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Baumsterben durch "Hypertropen"Menschheit schafft "Szenario wie seit Millionen von Jahren nicht"

05.01.2026, 11:24 Uhr
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Im Amazonas-Regenwald gibt es immer mehr Tage extremer Dürre, was zum Absterben von Bäumen führt. (Foto: Jeffrey Chambers/UC Berkeley/dpa)

Noch wird das Amazonas-Gebiet nur gelegentlich von heißen Dürrephasen heimgesucht - doch das dürfte sich künftig ändern. Das setzt dem Regenwald zu und könnte einer Studie zufolge zu einem großen Baumsterben führen. Welche Bäume sind besonders gefährdet?

Heiß und trocken: Der Amazonas-Regenwald könnte bis Ende des Jahrhunderts gehäuft heiße Dürrephasen erleben - sogar während der Regenzeit. Das würde nicht nur vermehrt Bäume absterben lassen, sondern generell die Fähigkeit des Waldes verringern, Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufzunehmen. Dieses drohende Szenario habe es auf der Erde seit Millionen von Jahren nicht mehr gegeben, schreibt das internationale Forschungsteam um Jeffrey Chambers von der University of California in Berkeley in der Fachzeitschrift "Nature".

"Tropenwälder enthalten die wärmsten und feuchtesten Lebensräume der Erde", erläutert die Gruppe. "Doch eine zusätzliche Erwärmung wird große Areale der Tropen in höhere Temperaturzustände schieben, jenseits derzeitiger Bedingungen. Wir könnten ein Klima schaffen, das die Erde seit Millionen von Jahren nicht mehr kennt: die 'Hypertropen'."

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Doktorandin Daisy Souza von der UC Berkeley in einem Arbeitskorb hoch oben im Regenwald bei einer Untersuchung der Photosynthese eines Baumes. (Foto: Bruno Oliva Gimenez/dpa)

Das Team hatte an zwei Forschungsstationen im zentralen Amazonien hohe Messtürme eingerichtet und damit die Reaktion von Bäumen auf das Klima detailliert untersucht - insbesondere während verschiedener ungewöhnlicher Dürrephasen wie etwa 2015/16 und 2023/24 in Zusammenhang mit dem Klimaphänomen El Niño.

Die Analysen zeigten, dass solche Bedingungen die Baummortalität um mehr als 50 Prozent ansteigen lassen - von etwa 1 Prozent auf gut 1,5 Prozent pro Jahr. Diese Differenz häufe sich mit zunehmender Zeitdauer.

Bei anhaltender heißer Dürre droht "hydraulischer Kollaps"

Betroffen von dem Baumsterben sind demnach insbesondere jene Arten, die schnell wachsen. Und diese Bäume dominieren vor allem in jenen Arealen, die zuvor abgeholzt wurden - also in Sekundärwald. "Deshalb sind Sekundärwälder möglicherweise gefährdeter durch die dürrebedingte Mortalität", erläutert Chambers in einer Mitteilung seiner Universität.

Anfällig sind die Bäume der Studie zufolge insbesondere dann, wenn die Bodenfeuchte pro Volumen um etwa zwei Drittel sinkt. Dies führt das Team vor allem auf zwei Mechanismen zurück:

Geht die Bodenfeuchte zurück, so können Bäume bei andauernder Hitze einen "hydraulischen Kollaps" erleiden. In einem solchen Fall können Luftblasen das Wasserleitsystem der Pflanzen - den sogenannten Xylem - blockieren und eine Embolie verursachen.

Zudem schließen Bäume bei Trockenstress die Poren ihrer Blätter, um die Verdunstung zu senken. Dann können sie jedoch auch weniger CO2 aufnehmen, das sie unter anderem für ihr Wachstum benötigen. Und dies wiederum sorgt zusätzlich dafür, dass Bäume weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnehmen. Dies könnte sich auf die globale Treibhausgas-Bilanz auswirken.

Nicht nur Amazonien mit dem größten Regenwald der Erde sei von diesem Phänomen betroffen, sondern möglicherweise auch andere tropische Regenwälder betreffen, etwa im Kongobecken oder in Südostasien.

Derzeitige Trockenphasen als Vorboten des drohenden Klimas

Die derzeitigen heißen Trockenphasen, die vor allem in Zusammenhang mit dem Phänomen El Niño stehen, seien Vorboten eines solchen Klimas, schreibt die Gruppe. Schon in 20 bis 40 Jahren könnten heiße Dürrephasen während der Trockenzeit - im Amazonasgebiet gewöhnlich von Juli bis September - regelmäßig auftreten. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte dies möglicherweise an 150 Tagen pro Jahr passieren und damit sogar die Regenzeit betreffen, mahnt die Gruppe unter Verweis auf Klimamodelle.

"In welchem Ausmaß wir dieses hypertropische Klima schaffen, hängt von uns ab", betont Chambers in einer Mitteilung seiner Universität. "Wenn wir nach Belieben Treibhausgase ohne jegliche Kontrolle ausstoßen werden, werden wir dieses Klima früher schaffen."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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