Marktberichte

Wall Street schließt uneinheitlich Dax lebt nur kurze Zeit den 10.000er-Traum

In Frankfurt verpasst der Dax nach einem zwischenzeitlichen Höhenflug einen Schlusskurs oberhalb der 10.000er-Marke. Hier stützen gute Konjunkturdaten. Fallende Ölpreise lasten an der Wall Street etwas auf Stimmung. Der Dow Jones gibt leicht nach.

Mit einem unerwarteten Sprung über die Marke von 10.000 Punkten hat der Dax am deutschen Aktienmarkt überrascht. "Das ist eine klare Gegenbewegung", sagten die beiden n-tv-Börsenexperten Frank Meyer und Sabrina Marggraf unisono. "Die Frage ist nun, wie weit sie trägt", kommentierte Meyer weiter. Die Antwort lieferte bereits der Späthandel.

Dax
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Der Dax erklomm im Tageshoch 10.069 Punkte, schloss dann zwar 1,1 Prozent fester, aber mit 9980 Zählern wieder unter der 10.000. Das Tagestief markierte der Leitindex bei 9879 Stellen. Der MDax verabschiedete sich unverändert bei 20.040 Punkten. Der TecDax verbesserte sich 1,3Prozent auf 1621 Zähler.

"Die Märkte schütteln die schwachen Konjunkturdaten aus China ab", konstatierte James Hughes, Chefanalyst von GKFX. Risikoparameter sprächen wieder für Aktienkäufe. "Kurstreibende Nachrichten gibt es aber nicht, die Erholung ist nur eine Gegenbewegung auf die Schwäche der vergangenen Woche", sagte ein Aktienhändler. Das belege auch der relativ gleichmäßige Anstieg über Branchen und Sektoren hinweg - mit Ausnahme der Rohstoffaktien.

Mit der technischen Situation begründeten einige Marktteilnehmer die hohe Erholungsdynamik. "Die Märkte waren stark überverkauft", sagte ein Händler. Zugleich hätten sie starke Unterstützungen getestet, aber nicht nachhaltig unterschritten. Mit dem Intraday-Comeback vom Freitag und der Bestätigung durch einen guten Montag sollte eine mehrtägige Erholungsbewegung drin sein, schaute der Marktteilnehmer voraus.

Positive Nachrichten von der Konjunkturfront

Auf die Wellengleichheit der jüngsten Korrekturen machte Niall Delventhal von DailyFX aufmerksam. Sowohl in der Abwärtsstrecke von Ende März bis Anfang April als auch in der Verluststrecke von Ende April bis Anfang Mai habe der Dax etwa 7 Prozent eingebüßt, so der Marktanalyst. Und die Abwärtswellen hätten beide elf Handelstage gedauert. Nach dem Apriltief hätte eine Kaufwelle eingesetzt, die den Leitindex um 11 Prozent nach oben getrieben hätte. Widerstände sieht Delventhal bei 10.100 bis 10.150, bei 10.230 und bei 10.485 Punkten.

Positives kam am Morgen bereits von der Konjunkturfront: Die deutsche Industrie zog deutlich mehr Aufträge an Land als erwartet. Sie schürte damit die Hoffnungen auf eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs. Der Auftragseingang erhöhte sich laut Statistik im März in saisonbereinigter Rechnung um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs um 0,6 Prozent gerechnet.

Einen positiven Impuls lieferte zudem Griechenland: Dort hatte das Parlament das von den Gläubigern geforderte Reform- und Sparpaket unter starken Protesten in der Bevölkerung und begleitet von massiven Streiks beschlossen. Das Paket bildet die Grundlage für weitere Milliardenhilfen.

Frankfurt: Autotitel rangieren im Dax weit vorne

VW Vorzüge
VW Vorzüge 141,16

Die jüngst unter Druck geratenen Autotitel konnten deutlich zulegen. Dabei stand wieder einmal VW bei den Anlegern im Fokus. Der Hedgefonds TCI macht gegen Vorstand und Aufsichtsrat aktiv. Allerdings lässt das die Anleger kalt. Eine Analystenstimme stützte zudem den VW-Kurs, der mehr als 2 Prozent anzog. BMW gewannen mehr als 1 Prozent, Daimler 0,7 Prozent. Am anderen Ende rangierten RWE und Thyssenkrupp. Thyssen sackten 5,5 Prozent ab. Für RWE ging es rund 2,5 Prozent nach unten. Commerzbank verbilligten sich 1,1 Prozent. Adidas gaben etwa 0,5 Prozent ab.

Auf Unternehmensseite dauerte die Berichtssaison an: Brenntag enttäuschten dabei. Die Zahlen seien "richtig schlecht", sagte Heino Ruland von der ICF Bank zum ersten Quartal. Sowohl der Umsatz als auch der operative Gewinn hätten die Erwartungen deutlich unterboten. Brenntag-Titel sackten fast 6 Prozent ab. Dass der Konzern den Jahresausblick bestätigt hatte, stützte den Kurs nicht. Die Analysten der DZ Bank hegten denn auch Zweifel an der Gewinnprognose von Brenntag.

Gea Group
Gea Group 24,20

    Unter Druck stand auch der Kurs des Anlagenbauers Gea. Er kam mehr als 1 Prozent zurück. Bei Gea wurde besonders der Umsatz bemängelt, der die Prognosen deutlich verfehlt hat. Zwar seien nach der Veröffentlichung des Auftragseingangs vor drei Wochen die Umsatzerwartungen von Analysten bereits leicht zurückgegangen, "aber offensichtlich nicht in ausreichendem Maße", sagte ein Händler.

Mit leichten Kursabschlägen präsentierten sich Grammer. Rund 1 Prozent ging es am Ende nach unten. "Die Zahlen liefern für mich keinen Kursimpuls", sagte ein Händler zu den Zahlen zum ersten Quartal von Grammer. Beim Umsatz habe das Unternehmen, auch dank einer Übernahme, leicht positiv überrascht. Allerdings müsse es etwas an der Marge arbeiten, um dieses Plus auch in Ertrag umzusetzen.

Ebenfalls nach Vorlage von Geschäftszahlen fiel der Kurs des Nutzfahrzeugzulieferers SAF-Holland. 1,6 Prozent betrug das Minus. Zwischenzeitlich hatten beide Werte aber auch im Plus gelegen.

USA: Dow Jones leicht im Minus

Dow Jones
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Mit einer uneinheitlichen Tendenz haben sich die Kurse an der Wall Street zu Wochenbeginn gezeigt. Vor allem die fallenden Ölpreise und in der Folge Abgaben bei den Energiewerten belasteten die Stimmung, hieß es. Das größte Minus im Dow-Jones-Index verzeichneten die konjunktursensitiven Caterpillar-Aktien, die um 3,5 Prozent fielen. Für die Titel des Ölkonzerns Chevron ging es um 1,5 Prozent abwärts. Den Nasdaq-Composite stützten vor allem die Kursaufschläge im Biotechnologie- und Gesundheitssektor.

Der Dow-Jones-Index fiel um 0,2 Prozent auf 17.706 Punkte. Der S&P-500 erhöhte sich um 0,1 Prozent auf 2.059 Punkte. Der Nasdaq-Composite verzeichnete einen Aufschlag von 0,3 Prozent auf 4.750 Punkte. Der Umsatz fiel auf 966 (Freitag: 970) Millionen Aktien. Es gab 1.438 (1.975) Kursgewinner und 1.646 (1.089) -verlierer. Unverändert schlossen 98 (113) Titel.

Unter den Einzelwerten verloren Twitter 1,4 Prozent. Der Kurznachrichtendienst soll laut Vertretern von US-Geheimdiensten diesen den Zugriff auf einen bestimmten Dienst verweigert haben, um die Privatsphäre von Nutzern zu gewährleisten. Lendingclub brachen um 34,9 Prozent ein. Nach dem Ausweis eines bereinigten Ergebnisses unter Markterwartung wirft CEO Renaud Laplanche das Handtuch beim Online-Kreditvermittler.

Walt Disney meldete einen guten Kinostart von "Captain America: Civil War" in Nordamerika, die Papiere des Unterhaltungskonzerns fielen dennoch um 0,2 Prozent zurück. Hier schien unter den Investoren etwas Vorsicht zu herrschen, denn der Medienkonzern wird am Dienstag seine Ergebnisse für das 2. Quartal vorlegen.

Rohstoffe: Ölpreis kippt doch wieder ab

Ausgebremst wurde die Kauflaune am Aktienmarkt durch die Preisentwicklung am Ölmarkt. Dort war am Abend von den zum Teil deutlichen Aufschlägen des Vormittags nichts mehr übrig - im Gegenteil:  Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 2,5 Prozent auf 44,26 Dollar. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete 43,94 Dollar und damit 1,6 Prozent weniger als noch am Freitag.

"Neue Wetterberichte sprechen für Regen und damit für ein baldiges Ende der Waldbrände in der kanadischen Ölprovinz Alberta", kommentierte ein Händler. Durch die verheerenden Waldbrände war die kanadische Schieferölindustrie weitgehend zum Erliegen kommen. Belastend für die Ölpreisentwicklung wurden auch erste Kommentare des neuen saudischen Ölministers gewertet. Mit einer Trendwende bei den hohen saudischen Förderquoten zur Verteidigung der Marktanteile sei kurzfristig nicht zu rechnen, hieß es. Unerwartet stark gestiegene Ölimporte in China hatten die Preise zunächst gestützt.

Devisen: Euro um 1,14

Der Euro brachte eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Zunächst aufwärts, dann abwärts und am Abend wieder etwas stärker: Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1404 Dollar und damit 0,1 Prozent mehr als noch am Freitagabend. Das Tageshoch lag bei 1,1420 Dollar, das Tagestief bei 1,1375 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1395 Dollar fest nach 1,1427 Dollar am Freitag.

Die wenigen zum Wochenstart veröffentlichten Konjunkturdaten schlugen sich nicht nachhaltig im Austauschverhältnis von Euro zum US-Dollar nieder. Bankvolkswirte nahmen dennoch positiv zur Kenntnis, dass die deutsche Industrie im März deutlich mehr Aufträge erhalten hatte als im Vormonat. Vor allem aus dem Ausland außerhalb der Eurozone waren viele Bestellungen bekommen. Unicredit-Ökonom Tobias Rühl sprach von einer guten Nachricht. Die deutsche Wirtschaft zeige sich trotz globalen Gegenwinds robust.

Unter Druck stand dagegen der japanische Yen. Japans Finanzminister Taro Aso hatte am Morgen abermals die Möglichkeit von Interventionen am Devisenmarkt ins Spiel gebracht. Grund ist die seit einigen Wochen vorherrschende Stärke der japanischen Währung. Sie steht dem Kurs der Notenbank Japans entgegen, Inflation und Wachstum durch eine extrem lockere Geldpolitik anzuschieben. Eine Kursreaktion auf die Worte Asos blieb zunächst aus, im Tagesverlauf gab der Kurs aber nach.

Asien: Nikkei beendet Negativserie

Konjunktursorgen schickten zu Wochenbeginn die Aktienkurse in Shanghai auf Talfahrt. Zweifel an der Erholung der Weltwirtschaft lasteten auch in Seoul auf den Kursen, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag enttäuscht hatten. An anderen Märkten der Region wurden die US-Daten dagegen positiv interpretiert, weil sie erwarten lassen, dass sich die US-Notenbank mit ihrer nächsten Zinserhöhung Zeit lassen wird. Australische Aktien erholten sich von anfangs deutlicheren Verlusten, am Ende stand beim S&P/ASX200 ein Plus von 0,5 Prozent. Der Nikkei-Index schloss 0,7 Prozent höher bei 16.216 Punkten. Er wurde zusätzlich vom wieder schwächeren Yen gestützt.

Kaum bremsend wirkten enttäuschend ausgefallene Exporte Chinas. Sie gingen im April überraschend um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Allerdings waren sie im Vormonat auch um 11,5 Prozent kräftig gestiegen. Dies relativiere den Rückgang nun, hieß es. Der Shanghai-Composite fiel 2,8 Prozent, nachdem das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, die Zeitung "People's Daily", einen "Entscheidungsträger" mit den Worten zitiert hatte, die Erholung der chinesischen Wirtschaft werde eher L-förmig als U- oder V-förmig verlaufen. Derartige Meldungen werden am Markt hochrangigen Regierungsvertretern zugeschrieben und haben entsprechenden Einfluss auf die Kurse.  

Quelle: n-tv.de, bad/rts/DJ/dpa

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