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Gefahr wächst durch KlimawandelHirnfressende Amöben breiten sich aus

05.02.2026, 14:24 Uhr Hedviga-NyarsikVon Hedviga Nyarsik
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Naegleria fowleri ist ein einzelliger Organismus, der in feuchten Böden und in warmem Süßwasser wie Seen, Flüssen und heißen Quellen lebt. (Foto: picture alliance / BSIP)

Einzellige Parasiten wie die "hirnfressende Amöbe" Naegleria fowleri können tödliche Infektionen auslösen. Experten sind zunehmend besorgt, da der Klimawandel ihre Verbreitung begünstigt. Sie warnen vor neuen Risiken, die auch Deutschland betreffen könnten.

Sie sind unsichtbar, kommen ohne Wirt aus - und können im Extremfall tödlich sein: Freilebende Amöben rücken zunehmend in den Fokus der Forschung. In einem Beitrag für "The Conversation" warnt die Mikrobiologin Manal Mohammed von der University of Westminster vor einer bislang unterschätzten Gesundheitsgefahr. Der Klimawandel, so die Expertin, schaffe immer günstigere Bedingungen für diese Mikroorganismen - auch außerhalb klassischer Risikogebiete.

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Wenn Naegleria fowleri in die Nase eines Menschen gelangt, etwa beim Schwimmen, kann sie entlang des Riechnervs ins Gehirn vordringen und dort eine eitrige Hirnhautentzündung hervorrufen. (Foto: picture alliance / BSIP)

Freilebende Amöben sind einzellige Organismen, die in Böden und Gewässern vorkommen - von Pfützen bis hin zu Seen. Charakteristisch ist ihre Fähigkeit, ihre Form zu verändern und sich mit sogenannten Pseudopodien, wörtlich "Scheinfüßchen", fortzubewegen. Diese Anpassungsfähigkeit ermögliche es ihnen, in einer "erstaunlichen Bandbreite von Umgebungen zu überleben", schreibt Mohammed. Die meisten Arten sind harmlos - einige jedoch können schwere Infektionen auslösen.

Die gefährlichste Vertreterin: Naegleria fowleri

Besonders gefürchtet ist Naegleria fowleri, auch als "hirnfressende Amöbe" bekannt. Sie lebt in warmem Süßwasser, bevorzugt bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius - etwa in Seen, Flüssen oder heißen Quellen. Gelangt mit ihnen kontaminiertes Wasser beim Schwimmen durch die Nase in den Körper, kann der Erreger entlang der Riechnerven ins Gehirn wandern und dort das Gewebe zerstören. Die Folge ist eine seltene, aber fast immer tödliche Hirnhautentzündung. Die Sterblichkeitsrate liegt laut US-Gesundheitsbehörden CDC bei 95 bis 99 Prozent.

"Die Infektion ist verheerend", schreibt Mohammed. Wichtig sei jedoch: Trinken von belastetem Wasser sei ungefährlich, ebenso eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Gefährlich werde es ausschließlich, wenn Wasser über die Nase eindringe - etwa beim Tauchen oder bei Nasenspülungen mit ungekochtem Leitungswasser.

Warum die Erreger so schwer zu bekämpfen sind

Zwar lassen sich N.fowleri und andere Amöben grundsätzlich durch Chlor und andere Desinfektionsmittel abtöten. In der Praxis ist das Experten zufolge jedoch nicht immer so einfach. Die Parasiten können sich in sogenannten Biofilmen ansiedeln - schleimigen Belägen aus Bakterien, die sich in Wasserleitungen bilden. Dort sind sie für Desinfektionsmittel kaum erreichbar. Zusätzlich können sich die Amöben bei ungünstigen Bedingungen in widerstandsfähige Dauerformen, sogenannte Zysten, zurückziehen.

Besonders problematisch ist zudem der sogenannte "Trojaner-Effekt": Freilebende Amöben können anderen Krankheitserregern Unterschlupf bieten. "Einige Bakterien haben gelernt, nicht nur in Amöben zu überleben, sondern sich in ihnen zu vermehren", erklärt Mohammed. Dazu zählen etwa Legionella pneumophila, der Erreger der Legionärskrankheit, oder Mycobacterium tuberculosis. Auch Pilze und Viren können auf diese Weise geschützt werden - was ihre Verbreitung erleichtert und möglicherweise sogar Antibiotikaresistenzen begünstigt.

Klimawandel vergrößert das Risiko

Dass das Thema an Brisanz gewinnt, hängt eng mit der globalen Erwärmung zusammen. N.fowleri liebe warmes Wasser, schreibt Mohammed. Steigende Temperaturen, längere Hitzeperioden und intensivere Nutzung von Badegewässern erweiterten ihren potenziellen Lebensraum. Regionen, die früher zu kühl waren, könnten künftig betroffen sein. "Diese klimabedingten Veränderungen machen die Risikokontrolle schwieriger denn je", warnt die Expertin.

Tatsächlich gab es in Europa bereits einzelne Fälle. In Spanien überlebte 2018 ein zehnjähriges Mädchen aus Toledo eine Infektion - eine Ausnahme angesichts der hohen Sterblichkeit. In Italien infizierte sich 2004 ein neunjähriger Junge beim Baden in einer kleinen Badestelle am Fluss Po, während eines ungewöhnlich heißen Sommers. Auch aus Belgien wurden mehrere Fälle gemeldet. In Deutschland hingegen sind bislang keine Fälle bekannt, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt.

Deutschland: geringe Gefahr - aber neue Risikofaktoren

Ganz ausschließen lässt sich das Risiko hierzulande dennoch nicht. Zwar kommt N.fowleri vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor. Doch in schlecht gewarteten Pools oder Wassertanks kann sich der Erreger ebenfalls vermehren. Mit zunehmend heißen Sommern steigt auch in Deutschland die Zahl privater Swimmingpools. Rund 2,1 Millionen private Pools gibt es inzwischen, doch nur etwa 22 Prozent werden regelmäßig professionell gewartet, so eine Studie des Bundesverbands Schwimmbad & Wellness.

Fachleute raten deshalb zu Vorsicht. Freilebende Amöben sind selten, aber potenziell tödlich. Für die meisten Menschen bleibt die Gefahr sehr gering. Entscheidend seien eine gute Wasserhygiene, regelmäßige Reinigung und ausreichende Chlorung. Beim Baden in warmen Seen oder Flüssen könne es helfen, den Kopf nicht unter Wasser zu tauchen oder Nasenklammern zu tragen.

Quelle: ntv.de

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