Marktberichte

Salvini, Brexit, Trump Der Börsensommer wird wohl eher lauwarm

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Es kehrt vorasussichtlich Ruhe ein in den Sommermonaten an der Börse.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den Sommermonaten geht an Europas Börsen traditionell ohnehin schon wenig. Doch in diesem Jahr ist die Hoffnung auf steigende Kurse besonders gering: Der Konflikt der EU mit Italien und die anhaltende Ungewissheit in Großbritannien vermiesen den Anlegern die Stimmung.

Die Aussicht auf ein Sommerhoch an der Börse ist Experten zufolge gering. "Der Juni ist historisch betrachtet schon immer der schlechteste Monat im Jahr für die europäischen Aktienmärkte", sagte Fondsmanager Michael Browne vom Vermögensverwalter Legg Mason. "Und wenn man sich das aktuelle Geschehen anschaut, wird der diesjährige Juni die Erwartungen mehr als erfüllen."

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In der abgelaufenen Woche legte der Dax dank Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) allerdings 2,7 Prozent zu. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts bereits in der Sitzung am 19. Juni taxieren Anleger bislang zwar auf nur 24 Prozent. Nach einer Serie enttäuschender Wirtschaftsdaten und angesichts der Konjunkturrisiken durch den Zollstreit zwischen den USA und China rechneten sie aber mit mehreren Zinssenkungen bis zum Jahresende, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

Vor diesem Hintergrund warten Investoren gespannt auf die US-Verbraucherpreise (Mittwoch) und –Einzelhandelsumsätze (Freitag). "Die anstehenden US-Konjunkturdaten sollten belegen, dass der Aufschwung anhält, von einem Inflationsschub aber keine Rede sein kann", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. In der Euro-Zone werde die Rezession in der Industrie anhalten. Am Donnerstag stehen Zahlen zur heimischen Industrieproduktion auf dem Terminplan.

Wohin geht die Reise mit Johnson?

Kopfzerbrechen bereitet Anlegern zudem die Machtprobe zwischen Italien und der EU-Kommission. Wegen der hohen Staatsverschuldung droht die Brüsseler Behörde der Regierung in Rom offiziell mit einem Defizit-Verfahren, an dessen Ende milliardenschwere Strafzahlungen stehen könnten. Deren Auswirkungen auf die Wirtschaft wäre zwar gering, sagte Jean-Marie Mercadal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters OFI. Sie könnten die Stimmung der Unternehmen aber zusätzlich drücken.

Mit einem Auge schielen Börsianer zudem nach Großbritannien, wo Brexit-Hardliner Boris Johnson Premierministerin Theresa May beerben könnte. Der ehemalige Außenminister werde auch sicher Stimmen der Moderaten seiner konservativen Tory-Partei erhalten, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Abgeordnete und Parteimitglieder wissen, dass 'BoJo' Wahlen gewinnen kann. Das ist das einzige, was zählt."

Für das Pfund Sterling wäre ein Premier Johnson allerdings eine Belastung, warnte Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere. Denn unter Johnsons Führung werde ein ungeordneter EU-Ausstieg Großbritanniens wahrscheinlicher.

Entspannung gab es am Wochenende im Streit zwischen den USA und Mexiko. US-Präsident Donald Trump verzichtet nach Zugeständnissen des Nachbarlandes in der Migrationspolitik vorerst auf die angedrohten Strafzölle. Seinen Angaben zufolge erklärte sich Mexiko bereit, "starke" Maßnahmen zur Eindämmung der illegalen Einwanderung in die USA zu ergreifen.

Quelle: n-tv.de, Hakan Ersen, rts