Marktberichte

Wall Street in Rekordlaune Dax schiebt sich in den Juni

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Der Dax am Donnerstag: Der Juni beginnt an der Börse freundlich.

(Foto: REUTERS)

Der neue Monat beginnt freundlich: Der Dax setzt seinen Aufstieg am ersten Handelstag im Juni fort. Starke Daten aus Europa und den USA sorgen für leichten Rückenwind. Auf der Gewinnerliste im Dax tauchen auffallend viele Auto-Aktien auf.

Ermutigender Einstieg in den Börsenmonat Juni: An der Frankfurter Börse verabschiedet sich der deutsche Leitindex mit leichten Kursgewinnen in den Abend. Zum Ende des regulären Xetra-Handels notiert der Dax 0,39 Prozent im Plus bei 12.664,92 Punkten und damit knapp unter seinem Tageshoch aus dem Verlauf.

Der Dax stecke weiter fest in der Handelsspanne von rund 200 Punkten seit seinem Rekordhoch Mitte Mai fest und dem anschließenden Kursrückschlag, erklärte ein Marktbeobachter. Für den vergangenen Monat kann das Frankfurter Börsenbarometer lediglich ein Plus von knapp anderthalb Prozent verbuchen.

Besser als der deutsche Leitindex entwickeln sich derzeit die deutschen Nebenwerte: Der Nebenwerteindex MDax beendet das Donnerstagsgeschäft 1,34 Prozent fester bei 25.464,06 Zählern. Im Technologiewerteindex TecDax geht es um 1,04 Prozent nach oben auf 2313,17 Punkte. MDax, TecDax und selbst der SDax notieren derzeit auf Rekordhoch.

Einen allgemein freundlichen Monatsauftakt verzeichnen Händler auch im übrigen Europa: Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 zum Beispiel liegt am Abend 0,35 Prozent im Plus bei 3567,02 Punkten.

Positive Konjunkturdaten aus Europa stützen im Handelsverlauf die Kurse. Die Markit-Einkaufsmanagerindizes für die Industrie in Deutschland und der Eurozone zeugten von einem kräftigen Wachstum der dortigen Industrie.

Am Nachmittag erreichten solide Daten aus den USA die Börsenöffentlichkeit: Vor allem der am frühen Nachmittag vorgestellte ADP-Arbeitsmarktbericht zeichnete ein Bild unerwartet robuster Stärke. Der private Stellenvermittler meldet für Mai einen Zuwachs von 253.000 Stellen in der Privatwirtschaft, erwartet wurde ein Plus von 180.000. Die ADP-Zahlen liefern nach üblicher Lesart am Markt einen Vorgeschmack darauf, was vom offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung zu erwarten ist.

"Der Stellenaufbau ist sehr robust und die Indikation für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag positiv", stufte Ulrich Wortberg, Marktstratege der Helaba, die Daten ein. Die Zinsfantasien würden tendenziell gestärkt, hieß es. Allerdings gelte zu berücksichtigen, dass Marktteilnehmer wegen der weitgehend vorherrschenden Vollbeschäftigung verstärkt auf die Entwicklung der Stundenlöhne achten. Diese legten bislang nur moderat zu.

Nervös reagierten Anleger in Spanien zeitweise auf Berichte, denen zufolge Banco Popular womöglich vor der Abwicklung steht. Die Aktien der Großbank brechen an der Börse in Madrid bis zum Abend um 17,9 Prozent ein. Auslöser der Verunsicherung ist ein Reuters-Bericht, laut dem das Single Resolution Board (SRB), also der Abwicklungsmechanismus der Banken-Aufsicht in der Eurozone, die EU davon in Kenntnis gesetzt haben soll, dass das spanische Kreditinstitut eventuell abgewickelt werden müsse, sollte sich kein Käufer finden. Banco Popular hat dafür noch bis Ende Juni Zeit. Zwar hat ein SRM-Sprecher den Artikel in der Zwischenzeit dementiert, der Aktie verschafft dies aber dennoch keinen Auftrieb.

Für Bewegung im Automobilsektor sorgt der Staatsbesuch von Chinas Regierungschef Li Keqiang bei Kanzlerin Angela Merkel. Bei einem gemeinsamen Auftritt vor der Presse erklärte Ministerpräsident Li, China sei bereit, günstigere Rahmenbedingungen für die deutsche Autoindustrie zu schaffen. Deutschland sei der wichtigste Partner Chinas in der EU. Die Aktien von Volkswagen zogen parallel zu dem Auftritt deutlich an und verteuern sich bis zum Abend um 1,5 Prozent. Daimler schließen 0,7 Prozent im Plus. BMW verteuern sich an der Dax-Spitze um starke 1,9 Prozent.

Die Kursreaktionen erklärten Beobachter damit, dass sich die chinesische Marktöffnung vorerst nur auf Elektro-Autos beschränkt. China will ab dem kommenden Jahr Quoten für Elektroautos vorschreiben, um die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Die deutsche Autoindustrie hatte mehr Zeit gefordert, da sie vor Ort noch nicht viele Autos mit Batteriebetrieb produzieren und noch am Anfang einer Modelloffensive stehen. BMW ist im Pionier-Segment der Elektromobilität Branchenkennern zufolge besser aufgestellt als Daimler oder VW.

Daneben rückte Linde ins Blickfeld. Bei dem Industriegasekonzern tagt derzeit noch der Aufsichtsrat. An der Börse wird fest damit gerechnet, dass er grünes Licht für die Fusion mit Praxair gibt. Sollte die Fusion gelingen, entstünde der weltgrößte Gasekonzern. Laut Medienberichten scheint die Arbeitnehmerfront gegen einen Zusammenschluss zu bröckeln.

Analysten von Jefferies hatten erst am Vortag das Kursziel für die Linde-Aktie auf 206 Euro angehoben. Die Branchenkenner erwarten, dass Details zur Verschmelzung und regulatorische Überlegungen wichtiger für die Aktie sein werden als beispielsweise die wirtschaftliche Entwicklung oder die Fortschritte von Linde beim Effizienzprogramm LIFT. Linde-Aktien schließen 1,8 Prozent höher bei 173,05 Euro.

Stark gefragt sind auch die Aktien der Lufthansa, die sich um 0,8  Prozent verteuern. Ein positiver Kommentar der Societe Generale ließ den Kurs von Deutschlands größter Fluggesellschaft kräftig steigen. Am unteren Ende des Dax rangieren im Donnerstagshandel die Aktien der Deutschen Telekom. Der Bonner Konzern schüttet am Donnerstag eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie aus. Mit Dividendenabschlag notiert die T-Aktie 2,5 Prozent im Minus.

Zur Eon-Tochter Uniper kursieren Spekulationen, die finnische Fortum könne an dem konventionellen Energieerzeuger Interesse haben. Uniper steigen um weitere 2,1 Prozent.

Die Aktie von Covestro geriet dagegen durch eine Personalie unter Druck: Finanzvorstand Frank H. Lutz wird das Unternehmen kurzfristig verlassen. Er lege sein Amt bereits mit Ablauf des morgigen Freitags nieder, hieß es. In einem ersten Schock fiel die Aktie von 68 Euro auf ein Tagestief bei 65,20 Euro. Sie schließen allerdings erholt 0,6 Prozent fester bei 67 Euro.

USA: Wall Street in Rekordlaune

Starke Daten vom US-Arbeitsmarkt sorgten für neue Rekordstände an der Wall Street. Die Börsenbarometer S&P 500 und Nasdaq schlossen so hoch wie nie zuvor. Anleger zeigten sich erfreut über die monatliche Statistik des Personaldienstleisters ADP. Demnach schuf die Privatwirtschaft im Mai deutlich mehr neue Stellen als erwartet. Mehr Aufschluss über die Verfassung des Jobmarktes gibt am Freitag der Monatsbericht der Regierung, der auch die Stellen im Staatssektor umfasst.

Die Aufkündigung des Weltklimavertrags durch die USA spielte am Markt kaum eine Rolle. Der Dow-Jones-Index schloss 0,6 Prozent höher auf 21.144 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 2430 Zähler. Der Nasdaq Composite verbesserte sich 0,8 Prozent auf 6246 Punkte.

Unter den Einzelwerten zog Deere die Aufmerksamkeit auf sich. Die Aktien schnellten 1,8 Prozent nach oben. Der Traktor- und Baumaschinenhersteller kauft für rund 4,6 Milliarden Euro den deutschen Straßenbaumaschinen-Spezialisten Wirtgen Group. Im Fokus standen zudem Autowerte, nachdem die Hersteller ihre Monatsstatistiken zum Autoabsatz in den USA vorlegten. Ford gelang es im Mai, den Rivalen General Motors (GM) bei den Neuwagenverkäufen zu überholen. Der Kurs von Ford stieg 2,6 Prozent, der von GM 1,5 Prozent und der von Fiat Chrysler 5,4 Prozent.

Zu den Gewinnern zählten ferner Palo Alto Networks, die 17 Prozent nach oben schossen. Der Sicherheitssoftware-Anbieter erfreute die Investoren mit einer überraschend optimistischen Geschäftsprognose. Unter Druck standen dagegen die Papiere von Hewlett Packard Enterprise, die um knapp 7 Prozent absackten. Der Umsatz des IT-Konzerns ging im abgelaufenen Quartal deutlich zurück.

Devisen: Euro gibt nach

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,13

Der Kurs des Euro gibt nach dem Monatswechsel leicht nach. Am späten Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1222 US-Dollar und damit 0,16 Prozent weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1219 (Mittwoch: 1,1221) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8913 (0,8912) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen errechnete die EZB die Referenzkurse für einen Euro von 0,87230 (0,87365) britischen Pfund, 124,53 (124,40) japanischen Yen und 1,0883 (1,0896) Schweizer Franken.

Deutliche Bewegung am Devisenmarkt gibt es weiterhin beim chinesischen Yuan. Obwohl der vom Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelte Einkaufsmanagerindex erstmals seit fast einem Jahr unter die wichtige Schwelle von 50 Punkten sank, legte der Yuan wie schon an den vorangegangenen Handelstagen kräftig zu. Der Wertzuwachs in der Nacht liegt bei fast einem halben Prozent.

Der Preis für Gold und die Notierung des Yen geben leicht nach, was Händler als Hinweis auf eine intakte Risikoneigung an den Märkten werte. Die Feinunze Gold verliert 0,2 Prozent auf 1266,60 US-Dollar.

Rohstoffe: US-Lagerdaten fallen

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 87,90

Der Ölpreis kann zum Einstieg in den Juni seine Mittwochsverluste wieder ausgleichen. Der Preis für die Nordseesorte Brent notiert am späten Nachmittag bei 50,75 US-Dollar je Barrel und damit fast exakt auf Vortagesniveau. US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verteuert sich um 0,3 auf 48,46 Dollar. Das sind 14 Cent mehr als am Vorabend.

Die Lagerbestände an Rohöl sind nach Angaben des US-Energieministeriums (DoE) um 6,248 Millionen auf 509,912 Millionen Barrel zurückgegangen und fielen damit stärker als erwartet. Im Vorfeld befragte Experten hatten im Mittel mit einem Rückgang um 3,0 Millionen Barrel gerechnet.

Die Lagerbestände für Benzin verringerten sich ebenfalls deutlich. Gleichzeitig zog die Raffinerieauslastung zuletzt leicht an auf 95,0 Prozent. In der Vorwoche lag die Auslastung bei 93,5 Prozent. Die deutlich sinkenden Ölreserven in den USA dürften am Ölmarkt für Auftrieb sorgen, meinten Händler. Bereits am Vortag hatte das private Institut API einen Rückgang um über 8 Millionen Barrel in der vergangenen Woche berichtet. Die offiziellen Zahlen zu den US-Reserven wurden wegen eines Feiertags in den USA zum Wochenbeginn nicht wie sonst üblich am Mittwoch veröffentlicht, sondern erst am Donnerstagnachmittag.

Fernost: Nikkei präsentiert sich stark

Nikkei
Nikkei 27.522,26

In der Region Ostasien und Australien präsentiert sich der japanische Aktienmarkt stark. Während es an den meisten Plätzen nur zu kleineren Veränderungen kommt, nachdem die Wall Street wenig Impulse lieferte, rückt der Nikkei-Index um 1,1 Prozent auf 19.860 Punkte vor und nähert sich damit wieder der 20.000er Marke. Zuletzt hatte er sie im Dezember 2015 leicht übertroffen hatte.

Einige Marktteilnehmer äußern sich erstaunt über die deutlichen Gewinne in Tokio, zeigt sich der Yen doch robust gegen den Dollar, der weiter um 111 Yen notiert. Allerdings weisen neue Daten der Tokioter Regierung aus, dass die Investitionen der Unternehmen im ersten Vierteljahr das höchste Niveau seit neun Jahren erklommen haben. "Die Aktivität der heimischen Unternehmen nimmt Fahrt auf", sagt Stratege Hideyuki Ishiguro von Daiwa Securities.

Anders sieht es in Shanghai aus, wo es um ein halbes Prozent nach unten geht. Als belastenden Faktor machen Händler den nichtoffiziellen Einkaufsmanagerindex - ermittelt von Caixin und Markit - für die Produktion aus. Er ist erstmals seit Mitte 2016 in den Schrumpfungsbereich abgesackt. Allerdings war der offizielle Einkaufsmanagerindex zuletzt noch robust ausgefallen. Die Nachbarbörse in Hongkong legt um 0,4 Prozent zu, hier stützt unter anderem der Immobiliensektor nach einer starken Bauland-Versteigerung.

In Südkorea wiederum geht es trotz guter Exportdaten - im Mai plus 13 Prozent - knapp unter dem Rekordniveau des Kospi leicht nach unten. Im genannten Monat wurde eine Rekordmenge an Chips im Volumen von 8 Milliarden US-Dollar ausgeführt.

Unter den Einzelwerten geht es in Tokio mit Toshiba um 2,3 Prozent nach unten. Der angeschlagene Technologiekonzern muss den Verkauf seines Gemeinschaftsunternehmens für Speicherchips rückgängig machen. Der Joint-Venture-Partner ist der Auffassung, dass ein solcher Schritt Toshibas Probleme nicht lösen würde.

Quelle: ntv.de, wne/DJ/dpa/rts

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