown war für die Branche ein zweiter Schlag. "Gerade der Oktober war echt ein guter Monat. Da war die Welt wieder in Ordnung, die Branche hatte ein bisschen aufgearbeitet, man kam ansatzweise mal wieder auf die Umsätze des Vorjahres", berichtet der Brax-Geschäftsführer.

Marc Freyberg, der seit drei Jahrzehnten bei Brax arbeitet, sieht das Familienunternehmen allerdings gut gerüstet. Die Liquidität sei gesichert, man habe schon im Laufe des Jahres mit "sehr viel Weitsicht deutlich weniger produziert". Die vorhandene Ware im Lager werde 2021 verkauft.

Für die Zeit nach Weihnachten erwartet Freyberg allerdings wieder Überkapazitäten. "Wenn der Lockdown elendig weiter geht und die Frequenzen so bleiben, werden wir zum Ende der Saison, Ende Februar, Mitte März, Bestände haben, die deutlich höher sind als das, was ein normales Einsatzgebiet verkraften kann." Für 2021 insgesamt aber sieht er "das Glas eher halb voll".

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Warum auch Brax in dieser Krise Mitarbeiter entlassen musste.
  • Was Marc Freyberg über den Millionenauftrag des Landes NRW für den Hemden-Hersteller Van Laack denkt.
  • Warum die Marktbereinigung auch etwas Gutes haben könnte.

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Quelle: ntv.de, ddi