Marktberichte

Nachzügler legen Zahlen vor EZB-Reaktion auf Coronavirus-Krise erwartet

An den Börsen geht es abwärts.

Börsianer dürften in der neuen Woche vor allem die anstehenden Konjunkturdaten auf Coronavirus-Symptome abklopfen.

(Foto: imago images/STPP)

Am deutschen Aktienmarkt stehen die Zeichen weiterhin auf Sturm. Zwar könnten Schnäppchenjäger für Erholung Sorgen. Doch Anleger stellen sich trotzdem auf eine unruhige Woche ein. Nachdem die Fed ihren Leitzins außerplanmäßig gesenkt hat, spekulieren Marktteilnehmer darauf, dass die EZB nachzieht.

Nach der überraschenden US-Zinssenkung erhoffen sich Börsianer von der Europäischen Zentralbank (EZB) ähnliche Hilfen für die heimische Konjunktur. "Da der Einlagenzinssatz bereits auf einem Rekordtief von minus 0,5 liegt, ist der Spielraum deutlich geringer als bei der Fed", sagt Fondsmanager Wolfgang Bauer vom Vermögensverwalter M&G. Die Währungshüter könnten aber das Volumen ihrer Wertpapierankäufe von derzeit monatlich 20 Milliarden problemlos auf 80 Milliarden Euro aufstocken und dabei verstärkt Unternehmensanleihen einsammeln.

Eine Absenkung der Zinsen für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB auf minus 0,6 von minus 0,5 Prozent gilt bei Investoren als ausgemacht. Die Notenbank könnte einen solchen Schritt schon vor den offiziellen Beratungen am Donnerstag bekanntgeben, prognostiziert Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Vor einigen Tagen hatten sich die Währungshüter auf einer Telefonkonferenz zunächst für eine Politik der ruhigen Hand entschieden.

Rasche Zinssenkung hätte auch Kehrseite

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Auch bei der Fed sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, sagt Analystin Laura Pozzini vom Vermögensverwalter Eurizon. Sie halte weitere Zinssenkungen und zusätzliche Geldspritzen für wahrscheinlich. Investoren sehen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Herabsetzung des Schlüsselsatzes um einen halben Prozentpunkt bei den regulären Fed-Beratungen Mitte März bei mehr als 80 Prozent.

Rasche Zinssenkungen und milliardenschwere Hilfsprogramme von Regierungen hätten aber auch eine Kehrseite, warnt Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Anleger fragen sich, wie schlimm die Lage wirklich ist. Ab einem bestimmten Punkt schüren Interventionen Nervosität."

Vor diesem Hintergrund rutschte der Dax in den vergangenen Tagen kräftig ab. Am Freitag schloss der deutsche Leitindex 3,4 Prozent tiefer bei 11.541,87 Punkten. Damit verbuchte das Börsenbarometer den dritten Wochenverlust in Folge. Das ist die längste Serie seit einem knappen halben Jahr. Auch an der Wall Street gingen die Indizes zum Wochenschluss in die Knie, obwohl die US-Wirtschaft im Februar deutlich mehr Stellen schuf als erwartet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verabschiedete sich mit einem Minus von rund einem Prozent bei 25.864 Punkten ins Wochenende. Der technologielastige Nasdaq gab 1,9 Prozent auf 8575 Zähler nach, der breit gefasste S&P 500 büßte 1,7 Prozent auf 2972 Punkte ein.

Börsianer dürften in der neuen Woche vor allem die anstehenden Konjunkturdaten auf Coronavirus-Symptome abklopfen. Auf dem Terminplan stehen unter anderem Zahlen zur deutschen (Montag) und zur europäischen (Donnerstag) Industrieproduktion."Ob die Talfahrt in der Industrie zu Ende ist, bleibt abzuwarten", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "In den USA werden die Verbraucherpreise für Februar zeigen, dass die Inflation einer weiteren Zinssenkung seitens der Fed nicht im Wege steht."

Nachzügler ziehen Geschäftszahlen vor

Mit einem Auge schielen Investoren zudem nach Großbritannien, wo der neue Finanzminister Rishi Sunak am Mittwoch seinen Haushalt vorlegen will. "Dieser wäre ohnehin schon expansiv gewesen", sagt Analyst Andreas Billmeier von Western Asset Management. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus bieten jetzt einen schönen Deckmantel, um noch mehr auszugeben." In Deutschland könnten die für 2021 geplanten Steuersenkungen vorgezogen werden. "Da diese vor allem Bezieher niedriger bis mittlerer Einkommen entlasten, sollten sie eine gute Wirkung zeigen." Ferner legen in der neuen Woche einige Nachzügler Geschäftszahlen vor.

DZ-Bank-Ökonom Bielmeier erwartet anhaltende Prognoserevisionen der Unternehmen. "Bis sie die aus dem Corona-Virus resultierenden Negativeffekte offenlegen, vergehen wohl noch einige Wochen. Ein Großteil der Folgewirkungen dürfte erst Anfang April nach Abschluss des Jahresauftaktquartals feststehen und bekanntgegeben werden." Gleichwohl dürften sich in der neuen Woche zahlreiche Unternehmen im Zuge der Vorlage ihrer Jahreszahlen zu den Auswirkungen des Virus äußern. Aus dem Dax berichtet am Dienstag die Deutsche Post über das abgelaufene Jahr. Bereits vor wenigen Tagen hatten die Bonner ihre Gewinnziele für 2020 wegen der Coronavirus-Epidemie und Sonderbelastungen beim Elektro-Lieferwagen Streetscooter kassiert.

Am Mittwoch rücken die Zahlen des Sportartikelherstellers Adidas in den Blick. Auch die Herzogenauracher hängen stark am China-Geschäft. Der Versorger RWE, dessen Aktien sich in der Virus-Krise als vermeintlich defensiver Wert bisher relativ gut geschlagen haben, ist mit der Vorlage seiner Jahreszahlen am Donnerstag an der Reihe.

Auf die neuesten Verkehrszahlen von Fraport dürften Anleger am Donnerstag achten, bevor der Flughafenbetreiber seine Jahreszahlen am Tag darauf vorlegt. Die Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise belasteten das Papier bereits wie den gesamten Reise- und Freizeitsektor schwer. Fast ein Drittel der Marktkapitalisierung hat Fraport in den zurückliegenden zwei Wochen nun schon eingebüßt.

Bevor Unternehmenszahlen veröffentlicht werden, können sich Anleger schon an diesem Samstag ein Bild machen von der Wirtschaft in China, wo das Coronavirus zuerst ausbrach. Laut dDZ Bank dürfte bei den chinesischen Aus- und Einfuhren die Statistik gegenüber dem Vorjahr den stärksten Rückgang seit mehr als zehn Jahren ausweisen. Am Montag stehen Daten zur Industrieproduktion in Deutschland auf der Agenda

Quelle: ntv.de, jki/rts/dpa