Wirtschaft

Ein knappes Dutzend auf der Liste VW suspendiert weitere Manager

RTR4SPVJ.jpg

(Foto: REUTERS)

In den Büroetagen von Europas größtem Automobilkonzern brennt die Luft: Die Suche nach einem Verantwortlichen für den Abgas-Skandal läuft auf Hochtouren. Angeblich müssen nicht nur die Entwicklungschefs von VW, Audi und Porsche ihre Zutrittskarten abgeben.

Im Zuge der Manipulationsaffäre hat Volkswagen einem Bericht zufolge rund ein Dutzend Mitarbeiter beurlaubt. Wie das "Manager Magazin" berichtet, stehen die Betroffenen im Verdacht, an Entwicklung und Einsatz der zur Manipulation von Abgaswerten genutzten Software beteiligt gewesen zu sein - oder zumindest frühzeitig davon gewusst zu haben. Der Großteil der beurlaubten Mitarbeiter sei in der Motorenentwicklung und Abgasnachbehandlung tätig gewesen.

Unter den beurlaubten Mitarbeitern sind dem Bericht zufolge "Entwickler und Manager auch höherer Hierarchieebenen in Deutschland und den USA". Weitere personelle Konsequenzen zeichnen sich Berichten zufolge auch im Konzern-Management ab. Der Rechercheverbund von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR berichtete, dass der ranghohe VW-Manager Heinz-Jakob Neußer in den Fokus des Skandals geraten sei.

Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass der inzwischen beurlaubte Manager 2011 den Hinweis eines Motorentechnikers auf möglicherweise illegale Praktiken abgetan habe. Neußer war bei VW für die Entwicklung im Bereich Pkw zuständig.

Wolfsburg: Noch kein "klares Bild"

VW erklärte dem Bericht zufolge auf Anfrage, derzeit laufe ein "intensiver Aufklärungsprozess". Erst wenn sich ein "klares Bild" ergeben habe, könnten Details zum Handeln einzelner Personen genannt werden. Neben Entwicklungsvorstand Neußer sind dem Bericht zufolge zwei weitere Spitzenmanager beurlaubt.

Der Name Neußer fiel bereits zu Wochenbeginn: Nach Angaben von Insidern stand der VW-Entwicklungschef zusammen mit den Entwicklungschefs bei den VW-Marken Audi und Porsche - Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz - frühzeitig im Zentrum des Abgasskandals. Diesen Angaben zufolge wurden Neußer, Hackenberg und Hatz von ihren Aufgaben entbunden.

Volkswagen steckt in der wohl tiefsten Krise seiner Geschichte, nachdem vor knapp zwei Wochen bekannt geworden war, dass in den USA Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen mit einer Software manipuliert worden waren. Das Programm kann dafür sorgen, dass im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen werden als im regulären Betrieb. Verbaut wurde die fragliche Technik weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen des Wolfsburger Konzerns, davon etwa 2,8 Millionen in Deutschland. Martin Winterkorn trat als Konsequenz aus der Affäre als VW-Chef zurück. Mit weiteren Personalentscheidung wird gerechnet.

VW-Tochter verhängt Einstellungsstopp

Neben dem Image-Schaden entwickelt sich der Abgas-Skandal für das Unternehmen mit seinen insgesamt knapp 600.000 Mitarbeitern mehr und mehr auch zur wirtschaftlichen Katastrophe. VW drohen weltweit Milliardenstrafen - und erhebliche Kosten für Rückrufe, Rechtsstreits und etwaige Schadenersatzansprüche. In einer ersten Reaktion verhängte die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services wegen des Abgas-Skandals bereits einen Einstellungsstopp.

Die Vorsichtsmaßnahme gilt zunächst bis Jahresende. "Bereits mündlich gegebene Zusagen für Stellenbesetzungen sind davon aber unberührt", versprach Sprecher Stefan Voges. Zuvor hatte bereits die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" darüber berichtet. Ebenfalls sollen alle in diesem Jahr auslaufenden Verträge von Werkstudenten und Zeitarbeitern zunächst nicht verlängert werden. Nach dpa-Informationen sind davon knapp 30 Zeitverträge betroffen.

Am Dienstag waren die Mitarbeiter der VW-Finanztochter mit Sitz in Braunschweig auf einer Betriebsversammlung über die Maßnahmen informiert worden. Ob der Einstellungsstopp zum Jahreswechsel beendet oder aber verlängert werde, sei noch nicht entschieden.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

Mehr zum Thema