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Hedgefonds-Investor steigt ein Der "Geier" kreist um Bayer

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Paul Singer.

(Foto: REUTERS)

Die einen halten Paul Singer für einen rücksichtslosen Investor. Die anderen für jemanden, der Vorständen den verdienten Tritt verpasst. Egal, welcher Lesart sich die Bayer-Führung anschließt: Sie muss sich warm anziehen.

Paul Singer ist als Aktionär bei Bayer eingestiegen. Für den Vorstand ist das eine schlechte Nachricht, denn er darf sich nun darauf einstellen, dass der knallharte Investor den Dax-Konzern aufmischt. Die Führung um Bayer-Chef Werner Baumann hat neben der Glyphosat-Krise ein weiteres Problem.

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Singer findet es nämlich eine gute Idee, Bayer irgendwann in Einzelteile zu zerlegen. Das ist insofern relevant, da er in der Regel einen Hebel findet, um seinen Willen durchzusetzen. Deshalb ist es völlig nebensächlich, dass Singer bisher nur mit rund zwei Prozent an Bayer beteiligt ist.

Der Milliardär geht mit seinem Hedgefonds alles andere als zimperlich vor. Wohlmeinende Menschen bezeichnen ihn als "aktivistischen Investor". Andere ziehen "Finanzterrorist" oder "Aasgeier" vor. Dabei dürfte es Singer herzlich egal sein, was andere von ihm denken. Sein Ziel ist es, maximale Rendite rauszuholen.

Dass er das kann, hat er mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit vergleichsweise geringem Einsatz gelingt es ihm immer wieder, Vorstände vor sich herzutreiben. Singer sucht sich gerne Unternehmen aus, die angeschlagen sind und bei denen er sich günstig beteiligen kann. Dann sucht er Mittel und Wege, um einen Strategiewechsel zu erzwingen und den Aktienkurs nach oben zu pushen. Insofern ist sein Einstieg bei Bayer nicht als Vertrauensbeweis in die Konzernführung zu verstehen, sondern als Alarmsignal.

Bayer-Chef Baumann muss sich auf jede Menge Ärger einstellen. Schließlich legt sich Singer nicht nur mit Unternehmen an, sondern auch mit Regierungen. Im Streit um das Bedienen von Staatsanleihen sorgte er etwa dafür, dass das Schulschiff der argentinischen Marine in Ghana in die Kette gelegt wurde. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ließ Regierungsmaschinen nicht ins Ausland fliegen, weil sie fürchtete, Singer könnte auch die Flugzeuge pfänden lassen.

Nun ist also Bayer an der Reihe. Singer bringt eine Aufspaltung ins Spiel - ob und wann er die in Angriff nimmt, ist zwar offen. Fest steht allerdings, dass er bei anderen Aktionären damit auf Wohlwollen stößt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Bayer-Vorstand bei vielen von ihnen aufgrund des Monsanto-Debakels jede Menge Vertrauen eingebüßt hat.

Die Konzernführung will nun den Befreiungsschlag und gründet einen Sonderausschuss, um die Klagewelle in den USA wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat endlich in den Griff zu bekommen und das Problem notfalls mit einem milliardenschweren Vergleich aus der Welt zu schaffen.

Die Ironie an der Sache ist, dass Bayer mit der Übernahme von Monsanto mehr Börsengewicht erlangen wollte, um ein Singer-Szenario zu verhindern. Doch Schadenersatzurteile in Milliardenhöhe und Tausende anhängige Klagen sorgten dafür, dass die Übernahme zu einem gigantischen Kapitalvernichter wurde. Der Aktienkurs ist danach um mehr als ein Drittel eingebrochen - ohne das heutige Kursfeuerwerk sähe es noch düsterer aus. So konnte Singer günstig bei Bayer einsteigen.

Nun applaudiert der Investor dem Bayer-Vorstand zum Strategieschwenk. Doch dem dürfte es lieber sein, nie wieder von Singer zu hören.

Quelle: n-tv.de

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