Marktberichte

Wall Street dreht in Minus Dax steigt Richtung Jahresende

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Starker Einstieg in den Oktober: Der Dax zieht zu Beginn des vierten Quartals deutlich an - der Dow folgt ins Plus.

(Foto: REUTERS)

Der erste Handelstag der feiertagsbedingt verkürzten Börsenwoche fällt am deutschen Aktienmarkt freundlich aus: Händler verzeichnen reges Kaufinteresse in einem ansonsten eher ruhigen Umfeld. Der Dax setzt seinen Aufstieg fort.

Der Einstieg ins Schlussquartal des laufenden Börsenjahres beschert Anlegern in Frankfurt breit gestreute Kursgewinne: Der deutsche Leitindex kann sich in einem europaweit freundlichen Marktumfeld weiter erholen. Vor allem Automobilwerte ziehen teils kräftig an.

Der Dax beendet den Tag 1,03 Prozent höher bei 10.619,61 Punkten - und damit jenseits der Linie bei 10.600 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legt um 0,54 Prozent auf 21.700,25 Punkte zu. Der Technologiewerte-Index TecDax gewinnt 0,94 Prozent auf 1819,30 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 notiert am Abend 1,03 Prozent im Plus bei 3029,50 Punkten.

Vor dem Wochenende hatten Sorgen um die Deutsche Bank den Dax unter 10.200 Punkte gedrückt, bevor die Ängste schwanden und in einer fulminanten Aufholjagd der Sprung in die Gewinnzone gelang. Am Montag fand in Deutschland am Tag der deutschen Einheit feiertagsbedingt kein Handel statt.

Im Dienstagshandel scheinen die Sorgen rund um die Deutsche Bank oder auch einen "harten" Brexit wie verflogen, sagte Marktbeobachter Jens Klatt. Eventuell setzten die Anleger darauf, dass die Notenbanken den Aktienmarkt notfalls mit noch mehr Liquidität stützen könnten.

Weit oben auf der Gewinnerliste im Dax tauchen die Aktien der Autobauer auf. Neben Analystenstimmen verweisen Beobachter insbesondere auf die am Vorabend vorgelegten US-Absatzzahlen für September. Die Aktien von BMW verteuern sich als stärkster Indextitel um 3,3 Prozent. Hier gab es einen positiven Kommentar der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas.

Angesichts des schwachen Euro waren auch andere Branchenwerte gefragt. Daimler gewinnen 2,6 Prozent. Eine schwache Gemeinschaftswährung könne den Export von Autos in Länder außerhalb der Eurozone erleichtern, lautet das Argument. Für Volkswagen geht es etwas vorsichtigere 1,4 Prozent nach oben auf 118,60 Euro.

Die bereits am Freitag deutlich erholten Papiere der Deutschen Bank bleiben auf Kurs und verteuern sich um rund 1,5 Prozent. Vor dem Wochenende hatten die Anleger nach einem Medienbericht erleichtert reagiert, demzufolge der Finanzkonzern vor einer günstiger als befürchteten Einigung mit den US-Behörden auf eine Strafzahlung wegen umstrittener Hypothekengeschäfte stehe.

Den größten Verlierer im Dax stellen die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von 2,1 Prozent. Auch hier sehen Marktbeobachter vereinzelte Analystenempfehlungen am Werk. Der Broker Raymond James zum Beispiel hatte das Papier von "Marketperform" auf "Underperform" gesenkt. Die Analysten sahen bei der Rendite der Lufthansa die größten Abwärtsrisiken aller von ihnen bewerteten europäischen Fluggesellschaften.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 5,43

Daneben bewegen Übernahmefantasien die Kurse: Chancen sehen Anleger etwa bei solchen Aktien, die laut Marktgerüchten zum Kreis potenzieller Übernahmekandidaten gezählt werden. So verteuern sich die Aktien von Osram um 3,4 Prozent, die Papiere des Wafer-Herstellers Siltronic steigen um 4,2 Prozent und die des Generikaherstellers Stada um 1,1 Prozent.

Die Aktien von Haldex ziehen in Stockholm in der Spitze um 2,3 Prozent an auf 122,75 Kronen, nachdem das "Handelsblatt" von einem Scheitern der Übernahme durch die Autozulieferer ZF Friedrichshafen berichtete. Anschließend gab der Kurs aber wieder deutlich nach.

ZF Friedrichshafen hat mittlerweile bestätigt, wohl nicht die Schwelle von 50 Prozent der Haldex-Aktien überschreiten zu können. "Dass sich der Haldex-Kurs nicht am Angebot von Knorr-Bremse von 125 Kronen orientiert, liegt wohl vor allem an den hohen kartellrechtlichen Hürden", vermutete ein Händler.

Im TecDax schießen die Aktien von Morphosys in die Höhe: Das Papier des Biotech-Unternehmens zieht um fast 20 Prozent an. Am Wochenende hatte das Biotechnologieunternehmen positive Ergebnisse einer Studie zur Wirksamkeit eines Medikaments gegen Schuppenflechte veröffentlicht. Der Broker Bryan Garnier riet daraufhin zum Kauf der Aktie und machte für Morphosys ein Kurspotenzial von rund 70 Prozent aus.

Zögerlicher Analysten-Ausblick

Der Vollzug des Brexit und das Thema Zinserhöhungen der US-Notenbank dürften die europäischen Börsen Analysten zufolge bis Mitte nächsten Jahres ausbremsen. So trauen die mehr als 20 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten dem Börsenbarometer Eurostoxx50 bis Ende Juni im Schnitt nur einen Anstieg auf 3075 Punkte zu, was lediglich vierzig Punkte über seinem momentanen Stand läge. Den Dax sehen die befragten Experten im Schnitt bei 10.500 Zählern und damit ebenfalls wenig verändert.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Wochenende den Antrag zum Austritt aus der Europäischen Union (EU) bis spätestens Ende März angekündigt. Bei der US-Notenbank rechnen Markteilnehmer ab November mit Zinserhöhungen.

In der zweiten Jahreshälfte sollten sich die Börsen dank Steuerreformen dann aber wieder schwungvoller nach oben bewegen. Bis Ende 2017 werde der Eurostoxx50 auf 3225 Punkte steigen, der Dax wird demnach bei 11.150 Punkten erwartet. Zum momentanen Dax-Stand wäre das ein Plus von rund 5,4 Prozent.

Wall Street: US-Börsen schließen mit Verlusten

Trotz positiver Vorgaben aus Europa haben die US-Börsen erneut Verluste verbucht. Zur Begründung für die Abgaben verwiesen Händler an erster Stelle auf Befürchtungen, dass die Europäische Zentralbank schon vor dem geplanten Ende ihres Anleihekaufprogramms damit beginnen könnte, ihre monatlichen Käufe allmählich zurückzufahren.

Dow Jones
Dow Jones 21.052,53

Der Dow-Jones-Index verlor 0,5 Prozent auf 18.168 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,5 Prozent nach und der Nasdaq-Composite um 0,2 Prozent.

Konjunkturdaten, die dem Markt Impulse hätten geben können, wurden am Dienstag nicht veröffentlicht. Allerdings senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognosen für die USA, während die Prognosen für einige europäische Länder und Japan erhöht wurden. Der IWF warnte in seinem Weltwirtschaftsausblick überdies davor, die wirtschaftlichen Folgen des EU-Austritts Großbritanniens zu unterschätzen.  Zinserhöhungsspekulationen weiten sich aus

Und nicht zuletzt ging die Debatte um die Politik der US-Notenbank weiter. Dass die nächste Zinserhöhung in den USA näher rückt, untermauerte am Dienstag der Präsident der US-Notenbankfiliale von Richmond, Jeffrey Lacker. Er bekräftigte sein Plädoyer für eine baldige Zinserhöhung. Die Federal Reserve sollte "präventiv" die Geldpolitik straffen, um die Inflation im Zaum zu halten.

Im Blickfeld der Börsenstrategen stehen im weiteren Verlauf Aussagen zweier Vertreter der Notenbank Fed: Jeffrey Lacker und Charles Evans. Auch wenn beide nicht zum aktuellen Offenmarktausschuss (FOMC) gehörten, verspreche sich der Markt von ihnen neue Erkenntnisse über die aktuelle Wirtschaftslage und die Aussichten für die zukünftige US-Geldpolitik, sagte ein Marktteilnehmer. Konkretisieren wird sich dies dann spätestens am Freitag, wenn die US-Regierung den Arbeitsmarktbericht für September veröffentlicht.

Die Titel der Google-Mutter Alphabet legten um 0,3 Prozent zu. Der Internetriese stellte neue Funktionen sowie ein neues Smartphone mit dem Namen Pixel vor. Etwas gebremst wurde der Kurs von Schlagzeilen aus Europa. Die EU-Wettbewerbsbehörde will Änderungen der Geschäftspraktiken bei Alphabet erzwingen. Sie will zudem wegen des Vorwurfs von Kartellrechtsverletzungen erhebliche Geldbußen einfordern, wie aus Dokumenten hervorgeht, in die das Wall Street Journal Einsicht hatte.

Delta Air Lines zogen um 0,4 Prozent an. Die Fluggesellschaft sieht erste Anzeichen dafür, dass die Kapazitätsreduzierungen nach dem Sommerflugplan die Umsatzentwicklung befeuerten. Darden Restaurants hat die Erwartungen im dritten Quartal geschlagen und bei den Umsätzen auf vergleichbarer Basis erneut Wachstum verbucht, obwohl der Sektor insgesamt schwächelt. Darden will zudem weitere Aktienrückkäufe tätigen. Die Darden-Aktie verteuerte sich um 0,6 Prozent.

Salesforce.com verbuchten ein Plus von 3 Prozent. Das Unternehmen will die Umsatzmarke von 10 Milliarden Dollar schon im kommenden Jahr knacken und nimmt die Marke von 20 Milliarden Dollar ins Visier. Dazu strebt Salesforce ein jährliches Umsatzplus von 20 bis 30 Prozent an, wie CFO Mark Hawkins während der Investorenveranstaltung des Unternehmens zu Analysten sagte.

Summit Therapeutics schossen um gut 66 Prozent in die Höhe. Der Medikamentenentwickler meldet exklusive Lizenz- und Kooperationsvereinbarungen mit Sarepta Therapeutics. Die Titel dieser Gesellschaft zogen um 0,9 Prozent an.

Devisen: Pfund rutscht ab

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,08

Lebhaft ging es am Devisenmarkt zu: Das Pfund Sterling, das bereits am Vortag heftig unter Druck geraten war, fiel mit 1,2719 US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 31 Jahren und damit noch unter den Tiefstkurs nach dem Brexit-Votum. Im späten US-Handel ging "Cable" bei rund 1,2740 Dollar um. Auch zum Euro wertete das Pfund ab. Beobachtern zufolge lastet die Sorge um einen "harten Brexit" auf der britischen Währung.

Am Wochenende hatte Premierministerin Theresa May mit dem März 2017 erstmals den Termin für den Beginn des Austrittsverfahrens aus der EU genannt. May hatte dabei die Begrenzung der Zuwanderung über einen vollständigen Zugang zum EU-Binnenmarkt gestellt. Am Montag sagte der britische Finanzminister Philip Hammond, die Verhandlungen über den Brexit könnten zu wirtschaftlichen Turbulenzen führen.

Derweil erholte sich der Euro mit den EZB-Spekulationen von einem zwischenzeitlichen Rücksetzer zum Dollar. Die Gemeinschaftswährung zog von Kursen um 1,1160 Dollar steil an auf rund 1,1240 Dollar, kam dann aber wieder etwas zurück. Am Abend notierte der Euro bei etwa 1,12 Dollar. Ein Euro entspricht außerdem 114,50 Yen, 0,87540 Pfund Sterling und 1,0949 Schweizer Franken.

In Anbetracht der Bewegungen am Markt hält es Währungsexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank (Coba) für erstaunlich, dass der Franken vom Wiederaufflammen der Brexit-Angst vollkommen unberührt geblieben ist. Dabei habe die schweizerische Notenbank den Zahlungsbilanzdaten zufolge im Zuge des britischen EU-Referendums so stark intervenieren müssen wie seit Aufgabe des Mindestkurses im ersten Quartal 2015 nicht mehr.

In den vergangenen beiden Wochen seien die Sichteinlagen bei der schweizerischen Notenbank wieder ähnlich schnell gestiegen wie Mitte Juni, erklärte Reichelt. Auch angesichts der unerklärlichen Eurorally, zurück über die Marke von 1,09 Franken am Freitag, sage das Wechselkursniveau weiter mehr über die Aktivität der Währungshüter aus als über die Bewertung des Franken, so die Coba-Analystin weiter. Die Frage sei, wem eher die Luft ausgehe: dem Markt, der bereits seit Jahren anhaltenden Aufwertungsdruck auf den Franken ausübe, oder der schweizerischen Notenbank. Aktuell steigt der Euro weiter auf 1,0936 Franken, nachdem er im späten US-Handel bei 1,0918 gelegen hatte.

Zum japanischen Yen zieht der Greenback merklich an. Marktexperten erklären das mit den jüngsten, solide ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA. Sie nährten Spekulationen über eine baldige Zinserhöhung in den USA, nachdem die US-Notenbanker bei ihrer jüngsten Sitzung nochmals klargestellt hatten, dass Zinserhöhungen von der Datenlage abhängig getroffen würden. Der Dollar, der vor Bekanntgabe des Index noch 101,42 Yen gekostet hatte, erreicht im asiatischen Tageshoch knapp 102,40 Yen und kostete zuletzt 102,11 Yen.

Rohstoffe: Ölpreise ziehen leicht an

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 34,65

Die Ölpreise traten nach ihren Dreimonatshochs des Vortages mehr oder weniger auf der Stelle, gebremst vom festeren Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete zum Settlement 48,69 Dollar, 0,2 Prozent weniger als am Montag. Brent sprang zeitweise über die Marke von 51 Dollar, konnte sich dort aber nicht halten.

Händler bleiben trotz der steigenden Preise skeptisch. Marktanalyst Olivier Jakob von Petromatrix sieht eine wachsende Divergenz zwischen dem Markt für physisches Erdöl und entsprechenden Finanzprodukten am Terminmarkt. Der physische Markt sei weiterhin überversorgt, die Preise für am Terminmarkt zögen jedoch seit der Abmachung der Opec deutlich an.

Im Handel mit Edelmetallen geht der Preis für Gold mit der Dollarstärke und den sich mehrenden Rufen nach Zinserhöhungen in den USA auf Tauchstation und sinkt auf die niedrigsten Stand seit dem 24. Juni. Die Feinunze verbilligt sich auf 1287 Dollar - ein Einbruch um 1,9 Prozent zum Vorabend.

Die gleichen Spekulationen sowie ein hohes Angebot an neuen Unternehmensanleihen drücken auch die Notierungen bei US-Renten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steigt um zwei Basispunkte auf 1,64 Prozent.

Asien: Nikkei legt zu

Nikkei
Nikkei 17.820,19

An den Fernost-Börsen geht es angeführt vom japanischen Aktienmarkt weiter aufwärts. Der Antrieb für japanische Aktien kommt vom schwächeren Yen, der die Exportunternehmen des Landes international wettbewerbsfähiger macht. In den USA war der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe nach seinem überraschenden Rücksetzer im September mit 51,5 Punkten wieder deutlich in den Expansion andeutenden Bereich über 50 gesprungen.

In Tokio gewinnt der Nikkei-Index 0,8 Prozent und schließt bei 16.736 Punkten. Gesucht sind vor allem exportsensible Aktien wie Honda Motor, Olympus und Panasonic mit Aufschlägen zwischen 1,7 und 4,9 Prozent. An den anderen Börsen der Region fallen die Kursgewinne kleiner aus, an den chinesischen Festlandbörsen wird die ganze Woche über wegen der Feierlichkeiten um den Nationalfeiertag nicht gehandelt.

In Seoul, wo am Montag wegen eines Feiertags nicht gehandelt wurde, werden die Aufschläge der Nachbarbörsen vom Wochenauftakt nachgeholt. Der Kospi legt ein halbes Prozent zu. Im australischen Sydney folgt der Markt stärker der leicht negativen US-Vorgabe. Nach dem jüngsten Fünfwochenhoch sprechen Beobachter auch von Gewinnmitnahmen. Zudem bremsen etwas nachgebende Rohstoffpreise, die wiederum unter dem anziehenden US-Dollar leiden.

Neben den Exportaktien legen in Tokio vor allem Aktien aus dem Bankensektor zu. Hier ist von einer Gegenreaktion nach dem jüngsten Ausverkauf der Branchenwerte die Rede. Sie litten unter dem schwachen Wirtschaftswachstum, dem Niedrigzinsumfeld und Sorgen vor Ansteckungen, ausgehend von einigen mit Problemen kämpfenden Banken in Europa. Zudem hatte zuletzt die Sorge vor einer nicht stemmbaren Strafzahlung der Deutschen Bank auf die Stimmung gedrückt. Hier gab es aber zuletzt deutliche Entspannungssignale und Hinweise, dass die Strafe niedriger ausfallen dürfte. Mitsubishi UFJ Financial Group und Sumitomo Mitsui Financial Group ziehen um jeweils gut 2 Prozent an.

Quelle: ntv.de, mmo/wne/AFP/DJ/dpa/rts