Marktberichte

Wieder eine tiefrote Woche? Virus-Angst dominiert Börsen weiter

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Binnen einer Woche verlor der Dax mehr als 1600 Punkte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es bleibt spannend an den internationalen Börsen. Das Coronavirus wird auch in der kommenden Woche das Handelsgeschehen dominieren. Die damit einhergehende Verunsicherung könnte zu weiteren Kursstürzen führen. Konjunktur- und Unternehmensnachrichten treten in den Hintergrund.

Wegen des grassierenden Coronavirus müssen sich Anleger nach Einschätzung von Experten auch in der neuen Woche auf Kurstürze einstellen. "Verunsicherung, der schlimmste Feind der Investoren, dominiert die Märkte weltweit", sagt Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Der starke Anstieg der Infektionen außerhalb Chinas schüre Zweifel an der Fähigkeit der Staaten, die Epidemie unter Kontrolle zu halten.

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Dies brockte dem Dax in der abgelaufenen Woche ein Minus von insgesamt etwa 13 Prozent ein. Damit steuerte der Index auf den größten Wochenverlust seit elf Jahren zu. Die Marktkapitalisierung der Aktienmärkte weltweit schrumpfte gleichzeitig um fünf Billionen Dollar. Das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans.

Über die Folgen der Epidemie auf die Konjunktur sind sich Experten uneins. David Folkerts-Landau, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, prophezeit eine Rezession in Deutschland und global. Portfoliomanager Eric Khaw vom Vermögensverwalter Nikko äußert sich optimistischer. "Der Ausbruch ist kein strukturelles Problem. Die politischen Entscheidungsträger und Zentralbanken sind sich der Auswirkungen des Virus sehr bewusst und wir erwarten mehr Maßnahmen, um kurzfristige Auswirkungen auszugleichen."

US-Arbeitsmarktdaten mit Spannung erwartet

Hinweise auf den Gesundheitszustand der Weltwirtschaft erhoffen sich Börsianer von den anstehenden Konjunkturdaten und dürften vor allem auf die US-Beschäftigtenzahlen am Freitag blicken. Experten erwarten für Februar 178.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Plus von 225.000 im Vormonat. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten bieten die Zahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP am Mittwoch. Am selben Tag veröffentlicht die US-Notenbank Fed ihren Konjunkturbericht, das sogenannte Beige Book.

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Diesseits des Atlantiks warten Investoren gespannt auf die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Bei der Veröffentlichung der Firmenbilanzen richten Investoren ihr Augenmerk auf mögliche Warnungen vor den Virus-Folgen für die Geschäfte. Zahlen legen die Konsumgüter-Hersteller Beiersdorf und Henkel sowie der Autozulieferer Continental vor. Im Ausland öffnen der italienische Reifen-Hersteller Pirelli und der Schweizer Schokoladen-Anbieter Lindt & Sprüngli ihre Bücher.

"Super Tuesday" im Fokus

Daneben wirft der US-Präsidentschaftswahlkampf seine Schatten voraus. Bei den Vorwahlen in zahlreichen Bundesstaaten am Dienstag - dem sogenannten "Super Tuesday" - könnte sich der linksgerichtete Senator Bernie Sanders als Herausforderer für US-Präsident Donald Trump herauskristallisieren. Ein Sieg des selbst ernannten Sozialisten wird die Börsen Experten zufolge zusätzlich belasten. Sanders tritt unter anderem für höhere Steuern für Reiche und eine allgemeine staatliche Krankenversicherung ein.

Da könnte ihm die Coronavirus-Krise in die Hände spielen, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die bislang allgemein erwartete Wiederwahl von Präsident Donald Trump sei nicht mehr so sicher. Einige Investoren positionierten sich bereits für eine US-Regierung unter Sanders.

Brexit-Verhandlungen und Opec-Treffen im Blick

Mit einem Auge schauen Investoren zudem auf Brüssel, wo am Montag die Handelsgespräche mit Großbritannien beginnen. Wegen der harten britischen Haltung befürchten Analysten ein Scheitern. Dann droht zum Jahresende die Einführung von Zöllen mit Belastungen für die Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals.

Ende der neuen Woche beraten die großen Erdöl-Exportländer über eine Verschärfung ihrer Förderbremse. Solche Maßnahmen der Opec und ihrer Verbündeten hätten aber nur begrenzten Effekt auf die Preise, warnt Analyst Han Tan vom Online-Broker FXTM. Die Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang durch die Coronavirus-Epidemie überlagere alles. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich in den vergangenen Tagen um mehr als 13 Prozent und steuerte auf den größten Wochenverlust seit vier Jahren zu.

Quelle: ntv.de, Hakan Ersen, rts