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Es könnte schlimmer werden Der "Grexit" ist gefährlich

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Uneins: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und Griechenlands Ressortchef Yanis Varoufakis.

(Foto: dpa)

Es klingt verlockend: Griechenland verlässt den Euro, und alles wird gut. Wenn es denn so einfach wäre.

Frustration und Fatalismus. Mit diesen beiden Wörtern lässt sich die allgemeine Stimmung in Sachen Griechenland hierzulande ausdrücken. Immer lauter werden zwei weitere Wörter gerufen: "Es reicht." So nachvollziehbar die Forderung auch ist, Griechenland und die Eurozone sollten besser getrennte Wege gehen – der Schritt wäre möglicherweise ein gewaltiger Fehler.

Niemand weiß, was passiert, wenn Griechenland den gemeinsamen Währungsraum verlässt. Es gibt ein optimistisches Szenario: Griechenland führt die Drachme wieder ein und die schwache Währung kurbelt Exporte und Tourismus an. Dazu ein Schuldenschnitt mit dem Argument, dass das die Gläubiger das geliehene Geld ohnehin nicht wiedersehen. Griechenland hätte seine Souveränität wieder und sei für sein Handeln selbst verantwortlich. Und der Rest der Eurozone würde endlich aufhören, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Als ob es so einfach wäre.

Die Griechen würden statt Euro wieder Drachmen auf dem Konto haben. Sollte die Eurozone auch nur ansatzweise ernsthaft über einen Austritt sprechen, würde jeder Grieche sein Konto leeren. Die Banken würden das wohl nicht überleben. Die starke Abwertung der neuen Währung würde außerdem die Kaufkraft der Griechen drastisch reduzieren und zu enormer Inflation führen. Dazu kommt: Was in Griechenland passiert, hat Auswirkungen auf alle anderen Länder der Eurozone – und die Finanzmärkte. Die Rettungsmilliarden wären endgültig futsch.

Ja, die bisherige Retterei hat nicht funktioniert. Griechenlands Wirtschaft ist drastisch geschrumpft, die Arbeitslosigkeit ist außerordentlich hoch und die Armut hat kräftig zugenommen. Griechenland bekommt immer wieder neue Kredite, nur um alte abzulösen.

Aber das heißt doch nicht, dass es keine vernünftige Lösung gibt. Wenn der bisherige Weg falsch ist, muss man einen neuen suchen. Eine Mischung aus Strukturreformen und Investitionen wäre zielführender.

Leider ist das Konzept der Regierung in Athen nicht besser als die gegenwärtige Rettungslogik. Sie will fröhlich Milliarden ausgeben, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Finanzieren soll das der Rest der Eurozone – und zwar bedingungslos und ohne Aussicht, das Geld zurückzubekommen.

Vor diesem Hintergrund wäre es möglicherweise wirklich besser, wenn Griechenland die Eurozone verlässt. Das ist aber kein Grund, so zu tun, als ob damit die Probleme aufhören. Wahrscheinlich fangen sie dann erst richtig an.

Quelle: n-tv.de