Marktberichte

USA, Brexit, Zahlen Dax-Anleger sortieren die Nachrichtenflut

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Auf Anleger an der Deutschen Börse warten in der kommende Woche viele Nachrichten, die Kurse bewegen können.

(Foto: imago images/Reiner Zensen)

Am deutschen Aktienmarkt werden in der kommenden Woche wieder handfeste Nachrichten die Kurse bestimmen. Etliche Anleger haben Biden als kommenden US-Präsidenten bereits eingepreist. Doch von der Brexit-Front könnten Neuigkeiten kommen. Zudem berichtet viele Dax-Firmen von ihren Sommergeschäften.

Am deutschen Aktienmarkt werden in der neuen Woche weiterhin viele Themen der Vorwoche gewälzt und letztlich die Richtung bestimmen: Unverändert gilt der Fokus der US-Präsidentschaftswahl sowie der weltweiten Entwicklung der Corona-Pandemie. Zudem dürften Äußerungen zu den Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU aufmerksam verfolgt werden. Auch Reden von Zentralbankern aus den USA und der Eurozone stehen an sowie wichtige Konjunkturdaten. Und nicht zuletzt geht die Berichtssaison weiter.

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Der deutsche Leitindex beendete den letzten Handelstag der Woche zwar mit Abschlägen - verbuchte nach den fünf Handelstagen aber ein Plus von acht Prozent. "Hier preisen die Anleger die Risiken wieder aufflammender Handelskriege aus", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Sie setzten darauf, dass Joe Biden Donald Trump als US-Präsident ablösen und eine weniger konfrontative Außenpolitik verfolgen wird. "Die heimlichen Gewinner dieser Wahl sind China und die Europäische Union."

"Auch wenn der Kalender für die neue Woche vollgepackt ist, dürfte er vor allem von Ereignissen dominiert werden, für die es zurzeit kein fixes Datum gibt", schreibt Deutsche-Bank-Analyst Henry Allen vor dem Hintergrund der zähen Auszählung in den USA.

Die Anfechtung der Auszählungsergebnisse durch Präsident Donald Trump rufe Erinnerungen an das Tauziehen im Jahr 2000 wach, als das endgültige Ergebnis erst Mitte Dezember vorlag, sagt Norman Villamin, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung bei der Privatbank UBP. Anleger sollten sich daher auf Kursturbulenzen einstellen. Das juristische Hickhack sei aber nur ein vorübergehendes Störfeuer, sagt Eoin Murray, Chef-Anleger beim Vermögensverwalter Federated Hermes. "Es wird am Ende zu nichts führen."

Experte: November-Beschränkungen nicht wie im Frühjahr

Die Situation rund um die Corona-Pandemie samt den Effekten von neuen Lockdowns werde ebenfalls tonangebend bleiben und "die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden vierten Quartal deutlich beeinträchtigen", schreibt Allen weiter. Das wiederum bringt über kurz oder lang die Zentralbanken erneut ins Spiel, denn an den Märkten wird wieder zunehmend auf weitere Lockerungen durch die Europäische Zentralbank gesetzt.

"Die gute Nachricht ist, dass der ökonomische Schaden der November-Beschränkungen, die ich nicht Lockdown nennen möchte, nur einen Bruchteil des BIP-Einbruchs im Frühjahr betragen dürfte", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Investoren sollten daher darauf setzen, dass sich das Leben ab Mitte 2021 langsam normalisieren werde.

Ein Drittel der Dax-Firmen öffnet Bücher

Das dritte Thema ohne fixes Datum schließlich ist der Ende des Jahres bevorstehende Austritt Großbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt. Hier dürfte jedwedes Anzeichen eines Fortschrittes beobachtet werden, um die Wahrscheinlichkeit einer noch rechtzeitigen Einigung abzuwägen, schreibt der Deutsche-Bank-Analyst Allen.

Von diesen Themen abgesehen gibt es wie üblich noch einige Wirtschaftsdaten: Neben Konjunkturdaten aus Japan und China am Anfang der Woche stehen am Donnerstag in den USA die wöchentliche Arbeitsmarktdaten sowie die Inflationsdaten auf der Agenda. Hierzulande rückt die Industrieproduktion der Eurozone am Donnerstag in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Zuvor, am Montag, stehen die deutschen Außenhandelsdaten für September an sowie am Dienstag die ZEW-Umfrage im November. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gibt die mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung von Analysten und institutionellen Anlegern wieder und ist neben dem Ifo-Geschäftsklimaindex das am meisten beachtete deutsche Konjunkturbarometer.

Unternehmensseitig richtet sich der Blick zunehmend auf die Quartalsbilanzen deutscher Konzerne. Allein aus dem Leitindex Dax werden am Dienstag die Zahlen des Sportartikelherstellers Adidas erwartet, am Mittwoch die des Versorgers Eon sowie am Donnerstag die von Konkurrent RWE, der Deutschen Telekom, des Industriekonzerns Siemens und des Pharma- und Spezialchemieherstellers Merck KGaA. Am Freitag schließlich berichtet Deutsche Wohnen.

Endgültige Quartalszahlen legten darüber hinaus noch Deutsche Post, Henkel und Continental vor. Zudem könnten am Montag noch die Anteilscheine des Agrar- und Pharmakonzerns Bayer mit möglichen Neuigkeiten zum Glyphosat-Rechtsstreit in den USA in den Fokus rücken.

Auch Börsen-Neuling Siemens Energy öffnet seine Bücher. Aus dem Ausland stehen Ergebnisse des SAP-Rivalen Cisco, des Unterhaltungskonzerns Walt Disney und der Schnellrestaurant-Kette McDonald's auf der Agenda.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa