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Optimismus im Handelsstreit Anleger sind bereit für die Aufholjagd

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Im Handelsstreit herrscht zur Zeit Waffenstillstand. Die USA haben ihre für den 1. Januar geplanten neuen Zölle verschoben. Und China hat im Gegenzug den Ankauf von Soja-Bohnen aus den USA wieder aufgenommen. Werden Peking und Washington bei ihren Strafzöllen demnächst weiter abrüsten?

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem turbulenten Jahresstart sehen Börsianer gute Chancen für eine Erholungsrally. Die USA und China setzen ab Montag ihre Handelsgespräche fort. Wie es in der Zinspolitik weitergeht, könnten die Sitzungsprotokolle von Fed und EZB verraten.

Nach der Achterbahnfahrt zum Jahresstart erhoffen sich Anleger endlich eine Erholung an den Börsen. "Die Märkte sind zurzeit gefangen in einer gewissen Angst, aber Investoren sollten nicht zu pessimistisch sein", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Angesichts der Verluste des Dax in den letzten Wochen 2018 sei ein relativ großes Potenzial für eine Erholungsrally vorhanden.

Das Jahr 2018 beendete der deutsche Leitindex mit einem Minus von 18,3 Prozent. Es war der erste Verlust seit 2011 und darüber hinaus der größte Abschlag seit der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren. In den ersten drei Handelstagen des neuen Jahres legte der Dax eine Berg- und Talfahrt hin, kam aber kaum voran. Am Freitagnachmittag notierte er bei knapp 10.800 Punkten auf Wochensicht im Plus.

An der Wall Street ergab sich im Wochenvergleich für den Dow Jones ein Plus von 1,6 Prozent, den breiter gefassten S&P-500 ein Aufschlag von 1,9 Prozent und den Index der Technologiebörse Nasdaq ein Zugewinn von 2,3 Prozent.

Möglichen Rückenwind könnten die Börsen von den gleich zu Beginn der neuen Woche anstehenden Handelsgesprächen zwischen den USA und China bekommen. Eine US-Delegation wird am Montag und Dienstag zu "positiven und konstruktiven Diskussionen" in Peking erwartet, wie das chinesische Handelsministerium bekanntgab. "Wir erwarten keinen Durchbruch, aber das Potenzial für positive Überraschungen ist da", erläutert Edward Park, Vize-Investmentchef beim Handelshaus Brooks Macdonald.

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Allerdings hätten Anleger auch in der neuen Woche noch an den verfehlten Umsatzzielen von Apple zu knabbern, sagt Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. Angesichts des schwächelnden China-Geschäfts sei der iPhone-Hersteller das prominenteste Opfer des Zollstreits mit den USA. "Es bleibt also abzuwarten, wie sich dieser Konflikt weiter entwickelt. Gibt es hier zeitnah eine Lösung, könnte das dann das ersehnte Licht am Ende des Tunnels für die Apple-Aktie, die Weltwirtschaft und damit auch den Deutschen Aktienindex sein."

Viele Konjunkturdaten

Angesichts der immer stärker wachsenden Konjunkturängste der Anleger rücken nach Einschätzung von Analyst Basse die Dezember-Daten der US-Dienstleister in den Fokus. Diese werden für Montag erwartet. Die Industrie in den USA verlor im Dezember unerwartet stark an Schwung. Außerdem geben die ebenfalls zum Wochenauftakt anstehenden Auftragseingänge für langlebige Güter Einblick in die US-Konjunktur. Am Dienstag folgt die US-Handelsbilanz.

Diesseits des Atlantik stehen die deutschen Auftragseingänge sowie die deutschen und europäischen Einzelhandelsumsätze am Montag auf dem Terminplan. Hinzu kommt der europäische Geschäftsklimaindex am Dienstag.

Sitzungsprotokolle von Fed und EZB

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Dow Jones 25.500,00

Mit Spannung blicken Börsianer am Mittwoch zudem auf die Veröffentlichung der Protokolle der US-Notenbank Fed. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der signalisierten Zinserhöhungen.

Die US-Währungshüter haben die Zinsen 2018 insgesamt viermal an auf die aktuelle Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent angehoben. Für das laufende Jahr signalisierten sie zwei weitere Erhöhungen. Zinsexperte Ian Lyngen vom Broker BMO Capital Markets geht davon aus, dass die Fed in den kommenden 24 Monaten nicht nur ihren Zinserhöhungskurs stoppen wird, sondern aktiv mit Senkungen beginnen muss. Vor diesem Hintergrund werden Anleger ihre Blicke auch auf die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise am Freitag richten.

Einen Tag nach der Fed veröffentlicht die Europäische Zentralbank (EZB) die Protokolle ihrer jüngsten Ratssitzung. Hier hoffen Investoren auf Hinweise, wann die Euro-Hüter die Zinsen erstmals seit etwa einem Jahrzehnt wieder anheben werden.

Quelle: n-tv.de

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