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Wall Street schließt im Plus EZB und Opec geben Dax keine Impulse

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Kaum was los an der Frankfurter Börse - der Dax schließt nahe seinem Vortages-Schlusskurs.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Überraschung von der EZB-Ratssitzung in Wien bleibt aus. Die Märkte reagieren dementsprechend leidenschaftslos. Der Dax schließt am Ende nahezu unverändert. Vorsicht herrscht an der Wall Street, dort wartet man auf die Freitagzahlen zum US-Arbeitsmarkt.

Stillstand an der Frankfurter Börse: EZB-Chef Mario Draghi hatte mit einer zögerlichen Haltung bezüglich weiterer Geldspritzen die Anleger nicht aus der Reserve gelockt. Auch nach der Pressekonferenz pendelte der deutsche Leitindex Dax um den Schlusskurs vom Vortag - und ging nahe diesem auch aus dem Handel: gerade mal 4 Punkte im Plus auf 10.208 Punkten.

Zwar habe Draghi die jederzeitige Handlungsbereitschaft der EZB betont, falls Risiken für die Erreichung des Inflationsziels bestünden, hieß es in einem Kommentar der Helaba. "Konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Aktion gab es unseres Erachtens aber nicht." Auch die für 2017 und 2018 nicht veränderten Inflationsprognosen deuten nach Ansicht von Commerzbank-Analystin Esther Reichelt darauf hin, dass die EZB wohl erst einmal nicht mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen nachlegen müsse. "Das sollte den Euro eigentlich stützen", fügte sie hinzu.

Wirkliche Impulse für den Devisenmarkt wird ihrer Meinung nach allerdings erst der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag liefern. Die Gemeinschaftswährung schwankte während der Pressekonferenz vom Plus ins Minus und lag am späten bei 1,1151 Dollar.

Indikationen zum Arbeitsmarkt gab es bereits: Der ADP-Bericht fiel mit einem Stellenaufbau von 173.000 minimal besser aus als die erwarteten 170.000. "Mit dem soliden ADP-Stellenplus ergibt sich eine per saldo freundliche Indikation für den morgen anstehenden offiziellen Arbeitsmarktbericht", kommentierte die Helaba. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen leicht besser aus als prognostiziert.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat ihre Ministerkonferenz ohne eine Einigung auf eine Fördergrenze beendet. Das zerstrittene Kartell muss daher weiter darauf setzen, dass Angebot und Nachfrage durch die Marktkräfte allmählich in ein Gleichgewicht kommen, was zu einem höheren Ölpreis führen würde. "Der Markt bestimmt den Ölpreis", erklärte der saudi-arabische Ölminister Khalid al-Falih zum Abschluss der Konferenz. Der Ölpreis gerät nach Abschluss des Opec-Treffens unter Abgabedruck.

Frankfurt: Munich Re rutschen ans Dax-Ende

Munich Re
Munich Re 254,10

Der Dax schloss nahezu unverändert auf 10.208 Punkten. Wenig Bewegung auch beim MDax, für den es 0,2 Prozent nach oben ging auf 20.703 Punkte. Weitgehend Ruhe herrschte auch beim TecDax, der 0,1 Prozent auf 1698 Punkten zulegte. Der Euro-Stoxx-50 gab 0,1 Prozent ab auf 3037 Stellen.

Spürbar erholt nach dem deutlichen Rückgang vom Vortag hatten sich die Versorger RWE und Eon mit einem Plus von 1,4 und 0,7 Prozent. Dabei profitierten RWE auch von Analystenkommentaren. Für Volkswagen ging es im Dax 1,8 Prozent nach oben, Spitzenreiter im Dax waren am Ende jedoch Bayer mit einem Plus von 2,2 Prozent.

Schlusslicht im Dax waren Münchener Rück mit einem Abschlag von 2,2 Prozent. JP Morgan und Bernstein hatten ihre Kursziele gesenkt. Auch die schweren Unwetter belasteten die Aktien, sagte ein Händler. "Man weiß ja nicht, was an Belastungen da noch dazu kommen kann. Und die Wettervorhersagen sind auch nicht gerade rosig."

Im MDax ging es für die Aktie von Bilfinger um 4,2 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat die lukrative Sparte Gebäudemanagement für einen Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Dies entspricht einem Unternehmenswert von 1,4 Milliarden Euro. Der Verkauf spült damit etwas mehr Geld in die Kassen als ursprünglich erwartet wurde.

Airbus-Aktien gaben im MDax 1,3 Prozent nach. Laut Händlern haben die beiden weltgrößten Helikopterbetreiber alle Flüge mit dem auch als "Super Puma" bekannten Airbus-Modell EC225 ausgesetzt, nachdem es im April vor Norwegens Küste ein Unglück mit einem Hubschrauber dieses Typs gegeben hatte. Dabei waren alle Insassen ums Leben gekommen. Norwegische Ermittler haben nun mitgeteilt, sie hätten ein möglicherweise schwer erkennbares Problem gefunden und drängten die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA, zu handeln.

USA: Zurückhaltung an der Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 27.783,59

An der Wall Street herrschte einen Tag vor der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktberichts Zurückhaltung. Die Anleger warteten auf die Jobdaten für Mai und verhielten sich daher ruhig, sagte Randy Frederick vom Handelshaus Charles Schwab. Die am Freitag anstehende Statistik soll neue Hinweise darauf liefern, wann die US-Notenbank (Fed) ihre in Aussicht gestellte Zinsanhebung beschließen wird. An den Märkten wird dieser Schritt größtenteils für Juli erwartet. Neue Zahlen des Arbeitsvermittlers ADP und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deuteten bereits auf eine verbesserte Beschäftigungssituation hin.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,3 Prozent und schloss bei 17.839 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 ging ebenfalls um 0,3 Prozent auf 2105 Zähler hoch. Der Nasdaq Composite notierte 0,4 Prozent höher bei 4971 Punkten.

Apple gaben 0,8 Prozent nach. Zuvor hatten die Experten von Goldman Sachs ihr Kursziel für die Aktie gesenkt. Begründet wurde dies mit einem schwächeren Wachstum in der Smartphone-Branche.

Im Blick standen ferner Oracle-Aktien, die 4,0 Prozent einbüßten. Der SAP-Rivale sieht sich mit der Klage einer früheren Angestellten konfrontiert. Diese beschuldigt den Software-Konzern, sie entlassen zu haben, nachdem sie sich über unkorrekte Bilanzierungspraktiken beschwert habe. Das Management wies die Vorwürfe zurück.

Der Kurs des Minen-Ausrüsters Joy Global schoss 19,9 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hatte überraschend einen Quartalsgewinn ausgewiesen.

Asien: "Abenomics" lasten auf dem Nikkei

Nikkei
Nikkei 23.319,87

Anzeichen für eine weltweite Konjunkturabkühlung und der starke Yen haben die Aktienmärkte in Asien belastet. Die Einkaufsmanagerindizes vom Vortag seien enttäuschend ausgefallen, sagte Frederic Neumann, bei der Bank HSBC zuständig für Asien. Das bestimmte immer noch die Stimmung am Markt. Zudem steige die Nervosität vor dem bevorstehenden Referendum in Großbritannien über einen Verbleib in der EU und die möglichen Auswirkungen für die Weltwirtschaft, hieß es.

In Japan gaben die Kurse kräftig nach. Der Nikkei-Index schloss 2,3 Prozent tiefer bei 16.562 Punkten, der Topix sank um 2,2 Prozent auf 1331 Zähler.

Für Kursverluste sorgte die Entscheidung der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe, die Mehrwertsteuererhöhung zu verschieben. Die Märkte seien enttäuscht, dass Abe nur die Verschiebung angekündigt habe und keine weiteren Hinweise auf mögliche Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft gegeben habe, sagte Devisenstratege Sean Callow von Westpac. Viele Investoren werteten die Entscheidung als Eingeständnis, dass "Abenomics", also die Wirtschaftspolitik Abes, weitere zweieinhalb Jahre braucht, um zu wirken.

Der Yen legte daraufhin zu, was den Exportfirmen zu schaffen macht. Sie gehörten zu den Verlierern. Toyota-Aktien fielen 1,5 Prozent, Nissan 2,7 Prozent und Mazda sogar mehr als vier Prozent.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte ohne Japan notierte leicht schwächer. In China legten die Börse in Shanghai 0,2 Prozent zu, der CSI300 der wichtigsten Kurse in Shanghai und Shenzhen lag leicht im Plus. Sie wurden durch die Erwartung gestützt, dass die chinesischen Börsen Mitte Juni in einen MSCI-Schwellenländer-Index aufgenommen werden.

Rohstoffe: Ölpreise nach Opec-Treffen unter Druck

Die Ölpreis sind unter Druck geraten, nachdem den Ölförderstaaten in der Opec eine Produktionsbeschränkung nicht gelungen ist. Dies war zwar die Konsensmeinung vor dem Treffen im Markt, allerdings hatten einige Analysten im Vorfeld spekuliert, Saudi-Arabien könnte versöhnlichere Töne anschlagen und die Einheit der Opec beschwören. Der Iran ist gegen eine Fördergrenze. Nach dem Ende der Sanktionen will das Land seine Produktion ausbauen. Am Abend ging es mit den Preisen wieder etwas hoch.

Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent stieg um 0,3 Prozent auf 49,85 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ging um 0,1 Prozent auf 48,95 Dollar runter. Gold zeigte sich kaum verändert. Der Goldpreis tendierte minimal leichter bei 1212 Dollar je Feinunze.

Quelle: n-tv.de, kst/ppo/dpa/rts/DJ

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