Wirtschaft

Neue Hinweise zum Abgas-Skandal Wusste Wolfsburg schon 2014 Bescheid?

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In Neuwagen wird die sogenannte Abschalteinrichtung nicht mehr verbaut.

(Foto: AP)

Während VW weiter um Schadensbegrenzung bemüht ist, kommen neue Vorwürfe ans Licht. Dokumente der kalifornischen Umweltbehörde legen den Schluss nahe, dass VW bereits 2014 über die Manipulationen informiert war.

Mitglieder des Top-Managements von Volkswagen haben einem Bericht zufolge früh von Problemen bei den Abgaswerten von Dieselautos gewusst. Wie das "Manager Magazin" unter Berufung auf ein Sitzungsprotokoll schreibt, erörterte der damalige Vorstand der Kernmarke VW das Thema schon im Frühjahr 2014.

Das Gremium - damals geleitet vom inzwischen zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn - diskutierte demnach über einen Brief der US-Umweltbehörde EPA. Diese hatte die weltweite Abgas-Affäre im September dieses Jahres ans Licht gebracht. Volkswagen wollte sich zu der Darstellung nicht äußern, auch auf Anfrage gab es zunächst keinen Kommentar aus Wolfsburg.

Aus Dokumenten der kalifornischen Behörde CARB geht hervor, dass VW bereits 2014 von Ungereimtheiten in Kenntnis gesetzt wurde. Später führte das Unternehmen sogar einen freiwilligen Rückruf der betroffenen Fahrzeuge durch und meinte, das Problem gelöst zu haben. Am 3. September soll VW gegenüber den US-Behörden Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselwagen eingeräumt haben - nachdem die EPA gedroht hatte, die Zulassung neuer Modelle zu verweigern.

Persönliches Fehlverhalten?

Am 18. September machten die Amerikaner dann den Fall öffentlich. Der Ende September abgetretene Winterkorn hatte die Verantwortung für die Affäre übernommen, ein persönliches Fehlverhalten aber klar abgestritten. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll der inzwischen beurlaubte VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer im Frühling 2014 aus den USA Hinweise auf mögliche Verstöße gegen US-Emissionsregeln erhalten haben. Ob er anschließend auch weitere Top-Manager der Kernmarke informierte, ist unbekannt.

VW hatte vor gut einem Monat öffentlich eingestanden, die Abgaswerte von Millionen Dieselwagen manipuliert zu haben. Der Konzern muss wegen des Abgas-Skandals allein in Deutschland bisher 2,4 Millionen Diesel in die Werkstatt rufen. Die Aktion soll im Januar beginnen.

Volkswagen schließt nicht aus, dass über die insgesamt rund 11 Millionen Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 hinaus weitere Autos von dem Skandal um manipulierte Abgaswerte betroffen sind. Der Konzern prüfe noch, ob ältere Motoren des Typs EA 288 die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Der Konzern hat bisher 6,5 Milliarden Euro für die Folgen zurückgestellt. Doch es drohen neben Rückrufen noch größere Kosten, etwa für Klagen und möglichen Schadenersatz. Mehrere Top-Führungskräfte sind im Zuge des Skandals beurlaubt worden.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa