Übertragung von ErregernHandel mit Wildtieren erhöht Risiko für Epidemien

Mit rund einem Viertel aller Säugetierarten wird Handel betrieben, zahlreiche Wildtierarten gehören dazu. Doch diese tragen Krankheitserreger in sich, die für Menschen gefährlich sein können.
Ob fürs Fell, fürs Fleisch oder als Haustier: Der Handel mit Wildtieren erhöht das Risiko einer Übertragung von Krankheiten auf den Menschen einer Studie zufolge deutlich. Bei wilden Säugetieren sei es rund 1,5-mal wahrscheinlicher, dass sie Krankheitserreger mit Menschen teilen, als bei nicht gehandelten Wildtieren, heißt es in einer im Fachjournal "Science" veröffentlichten Studie.
"Mit anderen Worten: Bei diesen Arten ist die Wahrscheinlichkeit um 50 Prozent höher, dass sie mindestens ein Virus, ein Bakterium, einen Pilz oder einen Parasiten mit uns teilen", schreibt das Forschungsteam der Universität Lausanne. Geteilte Erreger werden in der Studie als zentraler Indikator für potenzielle Übertragungen gewertet.
Jede vierte Säugetierart wird gehandelt
Ob Schuppentier, Elefant, Bär oder Igel: Etliche Wildtiere werden als Jagdtrophäen oder Haustiere, für die Forschung, traditionelle medizinische Anwendungen oder wegen ihres Fleisches oder Fells verkauft. Dieser Handel - teils legal, teils illegal - betrifft der Studie zufolge ein Viertel aller Säugetierarten. Etwa bei der Jagd oder beim Transport bestehe das Risiko, dass Erreger von den Tieren auf Menschen überspringen. Solche Fälle haben in der Vergangenheit schon oft zu Ausbrüchen geführt, zuletzt etwa bei Ebola, HIV oder Mpox.
Im schlimmsten Fall kann es verheerende Epidemien zur Folge haben, wenn sich Wildtiere und Menschen nahekommen. Das wohl prominenteste Beispiel für das Überspringen einer Krankheit ist Covid: Das Virus Sars-CoV-2 ging nach gängiger Annahme von in China gehandelten Wildtieren auf den Menschen über. Endgültige Nachweise fehlen, auch mangels Kooperation chinesischer Behörden.
Obwohl das Risiko für solche Tier-Mensch-Übertragungen durch die Pandemie viel Aufmerksamkeit bekommen hat, habe es bislang keine präzise Bestandsaufnahme des Problems gegeben, erklärt der Erstautor der Studie, Jérôme Gippet. Diese Lücke wollten er und sein Team schließen und haben dafür Daten aus 40 Jahren Wildtierhandel (zwischen 1980 und 2019) ausgewertet und mit Daten zu bei Säugetieren festgestellten Krankheitserregern kombiniert. Dafür nutzten sie unter anderem Datensätze des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES).
Haus- und Nutztiere wurden in der Analyse explizit ausgeschlossen. Es wurden lediglich Arten betrachtet, die nicht von Menschen domestiziert wurden - im Gegensatz zu Katzen, Hunden, Rindern oder Kamelen.
Je länger eine Tierart gehandelt wird, desto gefährlicher
Von den 2079 im globalen Handel vertretenen Säugetierarten hatten demnach 41 Prozent mindestens einen Krankheitserreger mit Menschen gemeinsam, bei den nicht-gehandelten wildlebenden Arten war dies nur bei 6,4 Prozent der Fall. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Wildtierhandel es somit strukturell mit sich bringe, dass Übertragungen von Krankheitserregern auf den Menschen stattfinden.
Besonders überraschte die Forscher bei ihrer Analyse, dass es einen Unterschied machte, wie lange eine Spezies im Handel präsent war. "Im Durchschnitt teilt eine Art für alle zehn Jahre, die sie auf dem Markt gehandelt wird, einen zusätzlichen Erreger mit dem Menschen", betonte Gippet, der mittlerweile an der Universität Freiburg tätig ist.
Konsumentscheidungen sind relevant
Die Erkenntnisse zeigten, wie wichtig eine engmaschige Überwachung des Tierhandels sowie von Tierprodukten sei, um Gefahrenpotenziale zu erkennen, heißt es in der Studie.
Die Autoren betonten zudem die Verantwortung der Konsumenten. "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Wahrscheinlichkeit, sich durch das Spielen eines Klaviers mit Elfenbeintasten oder das Tragen von Pelz anzustecken, nahe null ist. Das Problem liegt am Anfang der Kette: Jemand musste das Tier jagen, häuten, transportieren", erklärte Forscher Gippet. Studienleiter Cleo Bertelsmeier gab zu bedenken: "Auch wenn die Gefahr nicht unmittelbar ist, tragen unsere Konsumentscheidungen indirekt zur Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen bei."